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„Dann sah ich plötzlich, wie ein Auto ins Wasser fiel“

Parow/Greifswald „Dann sah ich plötzlich, wie ein Auto ins Wasser fiel“

Soldat der Marinetechnikschule rettete 49-Jähriger Frau das Leben

Parow. Ein ganz normaler Tag sollte der vergangene Samstag für den 20-jährigen Thorsten Stricker werden. Nachmittags war er mit seiner Freundin in Greifswald unterwegs, die beiden wollten einen Spaziergang unternehmen. Dann ging alles ganz schnell: „Wir waren gerade auf dem Parkplatz am Traditionshafen angekommen, da sah ich plötzlich, wie ein Auto ins Wasser fiel.“

Geistesgegenwärtig lief der Hauptgefreite an der Marinetechnikschule Parow los. Er rief seiner Freundin noch schnell zu, sie solle die Polizei informieren. Unterwegs zog er sich Hemd und Hose aus, „die Schuhe verlor ich schon beim Laufen“. Nur noch mit Boxershorts bekleidet, sprang der Bundeswehranghörige ins 14 Grad kalte Wasser. Mit wenigen Schwimmzügen war er beim Auto, das sich bereits bis zum Fenster im Wasser befand.

„Die Frau stand unter Schock und hatte Angst, sie schrie mir zu, dass sie nicht schwimmen kann.“ Thorsten Stricker, der seit sieben Jahren Rettungsschwimmer ist, beruhigte die 49-Jährige und versuchte, die Fahrzeugtür des Ford Fiesta zu öffnen. Da es nicht gelang, musste er die Frau durch die enge Fensteröffnung herausziehen. An Land kam endlich Hilfe: Zwei Passanten fassten mit an, zogen die beiden frierenden Personen aus dem Wasser. Auf sicherem Boden gab's von der Geretteten erst mal eine feste Umarmung, Zuschauer applaudierten und pfiffen vor Anerkennung.

Minuten später kamen Rettungsfahrzeuge und Polizei. „Die dachten zuerst, ich hätte das Auto versenkt“, schmunzelt der sympathische junge Mann. Dabei war der Greifswalderin das Malheur beim Rückwärtsausparken passiert, als sie versehentlich den ersten Gang eingelegt hatte. Der Retter wurde dann mit Blaulicht und Martinshorn wohlbehalten bei seiner Freundin an der anderen Seite des Rycks abgeliefert.

Das Leben anderer Leute zu retten, ist für Thorsten, der eigentlich in Köln zu Hause ist, nichts Neues. Schon vor zwei Monaten trat er in Binz in Aktion, als eine junge Frau zu ertrinken drohte. In Greifswald war er allerdings fassungslos, dass nicht einer der Schaulustigen half. „Einige telefonierten, aber die meisten schauten weg.“

An der Marinetechnikschule absolviert der junge Mann derzeit eine Ausbildung zum Elektroniker, wird jedoch Ende des Jahres die Hansestadt verlassen, um seinen Wehrdienst in Plön fortzusetzen.



D. B.

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