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Anonymes Bio-Ei auf Rügen ohne Chance

Bergen Anonymes Bio-Ei auf Rügen ohne Chance

„Eier gut, Ende gut“ — den Skandal um falsch deklarierte Bio- Eier und Massenhaltung von Legehennen betrachten die Rüganer allenfalls aus der Ferne. Die Insel, schon lange für ihre traditionellen, regionaltypischen Produkte bekannt und gerühmt, erschüttert der erneute Lebensmittelbetrug in keiner Weise.

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Ren� Thom f�ttert seine H�hner in Samtens. 900 St�ck h�lt der �ko-Bauer auf dem Biopark-zertifizierten Hof.

Quelle: Udo Burwitz

Bergen. „Jeder Lebensmittelskandal ist erstmal negativ zu sehen, aber für die regionale Produktion kann dabei auch Positives herauskommen“, sagt Torsten Möller vom Poseritzer Eierhof. Auf Rügen gebe es keine „schwarzen Schafe“.

„Seit Bekanntwerden des Betrugs mit Bio-Eiern vor einigen Tagen hatte ich höchstens zwei Anfragen von Kunden, woher die Eier kommen“, berichtet Claudia Mahnke. Sie betreibt den Bioladen „Esskultur Rügen“ in der Bergener Bahnhofstraße und bezieht ihre Eier direkt vom zertifizierten Bio- Ökohof Thom in Stönkvitz. „Etwa 90 Eier lose und 50 Zehner-Pakete hole ich in der Woche.“ Mahnke hat Vertrauen zu René Thom, genauso wie Gudrun Thiess, die den Landgasthof „Andernorts“ in Rappin betreibt und auf gesunde Lebensmittel schwört. „Bei Thom sieht man die Hühner frei laufen und geht deshalb davon aus, dass die Qualität stimmt“, betont Thiess, die früher einen Bioladen in Sellin betrieben hat.

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Früher hatten wir einen Liefe- ranten. Nun kaufen wir Eier aus der Region. Wenn Eier in Massen produ- ziert werden, bleibt Betrug wohl zwangsläufig nicht aus.“Frank Thomas, Kantor

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Auch sie weiß, dass „freilaufend“ noch lange nicht „Bio“ bedeutet. Ein bestimmtes Platzangebot, mindestens vier Quadratmeter Auslauffläche pro Tier, und bestimmte Futtermittel-Auflagen müssen eingehalten werden. Torsten Möller vom Poseritzer Eierhof bezieht seine Bio-Eier von der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof und kennt sich genauestens aus mit den Vorschriften. Er handelt überwiegend mit Eiern von der Insel Rügen. 7,5 Millionen Stück liefert er im Jahr an Gaststätten, Privatkunden, Läden und Hotels.

Auch dort herrscht übrigens keine Panik. Conrad Lehrmann, Küchenchef im Seehotel Binz-Therme, registrierte bei 370 ausgegebenen Frühstücken zu Wochenbeginn nur „ein paar“ Kundenanfragen zur Herkunft der Eier. „Bio-Eier haben wir sowieso nicht, nur Eier von freilaufenden Hühnern, allein am Frühstücksbüfett werden täglich etwa 180 in allen Variationen ausgegeben, da muss die Qualität stimmen.“

Das Gut Rosengarten bei Garz wiederum produziert ausschließlich Bio-Eier, von wirklich glücklichen Hennen, denn Platz gäbe es laut Bio-Verordnung für 1000 Hühner. „Also bei uns haben die Tiere wirklich massig Platz, sowohl auf den Freilandflächen als auch im Stall“, erzählt Betriebsleiterin Monika Dandemoraju. 130 Eier werden täglich innerhalb der Region geliefert, auch in Abo-Kisten an Privatkunden. „Die meisten kennen uns, kommen auch mal vorbei und besichtigen das Gelände“, berichtet die Fachfrau und vermutet in diesem Punkt den Vorteil streng kontrollierter Kleinbetriebe. „Der Skandal ist sehr unschön, uns scheint das aber nicht zu schaden, im Gegenteil, die Leute kommen lieber zu uns als ein anonymes Bio-Ei im Supermarkt zu kaufen.“

René Thom sieht das genauso. „Die Großen schädigen den Ruf der ganzen Branche“, schimpft der Landwirt. 900 Hühner hält der Bio-Eier-Produzent aus Stönkvitz, darunter 800 Legehennen, die in zwei Ställen in Samtens gehalten werden. Die Eier werden im eigenen Hofladen und auf Märkten verkauft. Außerdem beliefert Thom damit Reformhäuser und Naturkostläden von Binz bis Stralsund. Der Öko-Hof zählt zu den Bio-Pionieren auf Rügen. „Wir gehören zu den Ersten, die von der konventionellen auf die ökologische Produktion umgestellt haben“, sagt Thom, dessen Hof seit 1995 das Gütesiegel von Biopark trägt, einem der führenden Verbände für ökologischen Landbau in MV.

„Damals sind wir von großen Eier-Produzenten dafür belächelt und in die grüne Ecke gestellt worden“, erinnert der heute 45 Jahre alte Öko-Bauer. Dass Bio gefragt ist, haben inzwischen aber auch die Großen erkannt, sagt er. Viele seien inzwischen auf den Zug aufgesprungen. „Doch einige der Großen können den Hals offensichtlich nicht voll genug kriegen “, wettert Thom. Wer Bio kauft, der kaufe bewusst und vertraue darauf, dass die strengen Produktionskriterien eingehalten werden und nicht getrickst wird. Auf seinem Hof seien die Hühner im Sommer den ganzen Tag draußen. Selbst jetzt im Winter öffne er gleich morgens die Stalltüren. Nicht nur die Auslaufzeiten würden auf dem Öko-Hof getoppt. Die Hühner hätten in den Ställen auch mehr Platz. „Auf Rügen ist jedes Bio-Ei auch wirklich bioproduziert“, sagt Thom bestimmt.

Eier gehören zu den beliebtesten Lebensmitteln

180 Eier mindestens verbraucht das Seehotel Binz-Therme beim täglichen Frühstücksbuffet — als Spiegelei, Omelett, Rührei, weich gekocht oder hart. 7,5 Millionen Eier vertreibt

Torsten Möller aus Poseritz im Jahr,

darunter viele Bio-Eier. Er liefert an Hotels, Gaststätten, Läden, Privatkunden.

130 Bio-Eier verlassen

täglich das Gut

Rosengarten. Ein

Vielfaches, etwa 900, produziert der größte Rügener Bio-Eier-Hof in Stönkvitz am Tag. Der Poseritzer Geflügelhof punktet mit Zahlen: zwölf Millionen Eier im Jahr von 51 000 Tieren

in Freiland- und Bodenhaltung. lr

Lena Roosen und Udo Burwitz

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