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Stralsund Trampen 2.0: An der Bürgerbank geht’s los
Vorpommern Stralsund Trampen 2.0: An der Bürgerbank geht’s los
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06:18 13.02.2019
So kann es gehen: Mitfahrerbank in der Eifel. Quelle: info@mitfahrerbank.com
Altenpleen

Viele kleine Gemeinden in Vorpommern-Rügen bluten langsam aus. Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Gerade Senioren haben Angst davor, auf dem platten Land zu versauern. Denn der Busverkehr ist stark ausgedünnt. Nur wer ein Auto hat, ist mobil. Doch nicht nur die Älteren fühlen sich deshalb oft abgehängt, auch die jungen Leute, die noch keinen Führerschein haben, sind ohne Mama und Papa aufgeschmissen. Im Amt Altenpleen will man da jetzt mit einem Projekt gegensteuern – die Mitfahrerbank. Quasi Trampen 2.0.

Das ist die Idee: Im Amtsbereich werden in den Dörfern an zentralen Stellen Bänke aufgestellt. „Die sollen auffallen, dazu überlegen wir uns noch ein Farbkonzept“, sagt Ines Materna-Braun. Die Verwaltungschefin des Amtes hatte solche Bänke in Bayern gesehen und war begeistert. „Das ist doch genau das, was wir hier brauchen, um die Mobilität der Leute zu verbessern.“ Ruckzuck war ein Projekt geschrieben, mit dem sich das Amt fürs Bundesprogramm „Land(auf)schwung“ bewarb – und berücksichtigt wurde.

80000 Euro fließen als Anschubfinanzierung für Planung (wo soll eine solche Bank stehen, wo macht sie Sinn?), Flyer, Schilder und entsprechendes Marketing. Und für die ersten 24 Bänke. „Man muss ja auch an das Gegenstück denken. Wenn die Leute zum Beispiel zum Strelapark wollen, müssen sie auch zurückkommen, dort muss also auch eine Bank stehen“, so die Chefin des Amtes Altenpleen.

Und so soll das Ganze funktionieren: Die Bank, zum Beispiel an der Bushaltestelle, ist Ausgangspunkt für denjenigen, der in den nächsten Ort fahren will. Zum Beispiel von Groß Mohrdorf nach Prohn zum Arzt und zur Apotheke. Beim Trampen hat man früher an der Straße ein selbst gemaltes Schild hochgehalten und so gezeigt, wo man hin will. Das läuft nun über Schilder, die an einem kleinen Mast ausgeklappt werden können. Zum Beispiel kann man in Mohrdorf wählen: Prohn, Stralsund oder Altenpleen. Die Klappschilder zeigen auch in die entsprechende Richtung.

So wird dem vorbeifahrenden Auto signalisiert, wo die Reise hingehen soll. Wer den Wartenden mitnehmen möchte, hält an. „Das Konzept setzt auf Freiwilligkeit“, so Ines Materna-Braun. Und Amtsvorsteher Peter Messing, auch Bürgermeister in Prohn, betont: „Oftmals kennen sich die Leute ja, zumindest vom Sehen. Ich könnte mir schon vorstellen, dass man denjenigen, der da wartet, dann mitnimmt. Also ich finde die Idee gut. Ganz im Gegensatz zum Projekt Bürgerbus, das uns im letzten Jahr vorgeschlagen wurde. Da gab es viel zu viele unbekannte Größen.“

Die Mitfahrerbank ist ein Treffpunkt für spontane Fahrgemeinschaften. Eben wie beim Trampen. Es gibt allerdings einen Unterschied: Das Konzept setzt auf das enge soziale Geflecht im ländlichen Raum. Man kennt sich. Natürlich kann so eine Mitfahrerbank nicht den öffentlichen Nahverkehr ersetzen, aber sie schließt Lücken, gibt den Dorfbewohnern mehr Spielraum, von A nach B zu kommen. „Und man kommt ins Gespräch, das ist ja auch ein wichtiger Punkt“, sagt Ines Materna-Braun. Und es gibt noch einen kleinen Vorteil: Die Tramper-Bank funktioniert mit App für eine richtige Verabredung, aber eben auch ohne Handy-Empfang, weil der Wartende einfach aufs Geradewohl zur Bank geht.

Die erste Mitfahrerbank Deutschlands wurde übrigens 2014 aufgestellt. Damals hat die Verbandsgemeinde Speicher gemeinsam mit der Caritas in der Westeifel die erste Tramper-Bank eingeweiht. Die Gemeinde in Rheinland-Pfalz mit ihren 3000 Einwohnern wollte der mangelnden Mobilität auf dem Lande etwas entgegensetzen. Dort habe sich die Bank zu einem altersübergreifenden Treffpunkt gemausert, berichteten die lokalen Medien.

Versicherungstechnisch sei eine Mitfahrerbank unkompliziert, so die „Erfinder“ aus Speicher. OZ fragte bei der Stralsunder Allianz-Agentur von Heike Karock nach: „Jeder Mitfahrer ist durch die Kfz-Haftpflicht des Fahrers versichert. Der Fahrer selbst könnte bei Unfallverletzungen auf seine private Unfallversicherung zurückgreifen. Ist ein anderer Fahrzeugführer schuld am Unfall, greift dessen Haftpflicht“, erklärt Mitarbeiterin Dorita Busch.

In puncto Sicherheit würde das Amt Altenpleen gern noch einen anderen Schritt gehen. „Wir möchten erreichen, dass sich die Fahrer registrieren lassen“, hofft Ines Materna-Braun auf breite Zustimmung. Aber sie weiß, dass man dazu niemanden zwingen kann.

Preisgekröntes Projekt stammt aus der Eifel

Die Tramper-Bank oder auch Mitfahrer-Bank leuchtet türkis und zeigt sich auch den Autofahrern den Punkt, an dem Leute einsteigen könnten. Wer zur Apotheke in die nächste Stadt will oder einen Einkauf erledigen möchte, setzt sich auf die Bank und wartet auf eine Mitfahrgelegenheit. In Speicher betrug die durchschnittliche Wartezeit zehn Minuten. In Sachsen warteten die Tramper hingegen Stunden...

Das Projekt der spontanen Fahrgemeinschaften wurde übrigens mit dem Orange Social Design Award ausgezeichnet. Mittlerweile haben auch bayrische Kommunen wie Weißenburg-Grunzenhausen oder der Kreis Wolfratshausen, Bünsdorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein und einige andere die Idee erfolgreich nachgenutzt.

Und so funktioniert es: „An den wichtigsten Ausfahrten aus Speicher raus haben wir türkise Bänke aufgestellt. Neben jeder dieser Bänke steht ein Schild, auf dem man anzeigen kann, wohin man gerne mitgenommen wäre. So kann jeder, der an der Bank vorbei in die richtige Richtung fährt, spontan entscheiden, ob er heute einen Mitfahrer mitnehmen möchte, oder lieber nicht“, heißt es unter „Die Mitfahrerbank – das Original“.

Ines Sommer

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