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Stralsund Bahnhof Velgast: Ein Stiefkind der Bahn
Vorpommern Stralsund Bahnhof Velgast: Ein Stiefkind der Bahn
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00:00 29.08.2018
Für die Deutsche Bahn ist Velgast eine Station der Bahnkategorie 5 und dafür entsprechend ausgestattet. Einladend sieht anders aus. FOTOS (3):ALEXANDER MÜLLER
Velgast

Wenn Günter Marz vom Bahnhof Velgast aus verreisen will, dann blutet dem langgedienten Eisenbahner das Herz. „Hier habe ich meine Lehre gemacht und mehrere Jahre gearbeitet“, sagt der Bahningenieur im Ruhestand. Doch seit dem Umbau des Bahnhofes Ende der 1990er-Jahre sind Marz immer wieder Mängel aufgefallen, die ein moderner Bahnhof nicht haben sollte.

Ehemaliger Eisenbahner kritisiert Mängel und mit Blick auf die Darßbahn wenig Zukunftssicherheit

„Menschen mit Behinderungen haben es hier schwer, zu den Bahnsteigen zu gelangen, bzw. diese zu verlassen“, sagt der 79-Jährige. Wurde der Übergang von Bahnsteig 1 zu den Bahnsteigen 2 und 3 einst durch eine handbediente Schranke geregelt, wurde diese ebenerdige Verbindung mit dem Umbau durch einen Tunnel ersetzt, der über 13-stufige Treppen zu erreichen ist. Unüberwindbar für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer. Aufzüge gibt es nicht.

Marz kennt auch die Lösung für das Problem und findet sie unzeitgemäß: „Betroffene müssen zuvor beim Mobilitätsservice der Bahn anrufen. In Stralsund setzen sich dann Mitarbeiter ins Auto, fahren nach Velgast und tragen Schwerbehinderte treppab und treppauf. Was den Eisenbahner stört, ist nicht nur das umständliche Verfahren, sondern die Verknüpfung von Straße und Schiene. „Da braucht in der Hauptreisezeit auf der B 105 nur ein Unfall zwischen Stralsund und Velgast sein und schon geht das nicht mehr auf.“

Überhaupt findet Günter Marz den Bahnhof kundenunfreundlich und mit Blick auf die künftige Darßbahn bis Zingst wenig zukunftssicher aufgestellt. Es fehlen eingehauste Sitzplatzgruppen auf den Bahnsteigen ebenso wie digitale Zuglaufanzeigen. „Letztere sind für Umsteigende in Zeitnot eine Orientierungshilfe, die sie in Velgast nicht bekommen“, sagt Marz. Und: „Jemanden fragen geht nicht.“

Fahrkartenschalter und Auskunft – Fehlanzeige.

Bei der Deutschen Bahn wird die Lage entspannter eingeschätzt. Der Konzern führt die Station Velgast in der Bahnhofskategorie 5. Nach eigenen Angaben frequentieren weniger als 400 Reisende den Bahnhof täglich. Bahnsprecher Burghard Ahlert sagt: „Eine zusätzliche Ausstattung mit Personenaufzügen ist in der Regel erst ab einer durchschnittlichen Frequentierung von mehr als 1000 Reisenden je Tag vorgesehen.“ Und offenbar gibt es bislang auch keine behinderten Menschen, die den Mobilitätsservice der Bahn in Velgast in Anspruch nehmen mussten, denn: „Anfragen zu Serviceleistungen im Bahnhof Velgast sind bisher nicht erfolgt.“ Aus Sicht der Bahn sind in Velgast entsprechend den Ausstattungskriterien für Stationen der Kategorie 5 die geforderten Ausstattungselemente wie Wetterschutz, Bänke, etc. vorhanden. Vage bleibt die Bahn, was die Zukunft des Bahnhofs in Bezug auf eine künftige Darßbahn betrifft. Da kein Umbau geplant ist, könne zur Zeit keine aussagekräftige Kostenkalkulation bereitgestellt werden.

Günter Marz beleibt unzufrieden. Der Bahningenieur im Ruhestand hat einen siebenseitigen Brief an Landrat Ralf Drescher (CDU) geschrieben, um ihn auf die Zustände am Bahnhof Velgast aufmerksam zu machen. Olaf Manzke, Pressesprecher des Landkreises Vorpommern-Rügen, sagt dazu: „Der Landrat hat daraufhin einen Brief an den Verkehrsminister MV geschrieben und ihn gebeten, sich der Sache anzunehmen.“ Darin macht Drescher unter anderem darauf aufmerksam, dass der Bahnhof Velgast für den Landkreis ein wichtiger Knotenpunkt in Richtung Barth und später mit der Darßbahn auch in Richtung Fischland-Darß-Zingst ist. Den vorhandenen Unzulänglichkeiten sollte auch aus touristischer Sicht Beachtung geschenkt werden.

Jörg Mattern

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