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Stralsund Das Ende der Volkswerft: Halle bekommt neues Logo
Vorpommern Stralsund Das Ende der Volkswerft: Halle bekommt neues Logo
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00:00 29.03.2017
Die Industriekletterer rund um den Rostocker Andreas Prill nieten die Platten an der Schiffbauhalle in 70 Meter Höhe fest.
Stralsund

Der malaysische Genting-Konzern bringt mit MV Werften wieder neuen Schwung in die Stralsunder Wirtschaft – doch den muss die Hansestadt mit einem großen Stück Identität bezahlen. Die Volkswerft soll künftig nicht mehr Volkswerft heißen. Gestern haben Industriekletterer bereits die Kogge an der Frontseite der großen Schiffbauhalle mit dem MV Werften-Logo überdeckt. Ab nächste Woche sollen auch die gigantischen Volkswerft-Schriftzüge an den Seiten übermalt werden. Damit geht eine Ära zu Ende: Die Werft wurde am 15. Juni 1948 als Volkseigener Betrieb „VEB Volkswerft Stralsund“ gegründet.

Industriekletterer bringen Schild der MV Werften an / Riesige Schriftzüge an den Seiten verschwinden / Neuanfang soll markiert werden

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„Wir wissen, dass der Name noch in den Köpfen vieler Stralsunder ist. Aber der Gesellschafter will seinen Namen ans Klingelschild machen“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Sprunk. Es gehe darum, ein sichtbares Zeichen für den Neuanfang zu setzen. „Ohne die Stralsunder verärgern zu wollen: Der alte Name war nicht mehr zeitgemäß“, sagt Sprunk. Man hatte überlegt, stattdessen einen Schriftzug wie „Willkommen auf Rügen“ anzubringen, die Idee aber wieder verworfen.

Das neue Riesen-Schild ist nun wie ein gigantisches Puzzle, das von den Industriekletterern der Rostocker Firma „Windernte“ Stück für Stück zusammengesetzt wird. Wer in diesen Tagen auf dem Rügenzubringer in Richtung Insel fährt, kann aus der Ferne dabei zuschauen. Ein Kran hebt die Arbeiter in einem Korb in etwa 70 Meter Höhe. Mit einer meterlangen Wasserwaage achten die Männer um Chef Andreas Prill auf den exakten Winkel der Platten, dann werden sie festgenietet. Die Firma „Windernte“ ist weltweit gefragt. Es gab beispielsweise bereits Einsätze in den USA, Finnland und Taiwan.

„Anfangs war der Job jedes Mal ein Nervenkitzel. Heute ist das für uns Normalität“, sagt Andreas Prill.

Die Platten selbst werden vom Printzentrum in Rostock gefertigt. Chef René Geschke ist selbst nach Stralsund gekommen, um sich das Ergebnis anzuschauen. „Ich bin gespannt, ob wirklich alles passt“, sagt er. Die Teile bestehen aus sogenanntem Aluminium-Dibond und haben in der Mitte einen Kunststoffkern. Sie wurden mithilfe von Großformatdruckern mit Folie bedruckt, aus der sich letztendlich das Logo zusammensetzt. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 40000 Euro.

In diesem Jahr will Genting einen zweistelligen Millionenbetrag in die Infrastruktur an der Stralsunder Werft investieren, um alles für die Fertigung vorzubereiten. Wenn es gut läuft, kann hier in diesem Jahr mit dem Bau des ersten Luxus-Kreuzfahrtschiffs der „Endeavour“-Klasse für die Arktis begonnen werden. Auch die Fertigung des ersten Mittelblocks für Schiffe der „Global“-Klasse könnte noch in diesem Jahr oder Anfang 2018 beginnen.

Auch die anderen Standorte bekommen übrigens neue Logos. In Wismar wurde bereits das neue Schild angebracht. In Rostock soll der bekannte Bockkran der Warnowwerft im Sommer neu beschriftet werden.

Logo ist mehr als 400 Quadratmeter groß

91 Platten ergeben das MV Werften Logo an der Frontseite der Stralsunder Werft. Es ist insgesamt mehr als 400 Quadratmeter groß.

Jede Platte misst 3,25 Meter mal 1,50 Meter. Das Puzzle besteht aus sieben Reihen nebeneinander und 13 Reihen untereinander.

Der Volkswerft-Schriftzug soll von den Seiten der Halle verschwinden. Die Buchstaben sollen übermalt werden. Am 5. Juli 1997 war die Schiffbauhalle offiziell in Betrieb genommen worden:

Mit einer Höhe von 74 Metern, einer Länge von 300 Metern und einer Breite von 108 Metern war sie zum damaligen Zeitpunkt die größte Schiffbauhalle der Welt.

Alexander Müller

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