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Bombenalarm am Galgenberg

Stralsund Bombenalarm am Galgenberg

Mit ihrem Job sorgen sie für Sicherheit und Ordnung in der Hansestadt. Hier geben Stralsunder Polizisten Einblick in ihre Arbeit.

Stralsund. Das kam den Männern vom Zoll nicht geheuer vor. Unweit des Klinikums West entdeckten sie im Vorbeifahren in einer menschenleeren Bushaltestelle zwei Koffer. Die beiden Lederstücke standen ganz offensichtlich herrenlos vor dem riesigen Werbeplakat der Haltestelle herum. Die trug den vielsagenden Namen Galgenberg. Die Zollbeamten informierten die Polizei.

„Die Kollegen aus dem Streifenwagen schauten sich die Sache vor Ort an, und auch ihnen kam die Sache nicht geheuer vor“, erzählt Kriminalhauptmeister Heiko Lutzke. Nicht erst seit den terroristischen Anschlägen von Paris und Brüssel geht man mit Behältnissen vorsichtig um, die in der Öffentlichkeit herumstehen und keinem zu gehören scheinen. Die Koffer waren aus schwarzem Leder und waren von jenem Format, das Piloten gerne nutzen. Auffällig war der ovale Aufkleber einer Geldtransportfirma auf einem der Koffer „Doch ein Anruf bei der Firma ergab, dass dort kein Koffer vermisst wurde“, weiß der Ermittler.

Der Dienstgruppenleiter wollte sich die Sache selbst ansehen. Seine Einschätzung nach waren Ort und Zeit für einen möglichen Bombenanschlag völlig ungeeignet, dafür war die Gegend einfach zu menschenleer und abgelegen. Der Beamte machte die Koffer auf.

„Beide Behältnisse waren leer“, sagt Heiko Lutzke. Jedoch fand sich in einem Koffer ein Passbild. Es zeigte einen ernst dreinblickenden Herren mit gescheiteltem Haar, einer großen viereckigen Brille mit abgerundeten Ecken im silbernen Rahmen. Der Mann trug einen dunklen Westover. Nicht nur die Brille und das Kleidungsstück ließen den Schluss zu, dass das Bildchen schon sehr alt sein musste. „Das Foto war noch in Schwarz-Weiß aufgenommen und stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus DDR-Zeiten“, vermutet der Ermittler.

Ob dieser Fall nun in die Rubrik Vergesslichkeit oder schlechter Scherz fällt? — Heiko Lutzke kann es nicht sagen. „Wir wüssten schon gerne, wem die Pilotenkoffer gehören.“ Auch wenn Stralsund — tief im Nordosten — auf der Liste von Terroristen kaum obenan stehen dürfte: In Zeiten wie diesen sind herrenlose Gepäckstücke nicht nur für die Polizei ein Problem. „Seit Jahresbeginn hatten wir im Bereich der Polizeiinspektion sechs Einsätze deswegen“, berichtet der Kriminalist. Die Einsätze laufen nicht immer so unkompliziert ab wie am menschenleeren Galgenberg.

So wurde im Februar nach dem Fund eines herrenlosen Koffers in einem Zug der Stralsunder Hauptbahnhof evakuiert und der Bahnverkehr eingestellt. Zwar war das Gepäckstück harmlos. Aber, bis sich das herausstellte, waren 12 Züge ausgefallen.

Von Jörg Mattern

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