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Auf Umwegen zum Pilotenschein

Stralsund Auf Umwegen zum Pilotenschein

„Hubschrauber-Pilot war schon als Fünfjähriger mein heimlicher Traum.Andreas Seyfert, Hubschrauberpilot

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Andreas Seyfert mit seinem Co-Piloten Benno Schultz vor dem Hubschrauber. FOTO: MARLIES WALTHER

Stralsund. . „Hubschrauber-Pilot war schon als Fünfjähriger mein heimlicher Traum“, sagt Andreas Seyfert. Es kam natürlich anders, aber dann hat der gebürtige Staßfurther es doch noch geschafft. Auf Umwegen – wie das so ist im Leben.

„Alles begann 1996“, erinnert sich der Stralsunder. Damals hatte er seinen Sohn Michael mit seiner Jugend-Fußballmannschaft in die USA begleitet. Zwei Tage vor der Heimreise habe ihn der Hausherr seiner Gastgeber gefragt, ob er denn nicht mal Lust habe, Hubschrauber zu fliegen. Seyfert hielt seine Chance für gekommen und sagte zu.

Der Fluglehrer habe angenommen, dass er sich schon mit Flugzeugen auskannte und meinte trocken: Es gebe nur vier Sachen, die wichtig seien: Pitch (Anstellung der Rotorblätter), Stick (Neigung der Rotorebene), Pedals (Steuerung des Heckrotors) und Gas geben. Was Seyfert als ehemaliger Elektromonteur, Seeoffizier und Elektronik-Berufsschullehrer ohne Mühe schnell verstand.

Der Amerikaner ließ ihn in 1000 Fuß Höhe fliegen, schließlich verfügte die Ausbildungsmaschine über ein doppeltes Steuerungssystem. „Nach der nicht ganz sanften Landung“, so Seyfert, „war für mich klar: Das ist es!“ Der Flugvirus, der seit 1963 in ihm schlummerte, war wieder erweckt und ließ ihn nicht mehr los. Obwohl er von der Seefahrt kam, mit der er 1977 auf dem Segelschulschiff „Wilhelm Pieck“, der heutigen „Greif“, begonnen hatte. Es folgten das Studium an der Offiziershochschule und schließlich seine Stationen als Seeoffizier, Waffenleitoffizier, erster nautischer Offizier auf einem U-Jäger und zuletzt im Dienstgrad Kapitänleutnant Lehrer an der Offiziershochschule der Volksmarine in Stralsund.

Dort forschte der Ingenieur für Regelungstechnik mit seinen Studenten und konnte sogar seine ersten Patente anmelden. Schon vor der Wende kehrte er jedoch der Marine den Rücken. Das war die Geburtsstunde seiner Selbständigkeit. Trotz ungewisser Perspektive gründete er mehrere Firmen, die bis heute existieren. Vier Jahre lang machte er sich Gedanken und sparte, wo er nur konnte, für sein nächstes Ziel. Das begegnete ihm schließlich auf dem Flughafen Neubrandenburg-Trollenhagen in Gestalt eines Fluglehrers.

Der überzeugte ihn schließlich, dass er sowohl den Schein für Flugzeuge als auch für Helikopter machen sollte, zumal der Preis für „zwei Fliegen mit einer Klappe“ stimmte. „Ich bin ja nicht nur Techniker“, meint der heute 59-Jährige und ehemalige Vizepräsident der IHK Rostock, „sondern auch Kaufmann“. Man könne vieles besser einschätzen, wenn man beides kann, außerdem seien die theoretischen Grundlagen ähnlich.

Im September 2000 ging sein Traum auf dem Flugplatz von Schönhagen bei Berlin in Erfüllung: Ihm wurde der Pilotenschein für Hubschrauber ausgehändigt. Und das nach nur zehn Tagen Ausbildung. Das war und ist nach wie vor deutscher Rekord. Sein erster.

Und Seyfert hatte Glück: Berufspiloten ließen ihn beim Überführen von Maschinen an den Steuerknüppel, um weitere Erfahrungen sammeln zu können.

Das Geld reichte 2003 schließlich für einen gebrauchten Hubschrauber vom Typ Hughes 300, einem 1977 gebauten Dreisitzer (D-HBER) von 190 PS mit 140 km/h Höchstgeschwindigkeit, mit dem er bei einem Spritverbrauch von 45 Litern pro Stunde vier Stunden in der Luft bleiben konnte. Rundflüge und Luftbildfotografie spülten Geld in die Kasse, kostet doch eine Flugstunde immerhin 600 Euro. Im Februar 2010 hatte er Glück im Unglück. Bei einem Absturz aus geringer Höhe beim Landeanflug kam er mit dem Schrecken davon. Die Maschine aber war Schrott.

Heute fliegt er beruflich wie privat rund 150 Stunden pro Jahr mit seiner zweiten Zweithand-Hughes 300 (D-HGGE) und gibt auch als Fluglehrer sein Wissen weiter. (www.ahs-air.de). „Mancher Schüler kommt sogar außerhalb von Deutschland nach Stralsund“, freut sich Seyfert über sein Erfolgsrezept, „denn wir trainieren Flugübungen für Fortgeschrittene, die andere nicht machen, zum Beispiel das Fliegen im Grenzbereich“.

Wie er dazu kam? Per Zufall hörte er von Meisterschaften, bei dem es um die sportliche Seite des Fliegens geht: Im Schwebflug zielgenau Sandsäcke in Fässer zu werfen, einen Wassereimer durch mehrere Tore zu schlängeln oder mit den Kufen Reifen von einer Stange abzunehmen und den Hubschrauber punktgenau auf Anweisung des Copiloten (quasi ohne eigene Sicht) durch schwieriges Gelände zu führen. Das ist pure Flugkunst, die allerdings Piloten auch für diverse Ernstfälle bei Rettungseinsätzen trainiert.

2001 war er zum ersten Mal dabei, wobei sein Ziel nur war, nicht Letzter zu werden. „Zum dritten Vorletzten hat es dann tatsächlich schon gereicht“, sagt Seyfert und grinst. Seit 2003 fliegt er mit seinem Co Benno Schultz, der bis zur Wende mit Mi-8-Hubschraubern vom Fliegerhorst Parow abhob, wo heute die Marinetechnikschule zu Hause ist.

Im August 2006 wurden ihre Leistungen in Ballenstedt am Harz durch die Deutsche Meisterschaft gekrönt. Im polnischen Przylep fand 2015 die WM statt. Nach fünf Jahren Wettkampfpause reichte es für Platz 26. 2016 war ihnen im deutschen Mengen schon wieder der 8. Platz im Europacup-Wettbewerb sicher.

Peer Schmidt-Walther

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