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Das Greifswalder Sperrwerk ist jetzt preisgekrönt

Greifswald Das Greifswalder Sperrwerk ist jetzt preisgekrönt

Konstruktion erhält den Ingenieurbaupreis / Kritik und Probleme bleiben dennoch

Greifswald. Das nach den Plänen des Berliner Ingenieurbüros Hypro Paulu & Lettner (hpl) errichtete Greifswalder Sperrwerk erhält den Deutschen Ingenieurbaupreis 2016. Das Bundesumweltministerium und die Bundesingenieurkammer haben diese mit 30 000 Euro dotierte Auszeichnung erstmals vergeben. Die Jury befand, „dass durch die gelungene Integration verschiedener Planungsbeteiligter eine außergewöhnlich innovative Lösung zum Hochwasserschutz“ entwickelt wurde. Der Preis hat den Rang eines Staatspreises, gilt als die bedeutendste Anerkennung für Bauingenieure.

„Wir freuen uns sehr“, sagt Christian Lettner, Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft, „wenngleich wir nicht allein als Planer geehrt wurden, sondern der Bau als Gemeinschaftsprojekt“. Die Ehrung zeige, „dass das Sperrwerk in der Fachwelt als etwas Besonderes gesehen wird und Akzeptanz findet“. Dies sei um so erfreulicher, „da es in der Vergangenheit ja heiß diskutiert wurde und viele kritische Stimmen gab“, erinnert Lettner.

In der Tat sorgte das 32 Millionen Euro teure Bauwerk für reichlich Auseinandersetzung. Anfangs wurde die Kosten-Nutzen-Relation in Frage gestellt. Die Renaturierung von Flächen als Ausgleichsmaßnahme für den Bau bescherte zudem monatelangen Streit zwischen Kommunen und Behörden. Auch die eingeschränkte Sicht auf die Dänische Wiek war und ist manchen Greifswaldern ein Dorn im Auge. Lediglich bei den von einer Sturmflut zuallererst betroffenen Wieckern stieß das Vorhaben von Beginn an auf große Zustimmung.

Der Schutz von Leben war 1998 denn auch ausschlaggebend für die Entscheidung des Landes, das Sturmflutschutzsystem in Auftrag zu geben. Dazu gehören neben dem Sperrwerk die Deiche in Eldena, Wieck und Ladebow sowie Höhenanpassungen in Neuenkirchen und Jager. Nach jahrelangen Planungen folgte Ende 2010 ein um sechs Jahre verspäteter Baubeginn und schließlich im April 2016 die feierliche Übergabe. Bauverzögerungen und die Tatsache, dass die Kosten für das gesamte Projekt mit 42 Millionen Euro deutlich über dem Planansatz lagen, konnte die Freude von Umweltminister Till Backhaus (SPD) damals wie heute nicht trüben: „Mit Stolz nehme ich zur Kenntnis, dass sich das Ingenieurbüro bundesweit gegen 53 andere Projekte durchgesetzt hat. Die Auszeichnung von unabhängiger Stelle unterstreicht einmal mehr die technische Meisterleistung, die bei uns im Land vollbracht wurde“, urteilt Backhaus. Auch im Greifswalder Rathaus ist die Freude groß: „In der hoffentlich langen Reihe künftiger Ingenieurbaupreise wird damit auch immer wieder Greifswald ins Blickfeld rücken“, kommentiert Baudezernent Jörg Hochheim (CDU) die Auszeichnung. Als gelernter Bauingenieur hoffe er zudem, dass der Preis dazu beitrage, „kreative junge Menschen für das vielfältige Berufsbild des Bauingenieurs zu interessieren“.

Laut Umweltministerium werde das Küstenschutzsystem über 50000 Menschen vor extremen Sturmfluten mit Wasserständen von bis zu 3,10 Meter über dem Normalhöhennull schützen. Zudem sei es möglich, einen wirtschaftlichen Schaden von bis zu 300 Millionen Euro abzuwenden. Die letzten extremen Hochwasser liegen bereits einige Zeit zurück: 1872, 1904 und 1913 gingen mit Wasserständen von bis zu 2,70 Meter in die Geschichte ein. Zuletzt wurde es 1995 mit einem Pegel von 2,25 Meter kritisch. Land, Stadt, Planer und Bauleute sehen deshalb hoffnungsfroh der ersten Bewährungsprobe des Sperrwerks entgegen – wann immer sie kommen mag.

Ein Wermutstropfen bleibt: Nicht mehr jedes große Schiff, das zuvor den Ryck entlangschipperte, passt jetzt durchs Sperrwerk. Allen voran das Flaggschiff der Hansestadt: die „Greif“. Mit einem Tiefgang von 3,60 Metern kommt sie nicht durch die Anlage. Die Nachricht kam im November 2014 einer Posse gleich. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hatte den zulässigen Tiefgang damals auf 3,40 Meter begrenzt und begründete die Entscheidung mit „baulichen Veränderungen am Sperrwerk“. Ein Fakt, dem Volker Pesch, Vorsitzender des Museumshafensvereins, heute noch kritisch und mit großem Bedauern begegnet. „Zumal auch der ,Seefuchs’ dadurch seine Heimat verlor“, sagt er. Ganz zu schweigen von den „Auswirkungen auf die Gaffelrigg“: Große Pötte werden die Besucher des Fischerfestes nicht mehr bei der Parade der Traditionsschiffe sehen. Die „Greif“, die jetzt im Industriehafen liegt, konnte sich erst in der Dänischen Wiek anschließen.

Petra Hase

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