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Stralsund Breitband-Ausbau kommt kaum voran
Vorpommern Stralsund Breitband-Ausbau kommt kaum voran
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00:00 28.10.2017
Arbeiter verlegen ein Breitbandkabel. Der Ausbau des schnellen Internets in Vorpommern kommt allerdings kaum voran. Quelle: Foto: Oliver Berg/dpa
Stralsund

/Greifswald. Es soll schnell werden, das neue Internet in Vorpommern. So schnell, dass wir uns heute noch gar nicht vorstellen können, welche Technologien damit einmal möglich sein werden. Doch der Ausbau der dafür nötigen Breitbandleitungen wirkt so langsam wie ein altes Modem, dass knackend und quietschend versucht, Kontakt zur Welt aufzunehmen.

Nur auf Rügen rollen Bagger, um Leitungen zu verlegen. In Vorpommern- Greifswald ist noch nicht einmal klar, welche Orte schnelles Internet bekommen sollen.

Als Anfang 2016 Politiker landauf landab stolz verkündeten, dass hunderte Millionen Fördergelder von Land und Bund nach Vorpommern in den Breitbandausbau fließen, machte sich das Gefühl breit: Jetzt geht es los. Flächendeckend sollten unterversorgte Orte mit Hilfe des Fördergeldes Anschlüsse bekommen, mit denen die Anforderungen der Zukunft erfüllt werden können. Doch wer heute, fast zwei Jahre später, auf Vorpommerns Breitband-Karte blickt, stellt fest: Während auf der Insel Rügen immerhin bereits die Bagger rollen, ist in Vorpommern-Greifswald noch nicht einmal in allen Gebieten klar, welche Orte überhaupt neue Anschlüsse bekommen sollen.

Rügen geht einen anderen Weg

Rügens Vorteil ist, dass die Insel einen anderen Weg geht als der Rest Vorpommerns. Dort hat der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung (Zwar) die Aufgabe übernommen, die Region mit schnellen Internetleitungen zu versorgen. In der Fachsprache wird das Betreibermodell genannt – die Telekommunikationsunternehmen betreiben das Netz lediglich, die Leitungen selbst bleiben beim Zwar.

Dafür fließen insgesamt 34 Millionen Euro Fördermittel. „Der Vorteil ist, dass das Netz in kommunaler Hand bleibt und wir uns selbst um Sicherheit, Ausbau und Erneuerung kümmern können“, erklärt der zuständige Bauleiter Wolfram Roehl. Weil der Zwar den Ausbau in Eigenregie durchführt, konnte er schon im Mai damit beginnen. Gebaut wird beispielsweise in Altefähr und Tilzow, auf Ummanz und Jasmund.

Vorpommern-Greifswald ist davon noch ein ganzes Stück entfernt. Dort ist weder klar, welches Telekommunikationsunternehmen den Ausbau vornehmen wird, noch wo das im einzelnen überhaupt passieren wird. Hintergrund ist, dass der Landkreis das Modell der sogenannten Deckungslücke gewählt hat. Das heißt, Privatunternehmen können sich um den Netzausbau in den einzelnen Projektgebieten bewerben und bekommen dann die Summe vom Staat, die ihnen fehlt, um dort rentabel zu wirtschaften. Das setzt ein sehr umfangreiches und zeitaufwändiges Vergabeverfahren voraus – das in Vorpommern-Greifswald erst in drei von 15 Gebieten richtig begonnen hat. In den anderen muss noch herausgearbeitet werden, welche Ortschaften überhaupt unterversorgt sind. Bis spätestens Ende 2019 müssen aber alle Maßnahmen abgeschlossen werden, denn dann endet das Förderverfahren. Insgesamt fließen rund 191 Millionen Euro Fördermittel.

Im Festlandbereich Vorpommern-Rügens ist man einen großen Schritt weiter. Dort hat jetzt die Telekom den Zuschlag für den Ausbau bekommen. Am Donnerstag kommender Woche will das Unternehmen gemeinsam mit der Kreisverwaltung nähere Details zu Bauablauf und Zeitplanung bekanntgeben. Dort fließen 118 Millionen Euro Fördergeld.

Baufirmen haben volle Bücher

Ob die Tiefbaufirmen überhaupt genug Kapazitäten haben, um im ganzen Land fast zeitgleich Leitungen durch die Erde zu ziehen, ist die nächste spannende Frage. „Die Bauunternehmen haben die Bücher voll“, sagt Karsten Liefländer, Leiter der Industrie- und Handelskammer in Stralsund. Die Betriebe seien zum Beispiel angesichts der vielen Straßenbaustellen bereits gut ausgelastet. Das bestätigt auch Matthias Loist von der Firma Gartenprofi Wuttig Landschaftsbau Zinnowitz auf Usedom, die auch Tiefbauarbeiten durchführt. „Bis Jahresende geht bei uns nicht mehr viel. Die Auftragsbücher sind voll“, sagt er. Nächstes Jahr gebe es aber noch genug Luft. Loist würde sich allerdings wünschen, dass die Aufträge besser über das Jahr verteilt werden. Ideal sei eine Vorlaufzeit von drei bis vier Wochen.

Die ASA Bau GmbH Greifswald ist ebenfalls zuversichtlich, dass alle Aufträge im nächsten Jahr auch ausgeführt werden können. Kapazitäten gebe es noch genügend, nur jetzt zum Jahresende wäre es knapp geworden. „Aber natürlich hofft ASA Bau, dass sich nicht alles erst wieder zum Jahresende staut, sondern die Fördermittel für den Breitbandausbau tatsächlich schon ab Frühjahr und Sommer bereitstehen, damit Aufträge ausgeführt werden können“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens.

Mitarbeit:

Cornelia Meerkatz, Henrik Nitzsche

Technik der Zukunft: ultraschnelle Glasfaserkabel

In Vorpommern-Rügen bekommen alle unterversorgten Haushalte nun Anschlüsse mit der schnellen Glasfaser-Technik. Als unterversorgt gelten Ortschaften, in denen derzeit nur eine Geschwindigkeit von unter 20 Mbit pro Sekunde verfügbar ist. Glasfaser gilt als zukunftssichere Technologie, mit der auch Geschwindigkeiten von mehr als 1000 Mbit/s möglich sein können. Wer derzeit beispielsweise beim Streaming-Anbieter Netflix eine Serie in HD-Auflösung sehen will, braucht dafür einen Anschluss mit fünf MBit/s. Für brillante 4K-Filme sind schon   25 MBit/s nötig.

In Vorpommern-Greifswald ist noch nicht klar, welche Technik zum Einsatz kommt. Erreicht werden müssen in den Ausbaugebieten Bandbreiten von mindestens 50 Mbit/s.

Alexander Müller

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