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Bauern sagen Nein zu Plänen von Nord Stream 2

Ackerland zu Weideland: Widerstand wird immer größer Bauern sagen Nein zu Plänen von Nord Stream 2

Pipeline-Konzern will Ackerland umwandeln, um Erdgas-Trasse bauen zu dürfen

Insel Rügen/Stralsund. Der Widerstand gegen die Umwelt-Pläne von Pipeline-Konzern Nord Stream 2 für die Insel Rügen wird immer größer. Neben den betroffenen Landwirten haben am Montagabend auch die Lokalpolitiker des Landkreises Vorpommern-Rügen die anvisierten Kompensationsmaßnahmen im Gegenzug für den Bau der Riesenröhre durch die Ostsee geschlossen abgelehnt. Gestern hat das Thema sogar die Bundeskanzlerin erreicht. Bei einem Besuch ihres Wahlkreises diskutierte Angela Merkel (CDU) mit dem Bauernverband in Klausdorf über das Thema. „Keiner von uns Landwirten hat Interesse an dem, was Nord Stream bei uns vor hat. Wir wollen Landwirtschaft betreiben und nicht von Subventionen leben“, sagt Johann Tophoff-Kaup aus Neklade bei Bergen.

Nord Stream 2 plant eine 1200 Kilometer lange Erdgas-Pipeline durch die Ostsee, die von Lubmin bei Greifswald bis nach Russland führen und parallel zur bereits fertiggestellten ersten Nord-Stream-Trasse verlaufen soll. 85 Kilometer sind auf deutschem Territorium, weswegen Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Umwelt notwendig werden.

Nord Stream will dazu große Flächen Ackerland auf der Insel Rügen renaturieren, damit weniger Pestizide aus der Landwirtschaft in den Greifswalder Bodden gelangen. „Die Kompensationsmaßnahmen haben das Ziel, den Eintrag von Nährstoffen, insbesondere Stickstoff, sowie Pestiziden in den Greifswalder Bodden zu reduzieren und somit langfristig den ökologischen Zustand des Gewässers zu verbessern“, sagt Sprecher Steffen Ebert. Für dieses Vorhaben hat der Konzern rund 3000 Hektar Ackerland auf Rügen ins Auge gefasst, auf denen die Bauern bislang Gerste, Weizen, Raps und mehr anbauen. Das Unternehmen geht jedoch davon aus, dass schlussendlich nur 1000 Hektar tatsächlich benötigt werden. Laut Sprecher Steffen Ebert soll kein Landwirt zur Zusammenarbeit gezwungen werden. „Wir sind zuversichtlich, dass wir zusammen mit den betroffenen Flächeneigentümern und Pächtern in einem sachlichen und konstruktiven Dialog Lösungen finden werden, die für alle Seiten akzeptabel sind“, sagt er. Erste Gespräche dazu hat es in der vergangenen Woche gegeben Die betroffenen Landwirte glauben allerdings nicht, dass Nord Stream einfach unverrichteter Dinge wieder abzieht, wenn sie geschlossen „Nein“ zu den Plänen sagen. Dafür spreche schon der straffe Zeitplan, in dem das Projekt durchgezogen wird, meint Landwirtin Katrin Zilian aus Poseritz. „Da im Vorfeld kein Gespräch mit den Landwirten und Eigentümern geführt wurde und die vorgesehenen Kompensationsmaßnahmen für viele existenzbedrohende Ausmaße haben, halten wir einen friedlichen Ausgleich für äußerst fragwürdig.“

Ein wichtiger Knackpunkt ist, dass die Kompensationsmaßnahmen eine Laufzeit von 25 Jahren haben. Nur für diese Zeit bekommen die Landwirte auch eine finanzielle Entschädigung . Nach dieser Zeit ist es allerdings gesetzlich nicht erlaubt, die renaturierten Bereiche wieder in Ackerland umzuwandeln. „Aus meiner Sicht ist das deswegen eine Enteignung“, sagt der Putbusser Landwirt Ulrich Prehl.

Aus dem zuständigen Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung von Christian Pegel (SPD) heißt es, dass eine Enteignung nicht das Ziel der Landesregierung sei und man stattdessen auf eine einvernehmliche Lösung setze. Es ist demnach unklar, ob das rechtlich überhaupt durchsetzbar wäre. „Das Bundesverwaltungsgericht hat dies bei erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen für Infrastrukturprojekte bejaht, sich bisher aber nicht zur Frage geäußert, ob eine Enteignung auch möglich ist, wenn es um das Projekt eines Privaten geht, durch den die erforderlichen Kompensationsmaßnahmen ausgelöst werden“, sagt Sprecherin Renate Gundlach.

Im Kreistag gibt es zudem erhebliche Zweifel am Sinn der geplanten Ausgleichsmaßnahmen. „Wir legen Acker brach und woanders hungern die Menschen. Bald haben wir keinen Platz mehr, um Nahrung zu produzieren“, sagt Kreistagsmitglied Holger Kliewe, Inhaber des bekannten Erlebnis-Bauernhofes vor Ummanz. Selbst Grünen-Politikerin Claudia Müller kritisiert die Umweltmaßnahmen und fordert dazu auf, nach Alternativen zu suchen. Landrat Ralf Drescher (CDU) befürwortet etwa eine Sanierung des Boddens bei Fischland-Darß-Zingst.

Alexander Müller

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