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Behörden des Kreises sollen in Stralsund konzentriert werden

Stralsund/Ribnitz-Damgarten Behörden des Kreises sollen in Stralsund konzentriert werden

Auf lange Sicht sollen fast alle Bereiche der Kreisverwaltung Vorpommern-Rügens in der Hansestadt angesiedelt werden / Bauamt aus Ribnitz nach Grimmen verlegt

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Das Landratsamt in Stralsund: Hier sollen die Behördern der Kreisverwaltung auf lange Sicht konzentriert werden.

Quelle: Elisabeth Woldt

Stralsund/Ribnitz-Damgarten. Die Kreisverwaltung Vorpommern-Rügens plant langfristig, ihre Ämter in Stralsund zu zentralisieren. Das teilte Kreissprecher Olaf Manzke auf OZ-Anfrage mit. Der Zeitpunkt sei noch offen. „Der generelle Trend ist es aber schon, irgendwann auf lange Sicht alles, außer dem Bürgerservice, in Stralsund anzugliedern“, sagt der Kreissprecher.

Dazu seien aber erst bauliche Änderungen nötig. Aus jetziger Sicht habe das Landratsamt im Carl-Heydemann-Ring gar nicht die Kapazitäten, die zusätzlichen Mitarbeiter aufzunehmen. Dass die Verwaltung sich seit der Kreisstrukturreform 2011 immer stärker auf wenige Standorte konzentriert, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Ribnitz-Damgarten. Seit der vergangenen Woche sitzen auch die Mitarbeiter des Bauamtes West aus Ribnitz in Grimmen. Für die Menschen in der Region zwischen Fischland-Darß-Zingst und Barth, die in der Baubranche tätig sind oder selbst bauen, haben sich damit die Fahrtwege erheblich verlängert.

Der Rückzug kam plötzlich. Zwei Tage vor dem Umzug gab es eine einsilbige Mitteilung aus der Kreisverwaltung in Stralsund. Bis zum 7. Oktober seien die Mitarbeiter in Grimmen wegen des Umzugs „nur eingeschränkt verfügbar“.

Im Ribnitz-Damgartener Rathaus sorgt das Hauruck-Verfahren für Unmut. „Das war von unserer Seite so nicht geplant. Wir hatten mehrfach mit dem Landkreis darüber gesprochen, über den Umzug gemeinsam öffentlich zu informieren, damit die Menschen in der Region Bescheid wissen. Das wurde jetzt nicht berücksichtigt. Traurig!“, sagt der Ribnitz- Damgartener Bauamtsleiter Heiko Körner enttäuscht. Er fürchtet, dass es nun „massive Einschnitte im Leistungsbereich der Bauwirtschaft“ geben werde. Gerade in Ribnitz-Damgarten und auf der Halbinsel werde sehr viel gebaut. Die Konjunktur brummt.

Das schlägt sich auch in Zahlen nieder. Zwischen 500 und 550 Bauanträge sowie 100 bis 150 Bauvoranfragen wurden pro Jahr von den Mitarbeitern der unteren Bauaufsicht Ribnitz-Damgarten bearbeitet.

Die Behörde hat die Aufgabe zu überwachen, ob die Bauausführung mit den Bauantragsunterlagen übereinstimmt.

Der Landkreis Vorpommern-Rügen erklärt den Schritt folgendermaßen. „Für die Zusammenarbeit in der Verwaltung ist es günstiger, alles in Grimmen in einem Haus zu haben. Denkmalbehörde, Umweltabteilung usw.“, sagt Sprecher Olaf Manzke auf Anfrage. Der Wegzug aus Ribnitz sei bereits über ein Jahr im Gespräch gewesen. Dass man erst so kurzfristig noch mal informiert habe, nannte er „unglücklich“. Aus seiner Sicht müssten vor allem Architekten und Bauingenieure nun den Fahrtweg nach Grimmen auf sich nehmen. Der „normale Bürger“ komme eher selten in der Bauaufsicht vorbei.

Eine Frage, die sich viele jetzt stellen: Werden noch mehr Bereiche aus Ribnitz-Damgarten oder von der Insel Rügen und Grimmen abgezogen? Nein, erst mal nicht, sagt Sprecher Olaf Manzke. Die Kfz-Zulassungs- und Führerscheinangelegenheiten würden weiter in Ribnitz bearbeitet. Auch der Teil des Veterinäramtes sitzt weiter in der Damgartener Chaussee 40 sowie der Bürgerservice. „Die Mitarbeiter des Bürgerservices sollen die Verwaltung entlasten und dem Bürger zum Beispiel Anträge ausstellen bzw. abnehmen“, erklärt Manzke. Der Bürgerservice solle an allen Standorten künftig noch ausgebaut werden.

Das nun aufgestockte Bauamt in Grimmen bleibe wie bisher in dem Neubaublock. Auf Rügen werde die Bauabteilung in Bergen ebenfalls vorerst Bestand haben. Gleiches gelte für die Bereiche Jugend und Soziales, die es dort vor Ort noch gibt. In Bergen seien auch die räumlichen Voraussetzungen gegeben.

Ribnitz kleinster Standort

An den vier Standorten des Kreises Vorpommern-Rügen arbeiten derzeit:

Ribnitz-Damgarten: 58 Mitarbeiter in Verwaltung und Einrichtungen + 63 Mitarbeiter im Eigenbetrieb Jobcenter

Grimmen: 171 Mitarbeiter in Verwaltung und Einrichtungen + 70 im Jobcenter

Bergen: 191 Mitarbeiter in Verwaltung und Einrichtungen + 83 im Jobcenter

Stralsund: 480 Mitarbeiter in Verwaltung und Einrichtungen +160 im Jobcenter

Im Bereich der Verwaltung und Einrichtungen sind auch die Mitarbeiter der Musikschule, Volkshochschule sowie Schulsekretärinnen und Hausmeister der Schulen des Kreises eingerechnet. Nicht berücksichtigt sind die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und des Rettungsdienstes.

Der falsche Weg

Völlig überhastet mutet der Wegzug des Kreisbauamtes aus der Bernsteinstadt an. Eine einsilbige Mitteilung der Pressestelle – erst zwei Tage vor dem Umzug (!) – das ist alles, was die Bürger dazu erfahren. Wer wird künftig Ansprechpartner sein? Welche Umzüge stehen vielleicht noch an? Das bleibt in der Mitteilung im Dunkeln. Bürgernähe sieht anders aus.

Für die Region Ribnitz-Damgarten ist der Wegzug der Bauaufsicht ein Verlust. Baugrundstücke in der Bernsteinstadt erfreuen sich großer Beliebtheit. Auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst wird ohnehin viel gebaut.

In Stralsund ist längst der Großteil der Kreisverwaltung angesiedelt. Die Umstrukturierung selbst war als Konsequenz aus der Kreisgebietsreform vielleicht nicht zu vermeiden, aber die Art, wie sich der Kreis versucht in aller Stille aus der Fläche zurückzuziehen, ist unpassend. Transparent und offensiv sollte die Verwaltung mit solchen Themen umgehen. Gerade in diesen Tagen, in denen sich viele Menschen in Dörfern und kleinen Städten bereits zurückgelassen fühlen.

Es ist der falsche Weg, mit der Veränderung umzugehen. Über das Echo darf sich keiner wundern. Je leiser der Abgang, je lauter schallen Frust und Unverständnis zurück.

Virginie Wolfram

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