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Stralsund Erstkonsumenten werden immer jünger
Vorpommern Stralsund Erstkonsumenten werden immer jünger
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10:12 07.12.2018
Der Konsum von Cannabis ist bei Stralsunder Jugendlichen weit verbreitet. Quelle: Daniel Karmann/dpa
Stralsund

„Es wird konsumiert, was das Zeug hält“, sagt Cathleen Spröte, Suchttherapeutin beim Chamäleon-Verein. Auch der Trend, dass das Alter der Erstkonsumenten weiter sinkt, setze sich leider fort. „Wenn 13-Jährige zu uns kommen, dann haben sie aber schon eine Drogenkarriere hinter sich, denn bei uns suchen sie Hilfe.“ Dabei geht es oft um sogenannte weiche Drogen wie Alkohol und – Cannabis. Beides gehört für Jugendliche mittlerweile zum Alltag.

Das bestätigen auch Max (17) und Mia (15). Beide haben bereits selbst Erfahrungen mit Cannabis gemacht und Max erklärt: „In meinem Freundeskreis ist das sehr weit verbreitet. Ich kenne vielleicht fünf, sechs Leute in meinem engen Freundeskreis, die es nicht konsumiert haben.“ Mia ergänzt: „Ich denke, dass mehr Menschen kiffen, als man denkt. In meinem Bekanntenkreis ist es die Mehrheit.“ Auch an diesem Punkt gibt Cathleen Spröte recht. Im Jahr 2017 haben 141 Klienten den Verein aufgesucht, bei 44 von ihnen ging es um Cannabis. „Doch de Dunkelziffer liegt natürlich weitaus höher, denn zu uns kommen nur diejenigen, die Hilfe wollen.“

Mia und Max sind sich einig darüber, dass Cannabis längst keine Seltenheit mehr ist, und sich im Gegensatz zu anderen legalen Drogen nur im Preis und der Wirkung unterscheidet. Nicht aber mehr im Konsum an sich. „Ich würde mich jetzt nicht öffentlich hinstellen und einen Joint rauchen“, sagt Max, „aber es für mich nichts anderes, als würde ich ein Bier trinken. Der Hauptunterschied ist, dass es viel mehr kostet.“ Über die Vorzüge der Wirkung von Cannabis gehen die Meinungen bei den Jugendlichen auseinander, aber normal sei bei Jugendlichen beides, sagt Mia. „Manche mögen die Wirkung von Alkohol lieber, manche die von Cannabis.“

Auch der Umgang in vielen Elternhäusern sei lockerer geworden. „Meine Familie weiß, dass ich Cannabis konsumiere und heißt es nicht gut“, sagt Mia. „Aber so lange ich es nicht übertreibe, ist es für sie ok.“ Max fügt hinzu: „Meine Eltern meinten nur: ‚Mach das nicht zu häufig, du weißt ja, was passieren kann.‘“ Doch wissen Jugendliche das wirklich, oder konsumieren sie zu leichtfertig? Immerhin hat eine kanadische Langzeitstudie ergeben, dass der frühe Konsum von Cannabis zu größeren und langfristigeren Schäden in der Entwicklung Heranwachsender führt als Alkoholkonsum.

Wo also liegt die Faszination? „Meine Gründe waren hauptsächlich, mal etwas Neues, Verbotenes auszuprobieren und zum Teil Neugier“, sagt Mia. Max erzählt: „Auf einer Party ist es plötzlich da, man hat viel davon gehört und dann möchte man auch einfach mal probieren. Ich habe sogar erst Cannabis probiert und dann Nikotin.“

Probleme bei der Beschaffung gibt es inzwischen gar keine mehr. „Das Cannabis bekomme ich von Bekannten. Praktisch jeder kennt jemanden, der dealt. Man kennt Leute, die auch wieder Leute kennen und so entwickelt sich das“, sagt Mia. Im Nachhinein könnten sie zwar keine großartigen Probleme, aber trotzdem auch negative Effekte feststellen: „Am Tag danach ist es nicht wie bei Alkohol mit dem Kater, ich bin eher fauler, demotivierter und habe weniger Bock was zu machen.“ sagt Max.

Rechtlich wird Cannabis noch als illegale Droge eingestuft. Der steigende Konsum spiegelt sich auch in den Zahlen einer polizeilichen Kriminalstatistik für die Hansestadt wider. Demnach haben sich die Fallzahlen bei der Betäubungsmittelkriminalität erhöht. Waren es 2010 noch weniger als 200 Fälle in Stralsund und etwa 650 im Landkreis Vorpommern-Rügen, stiegen diese Werte bis 2017 auf ungefähr 500 und knapp 1000 an.

Arne Lehmann

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