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Brunnen und Teiche trocknen aus

Stralsund Brunnen und Teiche trocknen aus

In der Frankensiedlung sind bereits 300 Goldfische verendet. Die Anwohner sind beunruhigt. Doch vorerst gibt es keine Entwarnung. Die Ursache ist unklar.

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Die siebzigjährige Anita Ötvös im Garten vor ihrem ausgetrockneten Teich. In etwa drei Metern Tiefe ist nur noch zäher Schlamm zu sehen. Sie hat noch versucht, etwa 300 Goldfische, Graskarpfen und Karauschen mit einem verlängerten Kescher zu retten und sie auf Regentonnen zu verteilen – vergeblich.

Quelle: Fotos: Jörg Mattern

Stralsund. Anita Ötvös steht fassungslos in ihrem Garten in der Frankensiedlung. Ihr ganzer Stolz war stets der große Teich mittendrin. Jetzt ist er ausgetrocknet. „Kurz bevor wir in den Urlaub gefahren sind, haben wir bemerkt, dass der Wasserspiegel etwas niedrig war. Doch als wir nach zehn Tagen zurückkamen, war nur noch eine Pfütze da“, sagt die 70-Jährige.

OZ-Bild

In der Frankensiedlung sind bereits 300 Goldfische verendet. Die Anwohner sind beunruhigt. Doch vorerst gibt es keine Entwarnung. Die Ursache ist unklar.

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In der Lache drängten sich etwa 300 Goldfische, Graskarpfen und Karauschen. Bevor der Schlamm zäh wurde, hat Anita Ötvös versucht, die Fische mit einem Kescher aus dem drei Meter tiefen Loch zu retten und auf Regentonnen zu verteilen, doch die meisten Tiere haben das nicht überlebt. „Als wir den Garten mit dem alten Feuerlöschteich 1980 gepachtet haben, standen die Wiesen rundum im Frühjahr immer unter Wasser. In all der Zeit ist es nie vorgekommen, dass der Teich vollkommen ausgetrocknet ist“, sagt sie traurig.

Für die Rentnerin ist das ein Rätsel. Nicht nur für sie. Dr. Erwin Walraph hat ein schönes Häuschen in Hanglage in der Frankensiedlung. „Der Brunnen auf der Wiese hinter meinem Grundstück ist ebenfalls ausgetrocknet“, sagt der Immunologe und weiß von Nachbarn im Garzer und Bergener Weg, die auch von niedrigsten Wasserständen in ihren drei bis fünf Meter tiefen Brunnen berichten.

Was sich Walraph nun gar nicht erklären kann: „Das war hier mal ein alter Torfstich“, weist er auf die Wiesen etwa sieben Meter unterhalb des Hauses. „Das Gelände da unten war immer nass. Und wenn da jetzt Brunnen in so kurzer Zeit austrocknen, muss das eine Ursache haben.“ Seine Vermutung: Grundwasserabsenkungen durch Bauarbeiten.

Tatsächlich wird in der Nähe gebaut. Die nahe Braumanufaktur an der Greifswalder Chaussee erweitert ihre Produktionsstätte. Auf Nachfrage im Landratsamt bestätigt Sprecher Olaf Manzke , dass zu dem genehmigten Bauantrag auch Grundwasserabsenkungen für Bauwerksgründungen gehören. Doch Manzke sagt: „Mit diesen Arbeiten ist noch gar nicht begonnen worden.“ Außerdem bezweifeln seine Fachleute, dass dies Auswirkungen bis auf 500 Meter entfernte Brunnen haben könnte. Dafür bringt Olaf Manzke die Hitze der letzten Wochen und gesunkene Regenmengen in diesem Jahr als mögliche Ursache ins Gespräch.

In der Braumanufaktur bestätigt Sprecherin Elisa Preuß, dass auf dem Betriebsgelände keine Arbeiten begonnen haben, die eine Grundwasserabsenkung erfordern.

Dennoch wird ganz in der Nähe gepumpt. Die Regionale Wasser- und Abwassergesellschaft Stralsund mbH (Rewa) verlegt eine Schmutzwasserleitung, damit diese nicht mit den geplanten Arbeiten der Brauerei kollidiert. Mario Nickel von der Bauleitung und Falko Müller von der Rewa-Technik machen bei einem Termin auf der Baustelle deutlich, dass diese Arbeiten nicht in die Umgebung ausstrahlen. „Wir pumpen Wasser nur punktuell aus nassem Sand ab, um Festigkeit zu erreichen“, sagt Nickel. Tatsächlich stehen an einem Messpunkt etwa zehn Meter hinter der fünf Meter tiefen und trockenen Baugrube 1,60 Meter Wasser im Messrohr. „Ziemlich überzeugend“, findet auch Rewa-Aufsichtsratsmitglied Gerd Riedel. „Das kann nicht die Ursache sein.“

Für Thomas Zimmermann, Leiter der Abteilung Wasserwerke der Rewa, bleibt dieser Fall rätselhaft. Im nahen Höllengrund betreibt die Rewa drei Tiefbrunnen, die 50 Meter hinabreichen und Andershof mit Trinkwasser versorgen. „An deren Pegelständen haben wir keine Veränderungen festgestellt“, sagt er. Für ihn war das auch nicht zu erwarten, da die Tiefbrunnen andere Wasserschichten anzapfen, die mit dem oberflächennahen Grundwasser nicht in Verbindung stehen. Auch Zimmermann tippt eher auf die warmen Temperaturen der letzten Wochen. Schwankungen, die damit in Verbindung stehen, sollten sich über die Pegelmessstellen in dem Gebiet feststellen lassen, die die Hansestadt betreibt. Doch deren Pressesprecher Peter Koslik sagt nach Nachforschungen: „Wir haben da gar keine Messstelle.“

Und wie um das Rätsel perfekt zu machen, konstatiert Fernseh-Wetterexperte Stefan Kreibohm auf OZ-Nachfrage, dass es in diesem Jahr zwar etwas weniger Regen und reichlich Sonne gegeben habe, aber das nicht reiche, um einen Dürresommer auszurufen. „Vor allem erklärt es nicht die Austrocknung innerhalb so kurzer Zeit“, so Kreibohm.

Mystik hilft jetzt nicht weiter

Es klingt mystisch: Das Grundwasser ist weg – und niemand weiß warum. Es muss Ursachen haben, wenn ein drei Meter tiefer Feuerlöschteich innerhalb von zwei Wochen trocken fällt und Brunnen kein Wasser mehr geben. Rund um die Frankensiedlung ist ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen, und mittendrin macht sich Trockenheit breit? Dass ist den Anwohnern der Frankensiedlung etwas zu viel Mystik.

Ihre Sorge: Sinkende Grundwasserstände führen zu Rissen in Straßen und an Häusern. Dem muss vorgebeugt werden. Und zwar, bevor noch mehr passiert als 300 tote Fische. Dazu kommt: Die Siedlung liegt in einem sensiblen Bereich, direkt am Strelasund. Wenn das Grundwasser verschwindet, ist die Gefahr groß, dass Brackwasser nachsickert. Es bedarf daher mehr Anstrengungen, den Ursachen nachzugehen, als auf Sommer und Sonnenschein zu verweisen. Die Sorgen der Anwohner sind ernst zu nehmen. Die Wasserwirtschaft beim Landkreis muss dringend aktiv werden.

Jörg Mattern

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