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Antisemitische Hetze an Stralsunder Gymnasium

Stralsund Antisemitische Hetze an Stralsunder Gymnasium

Mehrere Schüler einer 7. Klasse sind nach dem Vorfall mit Tadeln bestraft worden

Stralsund. Aufregung am Stralsunder Hansa-Gymnasium: Dort haben Schüler einer 7. Klasse einen überaus rassistischen und antisemitischen Kommentar verbreitet.

„Ich kann bestätigen, dass es innerhalb eines Medienprojektes einen Zwischenfall gegeben hat, bei dem Projektergebnisse beschädigt, verändert und unflätig kommentiert wurden“, sagt Schulleiter Thomas Janke. „Dieser Vorfall wird wie jeder andere an unserer Schule sorgfältig aufgeklärt und mit den Beteiligten ausgewertet. Das schulische Verfahren dazu ist noch nicht abgeschlossen.“ Angaben von Eltern zufolge sind die beteiligten Schüler mit einem mündlichen Tadel bestraft worden, nachdem im Intranet der Schule der Satz „Ich bin Adolf, dein Führer, du Jude“ hinterlassen worden war.

Pöbelei im Netz ist nicht nur am Hansa-Gymnasium ein Problem. Nach Angaben des Beratungsnetzwerkes für Demokratie und Toleranz Mecklenburg-Vorpommern gibt es zurzeit einen massiven Anstieg hetzender und diskriminierender Kommentare in sozialen Netzwerken. „Man kann das konkret an dem Zeitpunkt festmachen, als Pegida an die Öffentlichkeit trat“, sagt Hartmut Gutsche, Leiter des Regionalzentrums für demokratische Kultur Vorpommern-Rügen. Gutsche: „Die digitale Hemm- und Tabuschwelle ist gesunken, offene Hetze ist salonfähig geworden.“

Die Grenzen des Anstandes und des Sagbaren würden sich im Internet immer mehr verschieben und aufweichen. „Und wir erleben eine Verlagerung der Meinungsäußerung in den Raum des Netzes“, betont Gutsche. „Das Problem ist, dass es dort sozusagen noch keinen Knigge gibt und die Gesellschaft erst dabei ist, die Spielregeln zu definieren. Es zeugt von Medienkompetenz, sich bewusst zu machen, dass es trotz allem kein rechtsfreier Raum ist.“ Er hält es für absolut wichtig, gerade an Schulen den verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu vermitteln.

Aus Sicht der Eltern eines beteiligten Hansa-Schülers (Name ist der Redaktion bekannt) sei ihr Sohn aber zu Unrecht mit einem Tadel bestraft worden, nachdem die Sache bekannt geworden war. „Unser Kind hat damit nichts zu tun, sondern hat den Kommentar lediglich gesehen und hat trotz allem einen mündlichen Tadel ausgesprochen bekommen“, erklärt der Vater. „Wir möchten nicht, dass es mit den anderen in einen Topf geworfen wird.“

Thomas Janke betont, dass die Schule antisemitische oder rassistische Sprüche in keiner Weise toleriert: „Dagegen verwahren wir uns. Wir verfolgen eine humanistische Erziehung auf den Grundlagen unserer demokratischen Ordnung. Wir haben uns in der Vergangenheit auf vielfältige Weise immer wieder gegen rechtes Gedankengut engagiert.“

Unter anderem war am Hansa-Gymnasium eine Wanderausstellung über Anne Frank zu sehen, die der Schule vom Anne-Frank-Zentrum zur Verfügung gestellt worden war und durch die die Gymnasiasten ihre Mitschüler führten. Außerdem kooperiere die Schule immer wieder für Projekte mit dem Bündnis gegen Rechts.

Auch Medienpädagoge Stefan Koeck ist betroffen. Er leitet das Filmprojekt, bei dessen Vorbereitung Schüler die antisemitische Hetze in ein Drehbuch geschrieben haben, das im Intranet der Schule zur Bearbeitung freigegeben worden war. „Es ist nicht nur so, dass die Kommentare inhaltlich die Schmerzgrenze weit überschreiten“, sagt er. „Doch diese Schüler haben durch die dazwischen geschriebenen Kommentare und das Löschen von ganzen Textpassagen auch die wochenlange Arbeit ihrer Klassenkameraden zerstört. Es ist erschütternd, wie wenig Respekt sie vor der Arbeit anderer haben.“

Miriam Weber

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