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Stralsund Bodden-Kliniken investieren in Hygiene
Vorpommern Stralsund Bodden-Kliniken investieren in Hygiene
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00:05 01.03.2016

Wenn Hygienefacharzt Dr. Peter Rudolph beruflich einen Wunsch frei hätte, dann würde er sich in den Krankenhäusern, Dialysezentren, Pflegeheimen und anderen medizinischen Einrichtungen in Deutschland mehr Personal wünschen. Denn wenn die Pflegekräfte unter Zeitdruck stünden, leide sehr häufig die Hygiene.

Mindestens 30 Sekunden muss sich eine Pflegekraft vor und nach dem Patientenkontakt die Hände desinfizieren. Doch je weniger Personal, desto größer sei natürlich auch der Zeitdruck. „Auf einer Intensivstation mit zwölf Betten wäre das alleine eine Arbeitskraft nur fürs Desinfizieren“, erklärt der Fachmann, der als externer Berater unter anderem den Bodden-Kliniken in Ribnitz-Damgarten zur Seite steht.

Denn noch bevor 2011 eine verschärfte Gesetzgebung im Bezug auf den Infektionsschutz auf den Weg gebracht wurde, haben die Bodden-Kliniken bereits 2008 ein umfangreiches Hygienemanagement installiert. Neben dem Einsatz des externen Hygienefacharztes habe die Klinik in den vergangenen Jahren auch in eine Hygienefachkraft investiert. Birgit Jacob schult unter anderem die 15

Auszubildenden, die das Krankenhaus jährlich einstellt. „Motivierte und gut geschulte Mitarbeiter sind der wichtigste Faktor in Sachen Hygiene“, erklärt Geschäftsführer Dr. Falko Milski. „Natürlich entstehen zunächst einmal Kosten, aber schließlich geht es um die Patientensicherheit und eine Risikominimierung. Die Folgen wären außerdem deutlich kostenintensiver und imageschädigend“, erklärt Dr. Milski. So müsste bei einem Hygieneskandal im schlimmsten Fall eine ganze Station geschlossen und die betroffenen Patienten isoliert werden. Ein Beispiel sei die Frühchenstation im Klinikum Bremen-Mitte. Hier starben im August und Oktober 2011 drei Babys an Keimen, mehrere erkrankten. Die Abteilung musste daraufhin geschlossen werden. Messbar sei der Erfolg eines guten Hygienemanagements allerdings nicht. Schließlich könne man nicht sagen, wie viele Fälle beispielsweise der sogenannten multiresistenten Krankenhauskeime (MRSA — Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) ansonsten eventuell aufgetreten wären.

Um die Zahl der viel diskutierten Keime, die gegen die meisten Antibiotika resistent sind, in dem Ribnitzer Krankenhaus so gering wie möglich zu halten, werden Risikogruppen schon bei der Aufnahme gescreent. Dazu zählen unter anderem Patienten, die einen längeren Krankenhausaufenthalt hinter sich haben, aus einem Pflegeheim kommen oder auch Patienten, die direkten Kontakt zu Tieren in der landwirtschaftlichen Tiermast haben.

„Rund 20 Prozent der eingelieferten Patienten zählen zu den Risikogruppen“, berichtet Dr. Peter Rudolph. 24 Stunden dauere der Test. Durch das Screening würden Patienten mit multiresistenten Keimen frühzeitig erkannt und isoliert, um eine Übertragung zu verhindern. „In den Niederlanden wird das Aufnahmescreening schon lange in den Krankenhäusern durchgeführt. Die Zahl der multiresistenten Keime ist hier sehr gering“, erklärt der Geschäftsführer der Bodden-Kliniken. Eins müsse einem aber auch klar sein: „Null Prozent wird man allerdings nie bekommen.“

Großer Wert werde in dem Ribnitz-Damgartener Krankenhaus auch auf eine Senkung des Antibiotikaverbrauchs gelegt. „Antibiotika werden in unserem Haus ganz gezielt eingesetzt. Nicht jeder muss es bekommen“, sagt Milski.



Anika Wenning

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