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Stralsund Auszubildende im Selbsttest mit dem Rollstuhl
Vorpommern Stralsund Auszubildende im Selbsttest mit dem Rollstuhl
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10:00 26.10.2018
Angehende Gesundheits- und Krankenpfleger haben an einem Tag in Stralsund eine Rallye mit Rollstühlen und Gehhilfen gemacht. Quelle: privat
Stralsund

Menschen in Rollstühlen begegnen uns täglich im Straßenbild. Aber habt ihr euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie es ist, sich mit diesem Gefährt fortzubewegen, oder welche Hürden es überhaupt gibt, wenn man in der Bewegung eingeschränkt ist? Die Auszubildenden des ersten Lehrjahres im Helios Hanseklinikum aus dem Fachbereich Gesundheit und Pflege machten den Selbsttest.

Plötzlich im Rollstuhl

Es war ein Tag voller Überraschungen. Zu Beginn des Projekttages „Pflege und Bewegung“ waren die Auszubildenden noch völlig ahnungslos, was überhaupt passiert und was auf sie zukommen wird. Am Treffpunkt am Krankenhaus wurden sie in zwei unterschiedlichen Gruppen aufgeteilt, eine „mobile“ und eine „immobile“, und dann ging es los. Zeit, einmal die Rollen zu tauschen: Aus angehenden Pflegekräften wurden Patienten mit verschiedensten Erkrankungen und den damit verbundenen Einschränkungen. Selbstverständlich simulierten die Azubis die Krankheiten nur. Sie sollten sich allerdings so verhalten, wie es auch ein Patient mit einer echten Erkrankung tun würde. Wie die verschiedenen Krankheitsbilder aussehen, hatten die angehenden Pflegefachkräfte bereits im Vorfeld in der Schule gelernt. Nun ging es also nicht nur darum, das Wissen zu vertiefen, sondern sozusagen in der Praxis auch anzuwenden – so gut man es sich vorstellen kann.

Von Orthesen und Halskrausen

Die Leute der einen Gruppe bekamen Knieorthesen oder Halskrausen angelegt und durften sich mit Rollstühlen und Unterarmgehstützen auf den Weg in die Stadt machen. Eine der wichtigen Erfahrungen, die die Azubis an diesem Tag mitgenommen haben, war, dass die Stralsunder Innenstadt in vielen Bereichen barrierefrei und zugänglich ist für Menschen, die mit einer Einschränkung ihrer Bewegung zu tun haben. Jenny Fischer fiel außerdem noch etwas anderes auf: „Es ist schön, zu sehen, dass sich viele Menschen um einen sorgen und denjenigen mit den Einschränkungen Platz für die Fortbewegung machen oder helfen. Allerdings gibt es auch viele Personen, die es nicht interessiert, ob man mit seinen Gehstützen oder seinem Rollstuhl den Weg passieren kann oder nicht“, sagt die Auszubildende.

Nahverkehr als Hürde?

Auf ihrer Tour durch Stralsund waren die „Patienten“ auch auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Dort kam es dann doch zu kleinen Schwierigkeiten. Denn als zwei Rolli-Fahrer mit einem Bus fahren wollte, funktionierte das leider nicht. Sie mussten sich aufteilen, da immer nur ein Rollstuhlfahrer im Linienbus mitgenommen werden konnte. Wäre der Wartende ein echter Patient gewesen, der einen wichtigen Termin gehabt hätte, hätte er diesen wohl verpasst. Da besteht aus Sicht des Pflegenachwuchses noch Handlungsbedarf.

Mehr Verständnis entwickeln

Es waren viele neue Eindrücke, die die Auszubildenden an diesem Tag sammelten. Vor allem aber, bekamen sie eine Ahnung davon, wie sich ihre zukünftigen Patienten fühlen. „Ich Ineke, dass wir sie nun besser verstehen können“, ist Jenny überzeugt. Eine der überraschendsten Erfahrungen an diesem Tag: Die Blicke der Mitmenschen können ganz schön unangenehm sein „Bislang dachte ich immer, dass es gut wäre, wenn man den Menschen, denen man ihre Krankheit ansieht, das Mitgefühl und Verständnis durch Blicke mitteilt. Doch als ich nun selbst im Rollstuhl saß, merkte ich wie unangenehm und hilflos man sich durch die mitleidigen Blicke von Fremden fühlen kann“, sagt Jenny.

Plötzlich ein Pflegefall

Allein mit den Erfahrungen im Rollstuhl zu sitzen, war es jedoch an diesem Tag noch nicht getan. Beim zweiten Teil ging es nämlich darum, in die Rolle eines „immobilen“ Patienten zu schlüpfen und sich vorzustellen, die Azubis wechselten sozusagen von den Gehstützen ins Bett. Wieder gab es eine Diagnose, wieder wurden die jungen Leute zu Patienten. Egal ob Demenz, Parkinson oder eine halbseitige Lähmung - jeder musste sich wie ein echter Patient verhalten und wurde auch so behandelt. Man bekam zum Beispiel Inkontinenzhosen angezogen oder wurde in einer bestimmten Position gelagert. „Es ist schon ein komisches Gefühl, sich von anderen Menschen pflegen zu lassen“, sagt Jenny rückblickend. „Dieser Tag hat mir gezeigt, wie es ist, wenn man hilflos im Bett liegt und alleine nicht viel machen kann.“

Die Gesundheit schätzen

Für Jenny und die anderen angehenden Gesundheits- und Krankenpfleger war dieser Tag etwas Besonderes. „Wir haben die Welt der Pflege von einer anderen Seite betrachtet. Jetzt weiß ich ein gesundes Leben noch mehr zu schätzen, und bin froh, gesund und mobil zu sein“, sagt die 18-Jährige. Auf der anderen Seite habe sie festgestellt, wie wichtig es ist, „dass es Pflegekräfte gibt, die uns allen helfen, wenn wir gesundheitlich nicht ganz auf dem Posten sind. Ich freue mich, dass ich selbst ein Teil des Pflege-Teams bin.“

Caroline Liebeskind

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