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Stralsund Bescherung im Stralsunder Tierheim
Vorpommern Stralsund Bescherung im Stralsunder Tierheim
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23:26 09.01.2019
Wildes Gewusel im Tierheim Stralsund: Pfleger Mario Piotrowski und Leiterin Kathrin Scheurich mit einigen ihrer Schützlinge. Während der blinde Bugy (rechts) schon eine Familie gefunden hat, ist der neunjährige Maxi (links) noch auf der Suche. Quelle: Pauline Rabe
Stralsund

Zuhause gesucht: Etwa 50 Hunde und 70 Katzen warten derzeit im Tierheim Stralsund darauf, eine neue Familie zu finden. Damit sie auch ohne diese eine späte Bescherung erleben können, wurden vom 1. bis 24. Dezember Geschenke im Tierbedarf „Fressnapf“ für die Vierbeiner gesammelt. Ob „etwas für den langen Kauspaß“ oder „eine Höhle zum Verstecken“, kein Wunsch am aufgestellten Weihnachtsbaum blieb unerfüllt. Liebevoll verpackt und mit persönlichen Botschaften versehen wurden die mehr als 50 Pakete nun an die Tierheimbewohner übergeben.

Mit dem „Futterhaus“ läuft eine ähnliche Aktion schon seit Jahren. „Fressnapf“ ist zum ersten Mal dabei. Filialleiterin Andrea Seifert ist begeistert von der hohen Spendenbereitschaft ihrer Kunden: „Kaum war der Baum leer, wurde schon nachgefragt, ob wir bald neue Wunschzettel anhängen würden.“ Tierheimleiterin Kathrin Scheurich ließ sich nicht lange bitten und bastelte erneut kleine Anhänger. Auf diesen stand nicht nur ein Wunsch, sondern waren auch ein Bild und der Name des Tieres zu sehen. Die Rückseite bot Platz für einen kleinen Gruß des Spenders.

So sahen die Wunschzettel am Weihnachtsbaum im „Fressnapf“ aus. Tierheimhund Bodo wünscht sich zum Beispiel "etwas für den langen Kauspaß". Quelle: Pauline Rabe

„Wir waren erstaunt, wie viele tatsächlich gezielt nach einem Tier suchten, welches sie bereits aus Besuchen im Tierheim kennen“, erzählt Seifert. Andere spendeten spontan, sowohl für Katze als auch Hund. Es sind nicht die ersten Spenden die von „Fressnapf“ an das Tierheim gehen: Ganzjährig steht eine Box für Futter und Co. bereit. „Wir möchten uns bei allen Spendern bedanken“, sagt Kathrin Scheurich. Denn ohne diese, egal ob Tierbedarf oder Geld, könnte die Einrichtung nicht bestehen.

Doch wie so oft hat auch die Hilfsbereitschaft eine Kehrseite. Einige glauben, etwas Gutes zu tun, indem sie altes Spielzeug oder Katzenklos im Tierheim vorbeibringen. „Vieles können wir aber einfach aus hygienischen Gründen nicht annehmen“, erklärt die Leiterin. Das verstehe aber nicht jeder und so werde vermehrt Müll in den Tonnen des Tierheimes entsorgt. Statt zu helfen entstehe so ein Mehraufwand bei Scheurich und ihrem Team.

„Fressnapf“-Leiterin Andrea Seifert (rechts) und Mitarbeiter Kevin Zimmermann präsentieren einige der Geschenke. Beide freuen sich über die große Spendenbereitschaft ihrer Kunden. Quelle: Pauline Rabe

Ankunft im Tierheim

Was Alltag im Stralsunder Tierheim ist, zeigt sich während des Gespräches mit der Leiterin. Die Tierrettung der Feuerwehr fährt im Hintergrund vor – im Gepäck eine wilde Katze. Die Wege, wie die Tiere in dem Heim landen, sind unterschiedlich. Nicht selten werde fälschlicherweise eine Freigänger-Katze vorbei gebracht. „Manchmal sogar mit Halsband“, sagt Scheurich und schüttelt den Kopf. Tatsächlich hilfebedürftige Tiere würden meist ausgesetzt, gerettet oder sogar von den Haltern gebracht werden. Nur in den seltensten Fällen seien diese dabei ehrlich. Ausrede Nummer eins? „Unser Kind hat plötzlich eine Allergie bekommen.“ Nach einigen Tagen im Tierheim fiele dann aber auf: Der Hund ist ein Beißer oder Kläffer.

Das ärgert die Tierheimleiterin. Wenn sie keine genauen Informationen bekommt, ist es für sie schwieriger die Tiere an eine passende Familie zu vermitteln. „Ich gebe niemanden absichtlich falsche Informationen. Manchmal passiert das aufgrund dessen aber, da ich die Katzen und Hunde auch nicht hundertprozentig kenne.“ Erleichtert sei sie darüber, dass der Trend, Tiere zu Weihnachten zu verschenken, seit einigen Jahren nachlässt. Seit Heiligabend sei noch kein unerwünschter Vierbeiner deswegen bei ihr gelandet.

Dennoch seien es nach wie vor zu viele Tiere, die bei ihr abgegeben werden. „Würde heute ein Hund kommen, der nicht mit Artgenossen verträglich ist, hätte ich keinen Platz für ihn“, sagt sie und zeigt auf die vollen Gehege im Hof. Die wahren Gründe für eine Abgabe seien häufig Überforderung. Was sich die Leiterin wünschen würde, wäre mehr Verantwortungsbewusstsein. „Auch bei denen, die gerne ein Tier von unseren adoptieren möchten.“ Viele kämen mit der Erwartung, am Tierheim anzukommen, sich einen Hund auszusuchen und diesen gleich mitnehmen zu können. So laufe das aber nicht.

Weg zur Adoption

Potenzielle neue Familien müssen sich zunächst einem Check unterziehen: Wie ist die derzeitige Lebens- und Arbeitssituation? Sind andere Katzen und Hunde im Umfeld? „Ein positives Beispiel sind diejenigen, die vorerst nur zum Gassi gehen vorbeischauen“, sagt die Leiterin. So erhalte man eine Ahnung von der bevorstehenden Verantwortung und könne sich nebenbei über den genauen Verlauf einer Adoption und die anfallende Schutzgebühr informieren.

Kathrin Scheurich selbst ist trotz ihrer langjährigen Erfahrung oft noch darüber schockiert, in welchem Zustand manche ihrer Schützlinge im Tierheim ankommen. „Unterernährt nimmt mich nicht mehr so mit. Das sehe ich zu häufig“, sagt die 35-Jährige. Einige Tiere aber seien schwer misshandelt worden. Warum Menschen so etwas machen, könne sie bis heute nicht verstehen.

Genauso leid tue es ihr aber auch, wenn Hund und Katze lange dafür brauchen, um sich einzugewöhnen. Häufig sei eher das Gegenteil der Fall: „Viele Tiere blühen hier erst richtig auf.“ Es gäbe aber genauso welche, die tagelang vor dem Tor des Tierheimes warten, jammern und weinen. Das mache sie noch immer traurig und lasse sie noch mehr hoffen, bald ein neues liebevolles Zuhause zu finden – in der Regel dauere das zum Glück nie länger als ein paar Monate.

Pauline Rabe

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