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Aufklärungsarbeit am Klinikum: Wenn Sex zum Problem wird

Stralsund Aufklärungsarbeit am Klinikum: Wenn Sex zum Problem wird

Das Hanseklinikum stellt beim 5. Psychiatrie-Pflegetag Traumatisierungen durch sexuellen Missbrauch in den Mittelpunkt / 50 Prozent der Menschen haben Probleme

Stralsund. Probleme mit der Sexualität haben viele Menschen. „Nur spricht kaum jemand darüber“, sagt Prof. Harald Freyberger, Chefarzt der Fachabteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Helios Hanseklinikum. Und zwar nicht nur in der Bevölkerung an sich, sondern durchaus auch in medizinischen Kreisen. Noch verschwiegener geht es dann zu, wenn es um Traumatisierungen wegen der Erfahrung des sexuellen Missbrauchs oder sexueller Gewalt geht. „Es ist wichtig, dieses Tabu zu durchbrechen“, sagt Freyberger. Deshalb stand der 5.

Psychiatrie-Pflegetag des Hanseklinikums unter dem Motto „Sexualität in der Psychiatrie – Lust und Unlust?!“ Über 200 Teilnehmer haben sich gestern dazu Referate angehört, an Workshops teilgenommen und diskutiert.

Sechs bis acht Prozent der Bevölkerung sind traumatisiert, weil sie sexuelle Gewalt oder sexuellen Missbrauch erleben mussten. „Die Anzahl der Patienten in unserer Psychiatrie, die so eine Traumatisierung haben, liegt bei 30 bis 60 Prozent“, verdeutlicht Freyberger die Intention, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

„Wenn Menschen negative Erfahrungen gemacht haben, kann es oft zu sexuellen Störungen kommen. Entweder zu Funktionsstörungen oder zur Zerstörung der sexuellen Identität.“ In den Kliniken gilt es, diesen Menschen zu helfen. „Deshalb haben wir es am Pflegetag in den Mittelpunkt gestellt, Wissen zu vermitteln, darüber zu reden und so das Tabu zu brechen.“

Was passiert zum Beispiel, wenn sich Patienten näher kommen. Immerhin treffen vier bis fünf Prozent der Patienten ihren Partner während der Therapie. „Das ist zwar ein normaler Vorgang, kann aber den Behandlungsverlauf des Einzelnen stören“, erläutert der Mediziner. „Wenn es zu einer Partnerschaft kommt, rückt diese in den Vordergrund. Aber während der Therapie muss sich der Patient auf sich selbst konzentrieren.“ Nicht zuletzt ging es in den Diskussionen auch um sexuelle Übergriffe in den Kliniken selbst. „Tatsächlichen Missbrauch gab es bei uns zum Glück noch nicht, da geht es eher um Grenzüberschreitungen. Aber natürlich muss man auch darüber reden, wie man Mitarbeiter und Patienten schützen kann.“

Natürlich müsse man sich als Mediziner auch der Frage stellen, in wie weit Psychopharmaka, die oft bei psychischen Erkrankungen eingesetzt werden und Auswirkungen auf das Sexualleben der Patienten haben, angebracht sind. „Was können wir da den Patienten zumuten?“

Die Organisatoren des Pflegetages wünschen sich ein größeres Bewusstsein in der Bevölkerung für den Blick nach draußen. „Also auch mal genauer hinzuschauen und so vielleicht sexuellen Missbrauch zu verhindern“, sagt Harald Freyberger. Zum anderen geht es um eine stärkere Sensibilität gegenüber sexuellen Funktionsstörungen. „Schließlich haben 30 bis 50 Prozent der Bevölkerung über einen längeren Zeitraum solche Störungen. Bei 70 bis 80 Prozent gibt es dafür psychische Gründe.“

Miriam Weber

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