Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Bleibt Mehmel-Orgel doch erhalten?
Vorpommern Stralsund Bleibt Mehmel-Orgel doch erhalten?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:45 06.07.2017
Blick auf die marode Mehmel-Orgel in der Stralsunder St.-Jakobi-Kirche. Quelle: Foto: Stefan Sauer
Stralsund

Der Bauausschuss der Stralsunder Bürgerschaft hat seine Entscheidung über die Zukunft der Mehmel-Orgel in der Jakobikirche nach einer zweistündigen Expertenanhörung vertagt.

Der Klang wäre eine Neuschöpfung.Martin Rost, Stralsunder Kirchenmusiker über eine Rekonstruktion der Mehmel-Orgel

Ein ursprünglich erwartetes Votum zur Auftragsvergabe an eine Orgelbaufirma, die die Reste des historischen Klangwerkes im Wesentlichen durch einen Neubau ersetzen soll, ist am Dienstag überraschend verschoben worden. Grund dafür ist weiter die unentschiedene Frage, ob die Orgel im Stil ihres Erbauers Friedrich Albert Mehmel (1827-1888) rekonstruiert oder durch einen faktischen Neubau ersetzt werden soll, in dem lediglich noch 16 Prozent der Teile von dem Stralsunder Orgelbaumeister stammen würden.

Über die Zukunft der Orgel, die, beschädigt durch den Zweiten Weltkrieg und einen unrühmlichen Umgang mit ihr zu DDR-Zeiten, in der Jakobikirche vor sich hinrottet, wird in Stralsund derzeit emotional diskutiert. Während der Expertenanhörung im städtischen Bauausschuss mussten im Konferenzsaal des Rathauses zusätzliche Sitzplätze bereitgestellt werden, die ausnahmslos besetzt waren.

Zu der Expertenanhörung waren Vertreter der Bautzener Orgelbaufirma Eule sowie der von der Stralsunder Stadterneuerungsgesellschaft (SES) eingesetzten Orgelkommission eingeladen worden. Die Anhörung war auf Betreiben des Ausschusses angesetzt worden, nachdem bekannt geworden war, dass mit den bisherigen Sanierungsplänen vor allem ein Neubau als eine Rekonstruktion der Mehmel-Orgel von 1877 verfolgt werden soll (die OZ berichtete).

Im Gegensatz zu den Mitgliedern der Orgelkommission, die vorrangig mit Kirchenmusikern besetzt ist, gehen die Bautzener Orgelbauer davon aus, dass im Zuge einer Rekonstruktion nicht 16, sondern 51 Prozent der historischen Substanz weiter verwendet werden könnten. Die Orgelkommission der SES plädiert indes dafür, einen Großteil der Mechanik, die von Mehmel stammt, auszubauen, im Kunstgutlager der Kirche einzulagern und für museale Zwecke zur Verfügung zu stellen, wie der Stralsunder Kirchenmusiker Martin Rost sagte. Er ist ebenfalls Mitglied der Kommission. Eule hat sich bisher als einzige Orgelbaufirma tiefgründig mit dem Zustand der Mehmel-Orgel beschäftigt und 1999 eine Bestandsaufnahme zum Zustand des Instrumentes vorgelegt, die bis heute anerkannt ist.

In der Anhörung räumten die anwesenden Mitglieder der Kommission erstmals öffentlich ein, dass eine Rekonstruktion der Orgel handwerklich durchaus machbar sei. „Der Klang wäre aber eine Neuschöpfung“, sagte Rost. Von den ehemals 4000 Pfeifen, die Mehmel verwendet hat, seien lediglich noch 300 vorhanden. Zudem fehle es an entsprechenden Vergleichsorgeln, um den Klang des Instrumentes zielsicher nachempfinden zu können. Dem widersprach der künstlerische Leiter der Orgelbaufirma Eule, Jirí Kocourek. Es sei „wichtig, den Klanggeist zu verstehen“ und nicht jedes Detail.

Nach Angaben der Experten würden sowohl ein Neubau der Orgel als auch eine Rekonstruktion nicht mehr als die ohnehin veranschlagten 2,85 Millionen Euro kosten. Die Aufträge für den Neubau sind bereits ausgeschrieben worden. Bis zuletzt waren noch vier Orgelbauer in der Auswahl.

Nach OZ-Informationen sollen sich aber alle Firmen bereiterklärt haben, mögliche Verzögerungen durch eine Änderung der Auftragsbeschreibung zu akzeptieren, sollte sich die Bürgerschaft doch gegen einen Neubau und für eine Rekonstruktion der Mehmel-Orgel entscheiden. Wann diese Entscheidung fällt, ist offen.

Benjamin Fischer

Mehr zum Thema

Andreas Gabalier hat dafür gesorgt, dass in Berlin und Hamburg Dirndl und Lederhosen gefragt sind. Der österreichische Volksrock'n'Roller hat aber auch die Schattenseiten der Popularität kennengelernt.

01.07.2017

Am Vorabend des G20-Treffens wollen engagierte Stars ein Zeichen setzen: Coldplay, Shakira, Grönemeyer und andere treten in Hamburg auf - beim ersten Global-Citizen-Festival in Deutschland.

03.07.2017

Elisabeth Weber und Jan Weinhold gastieren in Schönberg

04.07.2017

Leitfaden informiert über Strelasund und Greifswalder Bodden

06.07.2017
MV aktuell Tag in Kurznachrichten: OZ-TV am Mittwoch - Illegaler Jugendtreff in Rostock und Name für Usedom-Elch

Weitere Themen: +++ Birgit Hesse (SPD) gibt Startschuss für Projekt an Uni Greifswald +++ Archäologische Grabungen in Wismar +++ Kunstprojekt „Spurwechsel“ in Stralsund +++ Drei neue Emus im Wolgaster Tierpark +++

07.07.2017

Mit Michael Peters steht ein Jurist an der Spitze der Polizeiinspektion Stralsund

05.07.2017