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Stralsund Brennpunkt Grünhufe
Vorpommern Stralsund Brennpunkt Grünhufe
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00:00 29.11.2017
Stralsund

Freitags wird es voll vor der Auferstehungskirche in Grünhufe. Meist gegen 21 Uhr. Dann ist der Jugendabend im Nachbarschaftszentrum (NBZ) zu Ende, das hier seinen Sitz hat. Deutsche und zumeist syrische Jugendliche strömen aus der Kirche. Bevor sie sich zerstreuen, steht man noch in Gruppen zusammen.

Nicht jedem gefallen solche Ansammlungen mit Ausländeranteil in Grünhufe. Von Rangeleien ist die Rede. Mitunter geht es auch nicht ganz leise zu. Immer wieder schaute die Polizei vorbei, Anwohner sollen sich beschwert haben. Ilka Pflüger, Sprecherin der Polizeiinspektion Stralsund, bestätigt mehrere präventive Einsätze ihrer Kollegen und stellt fest: „Vor der Kirche wurden zumeist Jugendliche und Kinder angetroffen, von denen nach unseren Erkenntnissen keine Störungen ausgingen.“

Thomas Gürgen ist der Jugendreferent der Kirchgemeinde. Er organisiert die Treffs am Freitag: „Für uns ist es schwierig, Transparenz zu schaffen. Die Leute sehen die Ansammlung draußen, aber nicht das, was hier drinnen passiert.“ Drinnen bietet Thomas Gürgen nicht nur ein offenes Freizeitangebot mit Musik, Tischtennis und Kicker an. „Hier gibt es einen Schutzraum ohne Alkohol und Drogen für alle, die kommen möchten. Eine Chance, sich kennenzulernen, Freunde zu finden“, betont er.

Jeden Freitag kommen bis zu 100 junge Leute im Alter bis zu 30 Jahren. Der Zuspruch ist bei den arabisch sprechenden Teilnehmern groß. Sie machen inzwischen zwei Drittel der Besucher aus. Der Rest sind Deutsche sowie russischsprachige Gäste.

Das Nachbarschaftszentrum hat auf die sich seit dem Frühjahr abzeichnende Situation reagiert. Mit Muhammed Shiko wurde ein Syrer über den Bundesfreiwilligendienst angeheuert. Der 38-Jährige engagiert sich für die Integration seiner Landsleute und vermittelt bei Sprachproblemen. Das Freizeitangebot selbst wurde von einst 15 bis 22 Uhr auf 16 bis 21 Uhr verkürzt. Doch erst am 3. November war wieder die Polizei am NBZ, weil es Beschwerden wegen zu lauter Musik gab. Sie wurde daraufhin leiser gestellt.

Neben den Jugendabenden gibt es unter dem Dach der Kirche weitere gezielte Angebote zur Integration – vom handwerklichen Kreativzirkel bis zur Musik- und Bandarbeit. „Das offene Angebot zur Begegnung am Freitag wird am stärksten angenommen“, sagt Pastor Reinhart Haack. Und der Kirchenmann sagt auch: „Wir suchen bei diesem riesigen Bedarf nach Entlastung durch weitere Angebote, die wir jetzt noch nicht sehen, die aber bei Hansestadt und Kreis angesiedelt sein könnten.“ Dazu hat es bereits Gespräche mit Vertretern der Stadt und des Kreises gegeben – ergebnisoffen. Im Landratsamt befürwortet Fachdienstleiterin Christine Braun eine Zusammenarbeit mit allen Trägern der Jugendarbeit in den Stadtteilen für ergänzende Angebote zu dem des NBZ.

Anja Schmuck, Integrationsbeauftragte der Hansestadt, verweist auf Angebote in anderen Stadtteilen, die bereits existieren. So etwa beim Stadtteiltreff der Stralsunder Innovationsconsult (SIC) in Knieper West II mit dem offenen Mütter-und Kind-Treff, der gut angenommen werde. So wie etwa auch das Sportangebot der AG Flüchtlingshilfe zum zweiwöchentlichen Begegnungscafé im Mehrgenerationenhaus, ebenfalls freitags. Doch zunächst will auch Anja Schmuck im Dezember Verantwortlichen aus Sportvereinen und freien Trägern zu einem Rundtischgespräch einladen, um weitere Möglichkeiten zur Integration auszuloten. Und: „Schön wäre es, wenn uns eine Umfrage unter zugereisten und deutschen Jugendlichen gelingen würde, wie sie sich solche Angebote vorstellen.“

Jörg Mattern

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