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„Bühnensand macht fit wie ein Turnschuh“

Ralswiek „Bühnensand macht fit wie ein Turnschuh“

Ben Bremer kann bei den Störtebeker Festspielen seine Leidenschaften vereinen: Schauspiel und rasante Ritte auf dem Pferderücken

Ralswiek. . Sand stiebt hoch, als Ben Bremer mit seinem Pferd Titus über die Bühne der Störtebeker Festspiele galoppiert. Souverän bringt Bremer das Pferd zum Stehen und springt von seinem Rücken. Keine Frage, der Mann versteht sein Handwerk. Der 51-Jährige ist seit seiner Kindheit großer Pferdenarr und war später auch als Vielseitigkeitsreiter bis zur Klasse M erfolgreich. „Beim Freilufttheater kann ich meine beiden großen Leidenschaften – das Reiten und das Schauspielern – verbinden“, erzählt er. „Außerdem bin ich extrem gerne draußen, auch bei Wind und Wetter.“ Auf die Idee, sich nach einer Schlosserlehre und der Schauspielausbildung in Leipzig an Festspielbühnen zu bewerben, brachte ihn eine Schauspielkollegin. „Sie erzählte mir, dass sie gerade Reiten lernt, um ihre Vetragschancen bei verschiedenen Festspielen zu steigern“, erinnert er sich. „Dann habe ich recherchiert und festgestellt, was für unglaublich tolle Möglichkeiten es gibt. Hier bei Störtebeker sehen in der Saison rund 350000 Zuschauer dein Stück. Da kann ein normales Theater nicht mithalten, das ist wirklich etwas ganz besonderes.“

In dem diesjährigen Stück „Auf Leben und Tod“ spielt er eine Doppelrolle. Zum einen gibt er dem Herzog Johann IV. ein Gesicht, in einer zweiten Rolle ist er als Ordenspriester zu sehen. Der Herzog kommt als Abgesandter auf die Insel Gotland, um Herzogin Sophia von Pommern-Wolgast und die Piraten davon zu überzeugen, die Insel freiwillig zu räumen. „Johann ist Politiker durch und durch und ein echter Diplomat“, erzählt Bremer über seine Rolle. „In Wahrheit ist er aber ein zahnloser Tiger, er hat ja keine Armee im Rücken. Also muss ich in der Rolle durch Überzeugungskraft glänzen. Am Ende kann ich durch meine Vermittlung Leben retten. Das ist sehr versöhnlich.“

Die Rolle des Ordenspriesters sei hingegen eher klein, dafür aber mit großen Gesten verbunden. „Ich bin praktisch immer dann gefragt, wenn etwas vom Priester geweiht werden muss oder segnende Worte benötigt werden“, berichtet er lachend. Die Rolle habe zwar weniger Text, aber das Spielen auf der Bühne sei fast schwerer. „Es ist immer leichter, mit einem Gegenüber zu spielen, der mir antwortet“, erzählt er. „Wenn man mal aus dem Text kommen sollte, bringt einen der Dialog sofort wieder auf den Weg. Der Ordenspriester aber spricht zu allen, beziehungsweise in den Raum. Da darf nichts schiefgehen.“ Eine Gemeinsamkeit gibt es allerdings zwischen den beiden Rollen: „Schwarze Lederhosen gehen immer – ob beim Priester oder Herzog“, berichtet Bremer mit einem Augenzwinkern. Das Kostümwechseln zwischen den beiden Rollen ist eine kleine Herausforderung. „Beim schnellen Umziehen brauche ich Hilfe durch freundliche Kollegen, da einige Kostüme hinten geknöpft sind“, sagt er.

„Der Herzog trägt aber auch eine Menge, zum Beispiel Unterkleid, Panzer und Kette. Und Lederhosen natürlich.“

Aber es seien auch gerade die Herausforderungen, die das Spiel auf einer Freilichtbühne so spannend machen, meint Bremer. „Allein schon die Arbeit mit den Pferden. Man kann viel trainieren, aber es bleiben immer Wesen, mit eigenem Charakter“, sagt er. „Titus zum Beispiel war im vergangenen Jahr noch recht anlehnungsbedürftig und schreckhaft, heute ist er ein starker Partner. So eine Entwicklung zu begleiten macht viel Spaß.“

Aber auch dem Publikum verborgene Seiten des Spiels auf einer Freilichtbühne haben es in sich. Das Laufen durch den Bühnensand zum Beispiel sei über längere Strecken sehr anstrengend und etwa vergleichbar mit Fußballspielen am Strand. „Wenn ich im Schlussbild die tiefen Kutschenfahrspuren quere, bin ich jedes Mal froh, wenn ich nicht stolpere“, erzählt Bremer. „Nach der Saison bin ich auf jeden Fall fit wie ein Turnschuh.“

Anne Ziebarth

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