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Aus alter Müllhalde wurde Gartensparte

Stralsund Aus alter Müllhalde wurde Gartensparte

Mit 14 Enthusiasten fing im Verein „An den Bleichen“ 1923 alles an. Die Suche nach Pachtland war schwierig.

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1967 wurde das Spartenheim mit Ziegeln einer alten Abrissstation errichtet.

Quelle: privat

Stralsund. Zwischen Ziersträuchern, bunten Blumen und frischem Gemüse haben sich die Menschen kleine Paradiese geschaffen. 67 Kleingartenvereine gibt es allein in Stralsund und Umgebung. Einige davon feiern in diesem Jahr ihr Jubiläum. Der Älteste unter ihnen besteht bereits 90 Jahre. Morgen wird dieses Jubiläum in der Gartensparte „An den Bleichen“ gefeiert.

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Gemeinsam mit anderen Gartenfreunden feiern sie morgen das 90-jährige Jubiläum ihrer Sparte: Edgar Stepnitz, Manuela Stepnitz, Heinz Volksdorf, Ilse Kuse, Annemarie Medrow, Ulrich Kuse, Jürgen Geese, Manfred Rutke, Markus Strußenberg, Egon Kaschke, Volker Eckhardt (v. l.) sowie die Enkelin von Volker Eckhardt (vorn).

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14 Enthusiasten waren es im Jahre 1923, die den Verein gründeten. Lange mussten sie suchen, um Pachtland zu bekommen. 1924 bekamen sie es von der Kirchengemeinde St. Nikolai. Eine Müllhalde wurde von ihnen beräumt und urbar gemacht.

Annemarie Medrow (84), das älteste Mitglied der Sparte: „Irgendwie mussten wir hier immer um unser Land kämpfen.“ Erst hätten einige Gärten nach dem Krieg dem Wohnungsbau weichen müssen. 1973 sollte der Bau eines städtischen Regenwassersammlers die Anlage teilen. Zuletzt sei die Sparte durch einen möglichen Altersheimbau in Gefahr gewesen. Die 84-Jährige betreibt heute noch ihren Garten gemeinsam mit der Familie. Ihre Schwiegereltern hatten die Anlage mit aufgebaut. Ihr Ehemann war jahrelang der Vorsitzende.

„Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Gärten für die Versorgung der Mittellosen wichtig. Einige haben dort auch gewohnt“, weiß sie. Deshalb sei auch das Verbot für das Halten von Kleintieren aufgehoben worden. Um den Ertrag zu steigern, wurde die Bienenhaltung empfohlen. In der darauf folgenden sozialistischen Planwirtschaft begann für die Kleingärtner die Zeit von Improvisationen. Heinz Volksdorf (77) erzählt: „Für den Toilettenbau haben wir Steine einer alten Trafostation genutzt. Die Wege wurden mit ehemaligen Platten aus dem Straßenbau in Knieper West gepflastert. Der Strom kam zeitweise von einem Privathaushalt.“

Ein besonderer Fall von Wiederverwertung war für Ilse Kuse ihre Laube. „Das war früher ein Kiosk in Binz“, sagt die 76-Jährige. Da lange Zeit keine Bauten mit festem Fundament errichtet werden konnten, habe sie die Laube 1974 von ihrem Vorgänger übernommen.

Gerade in der Mangelwirtschaft gab es harte Auflagen. „Auf 100 Quadratmetern galt es, mindestens 100 Kilogramm Gemüse zu produzieren“, sagt Volksdorf. Alles, was über den Eigenbedarf ging, konnte an den Handel verkauft werden. Das Obst sei an Kindergärten verteilt worden.

Der ehemalige Vorsitzender des Vereins arbeitet auch heute noch aktiv im Vorstand der Sparte mit. Sein Amt übernahm vor drei Jahren Manuela Stepnitz (50). „Ich habe erst seit 1995 hier einen Garten, weil ich für die Kinder und mich nach etwas Natur als Ausgleich zur Platte gesucht habe“, sagt sie. Für das 90-jährige Bestehen der Sparte ist eine Feier geplant, die an vergangene Jubiläen anknüpft.

„Zum 75. Jahrestag hatten wir zum Beispiel eine Schützenkönigin, zum 80. Jubiläum wurden Freundschaftsbänder verteilt.“ Für das diesjährige Fest haben die Mitglieder ihr Vereinshaus renoviert.

Nachwuchssorgen hat die Sparte nicht — im Gegenteil. Es gibt sogar eine Warteliste. Aus ursprünglich 14 Parzellen sind 42 geworden. Es wurden sogar die Wege verringert, um neues Gartenland zu gewinnen. 537 Quadratmeter misst der größte Garten in der Sparte, etwa 200 Quadratmeter der kleinste.

Um Anbauflächen für Senioren zu schaffen, wurden viele Parzellen geteilt. „In letzter Zeit sind einige junge Familien in der Sparte dazugekommen. Das Durchschnittsalter der Gärtner liegt aber immer noch bei 67 Jahren“, bedauert Manuela Stepnitz.

Ich habe seit 1995 hier einen Garten, weil ich für die Kinder und mich nach etwas Natur als Ausgleich zur Platte gesucht habe.“Manuela Stepnitz (50), Vereinsvoritzende

 

Nicole Müller

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