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Baustart: Alter Speicher wird saniert

Stralsund Baustart: Alter Speicher wird saniert

In dem denkmalgeschützten Backsteingebäude in der Böttcherstraße 34 entstehen zwei Arztpraxen, ein OP-Saal und drei Wohnungen.

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Einsturzgefährdet: Das Holz verfault, die Decken eingebrochen – das gesamte Innenleben muss raus.

Stralsund. Mutig. Das ist wohl eines der ersten Wörter, die einem einfallen, wenn man in diesen Tagen den alten Speicher in der Böttcherstraße 34 betritt. Unter allerhöchsten Vorsichtsmaßnahmen. Denn „das Gebäude ist einsturzgefährdet“, sagt Architekt Holger Ehmke (49), während er auf verfaultes Holz, durchgebrochene Fußböden, hohle Fensteröffnungen und Überreste elektrischer Anlagen zeigt.

OZ-Bild

In dem denkmalgeschützten Backsteingebäude in der Böttcherstraße 34 entstehen zwei Arztpraxen, ein OP-Saal und drei Wohnungen.

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Die Vorstellung, dass hier bald neues Leben einziehen soll, bedarf viel Fantasie. Aber genau so sehen es die Pläne der Stralsunder Bauherrengemeinschaft vor, die das historische Gebäude aus dem Jahr 1863 retten will. Entstehen sollen ein Operations-Saal im Erdgeschoss, zwei Arztpraxen im ersten und zweiten Obergeschoss und drei Wohnungen, die über mehrere Etagen führen, mit Dachterrasse. Stehen bleiben werden allerdings nur die vier Umfassungswände. Lediglich eine alte Betontreppe könne erhalten werden. „Der Zustand im Inneren ist so schlecht, dass wir das gesamte Gebäude entkernen müssen“, sagt Ehmke, dessen Greifswalder Büro Drebing/Ehmke Architekten GmbH das Vorhaben plant und betreut. Ebenso wie die Heilgeiststraße 15/15a.

Die Gebäude haben eine gemeinsame Geschichte. Der gesamte Komplex gehörte dem Stralsunder Kaufmann Carl Lange, der sich auf die Herstellung von Säcken und Planen spezialisiert hatte und ab 1876 produzierte. Der Speicher in der Böttcherstraße, der zunächst als Getreidelager erbaut worden war, diente dem Unternehmen ab 1899 als Umschlagplatz. Später, zu DDR-Zeiten, hat dort die Firma Plakotex Campingzelte hergestellt.

Seit der Wende steht der Speicher aber leer. Deshalb werde es allerhöchste Zeit, dass etwas passiert, so Ehmke. Die Pläne zur Sanierung werden seit 2013 verfolgt. Ursprünglich hieß es, dass die Arbeiten 2015 abgeschlossen sein sollten. „Bei so einem wirklich nicht einfachen Projekt dauert der gesamte Planungs- und Genehmigungsprozess einschließlich der Finanzierung länger“, begründet Ehmke die Verzögerung.

„Es ist schon etwas ganz Besonderes. Man muss jeden Tag auf neue Dinge reagieren. Aber genau das macht auch Spaß“, so der Architekt. Jetzt sei in Abstimmung mit der Denkmalpflege alles geklärt, so dass die Bauarbeiten starten können. Am vergangenen Freitag haben die Männer der Firma Baufa Nord-Ost GmbH Greifswald den Baukran montiert. Der hat eine Gesamthöhe von 41 Metern . „Das ist hier alles sehr eng. Darauf mussten wir uns einstellen“, sagt Disponent Uwe Bartho (55).

Inzwischen steht der Kran. Wie Ehmke ankündigt, werde zunächst die Fassade mit einer Stahlkonstruktion gesichert. Parallel erfolge die Entkernung des Gebäudes. Im November soll dann der Rohbau beginnen. Den Auftrag hat das Unternehmen Appelshofer Bau GmbH Grimmen erhalten. Der Architekt geht von 18 Monaten Bauzeit aus – wenn alles glatt läuft. Aber vor Überraschungen sei man bei so einem Gebäude natürlich nie sicher. Der Speicher an sich stehe jedenfalls auf sicheren Füßen. „Das Fundament geht drei Meter in die Tiefe. Da müssen wir uns keine Sorgen machen“, sagt Ehmke.

Sack-Lange

Platz 122 nimmt der Speicher Böttcherstraße 34 auf der Denkmalliste der Stadt ein. Der rote Backsteinbau verfügt über eine Gesamtnutzfläche von 2000 Quadratmetern.

Stadtarchivar Dr. Andreas Neumerkel weiß zu berichten: Auf dem Gelände befand sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein Obstgarten. Dort baute Friedrich Musculus 1863 einen Getreidespeicher. Sein Vater, der Braualtermann Johann, hatte die Fläche 1844 gekauft.

Carl Lange erwarb den Speicher 1899. „Sack-Lange“, wie die Firma im Volksmund hieß, stellte wasserdichte Planen, Säcke und Decken her, die bis in die deutschen Kolonien geliefert wurden. Zunächste hatte die Firma in der Heilgeiststraße 15 mit Tapeten, Zimmerdekorationen und Herrengarderobe gehandelt. 1876 wurde die Produktion erweitert.

Zu DDR-Zeiten wurden auf den Nähmaschinen, die im Speicher standen, Campingzelte hergestellt. Nach der Wende wechselte Firmenchef Hans Lange mit seinem Unternehmen nach Poseritz auf Rügen.

Marlies Walther

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