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Arbeitskampf spaltet die Belegschaft

Stralsund Arbeitskampf spaltet die Belegschaft

Nach dem Warnstreik bei Hestia melden sich Betroffene zu Wort

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Ein Foto vom Warnstreik. Hestia-Beschäftigte fordern auf Transparenten Gesprächsbereitschaft von der Geschäftsführung.

Quelle: Foto: Stefan Sauer

Stralsund. Der Warnstreik bei der Stralsunder Hestia Pflege- und Heimeinrichtung GmbH beschäftigt noch immer die Gemüter der Beschäftigten. Kurz vor Ostern hatte am 12.

April die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Belegschaft aufgerufen, sich für einen Haustarif stark zu machen.

Der Streit um eine bessere Vergütung im Pflegedienst schwelt schon länger. Bereits im August vergangenen Jahres war es zu einem ersten Protest gekommen. Damals sah Verdi-Fachbereichsekretär Mario Klepp die Zeichen auf Sturm, weil die Geschäftsführung trotz mehrmaliger Aufforderungen die Aufnahme von Verhandlungen verweigert hatte. Klepp letzten August zur OZ: „Es muss doch möglich sein, zunächst erst einmal miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Offensichtlich ist das den Tarifparteien bis heute nur unzureichend gelungen.

Die verhärteten Fronten führten nun dazu, dass gut 30 der rund 150 Beschäftigten ein Zeichen setzten und dem Verdi-Aufruf zum jüngsten Warnstreik folgten. Jedoch zeigen die Leserbriefe, die nach der Veröffentlichung „Warnstreik bei Stralsunder Pflegedienst Hestia“ die OZ erreichten, dass die Belegschaft zu dem Thema gespalten scheint.

So schreibt Laura Kretschmann , Mitarbeiterin im „Haus am Wald“ bei Hestia: „Laut Aussage unseres Geschäftsführers Herrn Christian Offermann verdienen wir rund 2000 Euro brutto.

Aus eigener Erfahrung und der Aussage anderer Kollegen kann ich Ihnen mitteilen, dass dieses Gehalt nicht ein einziger Mitarbeiter von uns erhält.“

Robert Kursawe , seit 2006 bei Hestia, bezieht sich auf die Aussage des Geschäftsführers Christian Offermann, wonach eine examinierte Pflegekraft in der Einrichtung 2176 Euro verdienen würde: „Seit acht Jahren trage ich den Titel Fachkraft. Arbeite normal im Schichtsystem, sowohl an Wochenenden als auch an Feiertagen. Mein aktuelles Märzbrutto entspricht 2037,93 Euro und nicht wie von Herrn Offermann angegeben 2176 Euro.“ Mit seinem Schreiben will der 28-jährige Pfleger auch ein Zeichen setzen: „Es ist für uns als Belegschaft sehr schwer. Viele wurden schon eingeschüchtert. Mich eingeschlossen.“

Auf der Gegenseite wirft Prokurist Andreas Redieck , seit 18 Jahren bei Hestia, Gewerkschaftern vor, Druck auf die Belegschaft ausgeübt zu haben. „Unter anderem wurden Mitarbeiter als Streikbrecher bezeichnet, die sich nicht an dem Streik beteiligen wollten. An dem Streik nahmen u. a. drei Mitarbeiter teil, die gerade vor ein bis zwei Jahren bei der Hestia, natürlich freiwillig, angeheuert haben. In dieser kurzen Zeit konnten sie schon von guten Lohnerhöhungen profitieren. In den Jahren 2015 – 2017 hat die Hestia den Lohn um insgesamt neun Prozent erhöht. In der Hestia gibt es ein anerkanntes Tarifwerk, welches familienfreundlich ist und die nicht so hoch qualifizierten Mitarbeiter deutlich besser stellt als es in anderen Tarifwerken der Fall ist. Darum ist meine Verwunderung sehr groß darüber, dass ausgerechnet die Mehrheit der Streikenden aus dieser Schicht der Mitarbeiter bestand.“

Christian Frosina macht in seinem Schreiben deutlich: „Als Quereinsteiger und damit dienstjunges Personal bin ich mir mit sehr vielen Kollegen einig, dass Arbeitsumfeld und -bedingungen hier in der Hestia deutlich besser sind als woanders. Innerhalb der Hestia herrscht ein sehr hoher Anspruch an Menschlichkeit und Transparenz. Wir haben einen Tarif, und zwar den BAT-O, der älter und wesentlich sozialer ist als der TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst d. R.) den Verdi durchboxen will.“

Auf einen anderen Aspekt des Verdienstes im Pflegebereich macht Bernhard Müller , Diplompädagoge im Sozialdienst bei Hestia aufmerksam: „Ich musste feststellen, dass die Vergütungssätze für vergleichbare Einrichtungen (z. B. Heime für Menschen mit geistiger Behinderung) weit unter denen in Berlin liegen. So liegen Tagessätze in MV für ein Wohnheim bei ca. 58 bis 60 Euro. In Berlin bei 120 bis 200 Euro. Aus diesen Tagessätzen müssen auch die Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezahlt werden. Ich bin der Meinung, dass Menschen in sozialen Berufen bedeutend besser bezahlt werden müssen. Hier ist aber die Politik gefragt. Vergütungssätze werden mit der jeweiligen Landesregierung verhandelt. Es wäre also sinnvoller, in Schwerin für die Anhebung der Vergütungssätze zu demonstrieren!“

Gespächsangebot gefordert

BAT-O war der Bundesangestelltentarif Ost, eine besondere Form des BAT mit reduzierter Vergütung für Beschäftigte im öffentlichen Dienst der neuen Bundesländer.

TVöD ist ein Tarifwerk für Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung von Bund und Kommunen. Es löste 2005 die Tarife BAT und BAT-O ab.

Bei Hestia orientiert sich die Vergütung laut Geschäftsführung an dem einstigen Tarifwerk BAT-O, mit allen Zulagen, die möglich seien.

Verdi fordert zunächst erst einmal ein Gesprächsangebot von Hestia, um das verfassungsmäßige Recht auf bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Jörg Mattern

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