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Stralsund Bootswerft gibt Expansionspläne in Stralsund auf
Vorpommern Stralsund Bootswerft gibt Expansionspläne in Stralsund auf
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14:01 06.01.2019
Noch ganz klassischer Bootsbau: Mitarbeiter Matti Buschmann in der Halle der Schaich-Werft im Kanonenbootsschuppen auf dem Dänholm. Quelle: Christian Rödel
Stralsund

Der Stralsunder Bootsbauer Philipp Schaich kehrt Stralsund nach einer langen erfolglosen Suche nach Möglichkeiten zur Expansion den Rücken. Stattdessen hat er mit seiner Werft nun eine Niederlassung der Yacht- und Bootswerft Martin auf der Insel Fehmarn übernommen.

Schaich war im Mai an die Öffentlichkeit gegangen, weil er sich von der Stadtverwaltung zunehmend im Stich gelassen fühlte. Grund dafür war ein Streit mit Thomas Schenk, dem Betreiber der kommunalen Segelschule Stralsund. Schenk und Schaich arbeiten im Kanonenbootsschuppen auf dem Dänholm unter einem Dach. Schaich kritisierte, dass er als Betreiber einer Werft mit zwölf Mitarbeitern insbesondere an der Wasserkante zu wenig Bewegungsfreiheit habe. Schenk konterte, dass durch die Segelschule und Umgang mit Kindern und Jugendliche Regeln und Ordnung herrschen müssten. Zu diesem Zeitpunkt hat der Bootsbauer bereits längere Zeit nach einem alternativen Standort gesucht, um wieder in Ruhe arbeiten zu können (die OZ berichtete).

Die Werft auf Fehmarn würde mit einem Hafen mit rund 100 Liegeplätzen, einem großem Hallen-Winterlager und Werkstätten mit einer Fläche von rund 500 Quadratmetern nun alle Arbeiten ermöglichen, die die Bootswerft Schaich bereits in Stralsund angeboten hat. Zwar soll der Standort in Stralsund erhalten bleiben, den Hauptsitz der Bootswerft habe Schaich, wie er sagt, aber ab 2019 nach Fehmarn verlegt. Das Werftgelände dort ist rund zwei Hektar groß.

„Der Standort Stralsund wird sich künftig auf den Bau von Folkebooten konzentrieren. Weiter werden vom Stralsunder Standort aus die Zuliefertätigkeiten für andere Schiffswerften, wie aktuell dem Innenausbau von Seenotrettungsbooten bei der Rostocker Tamsen Maritim GmbH, koordiniert. In diesen Fällen ist eine Belieferung über den Landweg problemlos möglich“, sagte Schaich.

 Die Bootswerft Schaich wurde 2008 gegründet und beschäftigt derzeit zwölf Mitarbeiter. Auf Fehmarn würden ihnen nun Betriebswohnungen zur Verfügung stehen. Das Hauptgeschäftsfeld der Werft ist der Holz- und Kunststoffbootsbau. Inzwischen ist Schaich auch im Neubau-Bereich aktiv.

„Der Erwerb des neuen Standortes wurde ohne externe Investoren realisiert. Da der neue Standort in Schleswig-Holstein liegt, wurden auch keine Fördergelder zum Einsatz gebracht“, betonte Schaich. Zum Kaufpreis machte er keine Angaben.

In dem Zusammenhang mit Konflikt auf dem Dänholm waren seinerzeit weitere Ungereimtheiten bekannt geworden. Demnach hat Schenk für eine offensichtlich privat geführte „Thomas Schenk Segelschule“ Kran-Gebühren abgerechnet. Der verwendete Kran gehörte nach Angaben der Stadtverwaltung aber weder ihm persönlich noch einer „Thomas Schenk Segelschule“, sondern dem Segelschul-Förderverein „Arbeit und Segeln.“ Dieser Verein unterstützt die städtische Segelschule, in der maritime Kinder- und Jugendarbeit betrieben wird. Schenk ist als Chef der Segelschule weiter bei der Stadtverwaltung beschäftigt. Pro Boot kassierte er damals laut den Rechnungen 50 Euro.

Bootsbauer Schaich war auf dem Dänholm oft auf diese Leistung angewiesen, um die Boote seiner Kunden für Reparaturarbeiten aus dem Wasser heben zu lassen. Allein 2017 habe er mehr als 1000 Euro an die „Thomas Schenk Segelschule“ überwiesen.

Die Stadtverwaltung kündigte damals eine Untersuchung der Vorgänge an. Auf mehrfache Nachfrage, was als Ergebnis nach dieser Untersuchung festzustellen ist, gab der Sprecher der Stadtverwaltung, Peter Koslik, zwei Sätze zu Protokoll: „Unsere Recherche ergab keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Thomas Schenk gegen seine Dienstpflichten verstoßen hat. Zudem wurden Absprachen getroffen, die sicherstellen, dass die strikte Trennung seiner dienstlichen von den privaten Tätigkeiten auch für Außenstehende deutlich erkennbar ist.“

Benjamin Fischer