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Auf der Suche nach dem wilden Pikachu

Stralsund Auf der Suche nach dem wilden Pikachu

Was ist das Besondere an Pokémon Go? OZelot-lokal-Redakteurin Sabrina Scholz machte den Selbstversuch und ist restlos begeistert von Woingenau und Co.

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Marieke Welz, Felix Parnow , Sabrina Scholz und Marten Degler (v. l.) sind im Pokémon-Go-Fieber.

Quelle: Fotos: Verena Scholz/vincetn Huysmann

Stralsund. „Ich will der Allerbeste sein, wie keiner vor mir war. Ganz allein fang ich sie mir, ich kenne die Gefahr.“ Getreu diesem Motto ist in Deutschland, und damit auch in Stralsund, seit einer Woche der Ausnahmezustand ausgebrochen.

OZ-Bild

Was ist das Besondere an Pokémon Go? OZelot-lokal-Redakteurin Sabrina Scholz machte den Selbstversuch und ist restlos begeistert von Woingenau und Co.

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Mit der neuen App „Pokémon go“ kann ich in der realen Welt auf die Suche nach Pokémon gehen. Das musste ich sofort ausprobieren, da ich von diesen kleinen monsterähnlichen Wesen seit meiner Kindheit fasziniert bin. Besonders in den 1990er-Jahren saßen meine Geschwister und ich in der Stube und haben dieses verrückte Spiel gespielt. Es geht darum, Pokémons zu fangen und sie stark zu machen, indem man gegen andere Pokémons und deren Trainer kämpft. Mit Pokémon Go kann ich auf meinem Handy per GPS-Einstellung durch die Straßen ziehen und plötzlich erscheinende Pokémons auf meinem Bildschirm fangen.

Ich musste feststellen, dass mich die Welt der Pokémons sofort wieder vereinnahmt hat, als ich angefangen habe, die App zu testen. Gestartet bin ich bei mir zuhause im Garten. Dort habe ich die ersten kleinen Pokémons gefangen, um mir einen Überblick zu verschaffen. Jedoch habe ich die Zeit nicht im Blick gehabt, und meine Mutter musste rufen: „Hör auf zu spielen und komm rein“. Das war schon ein merkwürdiger Moment, weil ich das sonst anders gewohnt bin. „Hör auf zu spielen und geh raus“, hieß es in Kindertagen, als ich an meinen Gameboy gefesselt war.

Mit dieser App kann ich mir super die Beine vertreten und die Gegend erkunden. Immer wieder entdecke ich neue Plätze oder Sehenswürdigkeiten – vor allem, wenn ich in der Stadt unterwegs bin. An „Poké

Stops“, die sich an interessanten Schauplätzen befinden, kann ich meine Pokébälle sammeln.

Als ich am zweiten Tag durch die Ossenreyerstraße ging, traf ich Marten Degler, der gerade sein Abitur in der Tasche hat. Sofort kamen wir ins Gespräch über Pokémon Go. „Die App ist super. Ich bin schon zehn Kilometer gelaufen, um viele Punkte zu bekommen.“ Nicht nur der sportliche Aspekt ist gut bei dem Spiel, sondern auch die Kommunikation.

Als Marten und ich weiter durch die Stadt gingen, trafen wir weitere Pokémontrainer, die uns plötzlich in die Arme liefen . Sie haben uns sicher daran erkannt, dass wir ständig durch die Gegend gerannt sind und gebrüllt haben: „Ein wildes Pikachu erscheint!“

Doch nicht jede Begegnung mit anderen Spielern muss was Gutes verheißen. Ab dem fünften Level kann man sich eine Teamfarbe aussuchen – entweder gelb, blau oder rot. Mit dem eigenen Team besetzt man Kampfarenen und bekämpft andere Crews.

Die nächsten Tage habe ich mich mit meinen Freunden in Gruppen getroffen, um Teams zu bilden und die jeweiligen Arenen mit unserer Farbe zu besetzen. Besonders am Hafen kam es zu harten Kämpfen, die wir leider verloren. „Am Wasser gibt es andere Pokémons zu finden als an Land“, gab mir Felix Parnow noch mit auf den Weg. Ich bin gespannt, was ich später im Urlaub fangen kann, wenn ich in einem anderen Land bin. In den Ferien werde ich mich dort auf die Suche begeben.

Die eine Woche mit der Pokémon-Go-App hat mir bereits viel Spaß bereitet, und ich kann den Hype vollkommen verstehen. Ich durfte neue Leute kennenlernen und konnte zu mehr Gruppendynamik beitragen.

Das Spiel ist nun mal faszinierend und spornt an. „Egal, wie schwer mein Weg auch ist, ich nehme es in Kauf. Ich will den Platz, der mir gehört, ich gebe niemals auf“, heißt es in dem Titelsong zur gleichnamigen Serie. Diese Zeilen sind für mich als Pokémontrainerin wortwörtlich Musik in den Ohren. Ich will schließlich erfolgreich und die Allerbeste sein.

Sabrina Scholz (17) besucht das Hansa-Gymnasium.

Mit Pokémon auf Reisen

Pokémons sind Fantasiewesen aus einer gleichnamigen Videospielserie.

Pokémons ist die Abkürzung für Pocket Monster, also Taschenmonster.

Die Pokémons können vom Spieler gesammelt, gefangen und trainiert werden.

Mit der App Pokémon Go kann der Nutzer seit einer Woche auch in Deutschland zwischen der virtuellen und der realen Welt mit seinem Smartphone hin- und herreisen.

Über GPS-Daten ist es möglich, an tatsächlichen Orten, den sogenannten Poké-Stops, die kleinen Monster allein oder gemeinsam zu sammeln.

PRO & CONTRA POKEMON GO

Ich bin dem Pokémon-Go-Hype erlegen. Und das mit gutem Gewissen. Bei jedem Spiel fühle ich mich in meine Grundschulzeit zurückversetzt. Ein Gefühl von Unbekümmertheit, das damals alltäglich und für mich heute undenkbar ist, hat mich dadurch wieder eingeholt. Klar flüchtet man wieder von der Realität in die Virtualität. Aber was macht es für einen Unterschied, ob wir auf unser Smartphone starren und Pokémon Go spielen oder uns über Whatsapp währenddessen mit unseren Leuten unterhalten? Im Endeffekt kleben unsere Augen am Handy. Also ist es unsinnig zu sagen, dass das Spiel allein daran Schuld sei, dass Unfälle passiert sind. Es ist egal, ob man von einem Spiel, Whatsapp oder seiner Musik abgelenkt war. Fakt ist: Der SmartphoneNutzer war unaufmerksam. Soll ich demnach lieber in meinem Zimmer rumsitzen, mich von der Konsole berauschen lassen, Chips essen und Cola trinken oder nach draußen an die frische Luft gehen und meine Umwelt erkunden, um ein paar Pokémons zu fangen und mich zu bewegen? Wirklich keine schwere Entscheidung, oder?Vincent Huysmann (17) besucht die IGS Grünthal Jugendliche, die wie hypnotisiert nur noch auf ihre Smartphones starren. Menschenmassen, die teilnahmslos wie Zombies durch die Gegend wanken – was wie ein Endzeit-Film klingt, ist in den Großstädten auf der Welt Wirklichkeit geworden. Grundsätzlich sind Handy-Spiele kein Teufelszeug. Wenn jedoch die Nutzer sich und andere in Gefahr bringen, wird aus dem Spiel schnell ernst. So kann man zwar loben, dass nun Stubenhocker an die frische Luft kommen, die sonst nicht allzu viel Tageslicht sehen. Sobald diese aber den Geniestreich schaffen, auf der Jagd nach kleinen japanischen Monstern mitten in eine Schießübung der Bundeswehr auf der Lüneburger Heide zu geraten, sollte man sich vielleicht fragen, was der Smartphone-Dauerkonsum mit dem Verstand wohl alles anzustellen vermag. Was natürlich nicht heißt, dass ich behaupte, jeder Pokémon-Go-Spieler mutiert zum Vollidioten. Aber es gibt doch deutlich sinnvollere und für andere weniger störende Betätigungen da draußen, mit denen man seinem Körper und Geist etwas Gutes tut.Richard Weinz (17) besucht das Hansa-Gymnasium.

Sabrina Scholz

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