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Das Kreuz mit dem Kraut

Stralsund Das Kreuz mit dem Kraut

Die Gefahr wächst gelb: Das giftige Jakobskreuzkraut breitet sich in Vorpommern-Rügen immer stärker aus

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So schön blüht das Jakobskreuzkraut. Vor allem für Tiere ist die Pflanze jedoch eine Gefahr.

Quelle: Lutz Rößler

Stralsund. Der Landkreis Vorpommern-Rügen warnt vor einer immer größer werdenden Gefahr auf den Wiesen und Weiden zwischen Ribnitz-Damgarten und Bergen. Das sogenannte Jakobs-Kreuzkraut habe sich in diesem Jahr besonders stark ausgebreitet. „Wegen ihrer Giftigkeit für Weidevieh wird es besonders von Tierhaltern gefürchtet“, sagt Ute Schmidt aus dem Sachgebiet Landschaftsplanung/Landschaftspflege der Kreisverwaltung. Zuletzt habe es vermehrt Anrufe in der Kreisverwaltung von besorgten Bürgern gegeben, die sich über die Gefahren der Giftpflanze informieren wollten. „Es scheint mehr Jakobskreuzkraut zu geben“, so Ute Schmidt. Bereits im Frühjahr hatte das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns vor den Gefahren des Jakobskreuz-Krautes gewarnt.

So harmlos und leuchtend die gelbe Blüte der Pflanze erscheint, so tückisch kann sie sein. Das Jakobs-Kreuzkraut enthält sogenannte Pyrrolizidin-Alkaloide. Diese selbst seien an sich nicht akut giftig, werden aber im Körper zu den sehr viel giftigeren Pyrrolen. In reinem Zustand ist Pyrrol eine farblose Flüssigkeit mit chloroformartigen Geruch.

Weiden im Westen gesperrt „Das Jakobskreuzkraut breitet sich massiv aus, vor allem auf extensiven Weiden“, sagt auch Christian Ehlers, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern. In Niedersachsen und in Schleswig-Holstein sei das gelbe Kraut bereits vor einiger Zeit zum Problem geworden, das nun quasi nach Mecklenburg-Vorpommern einwandert. In Westmecklenburg sind bereits vier Weiden gesperrt worden, von denen zwei noch gesperrt sind. Solche Maßnahmen sind in Vorpommern-Rügen noch nicht bekannt geworden, ebenso sind laut Christian Ehlers keine Fälle bekannt, in denen Tiere betroffen gewesen sind. „Durch die mediale Aufmerksamkeit sind unsere Landwirte sensibilisiert“, sagt Christian Ehlers.

Besonders bei Pferdehaltern ist die Pflanze gefürchtet, aber auch Schweine reagieren sensibel auf die entstehenden Stoffe. Fressen Pferde das Kraut, kommt es zu einer Leberverhärtung, an der die Tiere oft sterben. „Während ältere Tiere einzelne Jakobs-Kreuzkräuter auf der Weide meiden, nehmen Jungtiere die Pflanzen eher auf“, so Ute Schmidt. In der Verantwortung stünden die Tierhalter.

Gründe, dass Tiere das Kraut fressen, seien Überweidung oder wenn Pollen des Kreuzkrautes ins Futterheu gelangen. „Das Gift der Alkaloide bleibt auch in Heu und Silage bestehen, ist aber für Tiere dann nicht mehr erkennbar, da der Eigengeruch des Jakobs-Kreuzkrautes überdeckt wird.“ Eine wirkliche Gefahr besteht allerdings nur bei der Aufnahme enormer Mengen des Krautes. Dennoch warnt das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LALLF): „Die Aufnahme von stark verseuchtem Futter führt nach wenigen Tagen zu akuten tödlichen Leberschäden. Schon niedrigere Toxinkonzentrationen im Futter haben chronische Leberschäden zur Folge. Eine Behandlung akuter und auch chronischer Vergiftungen ist im Regelfall erfolglos.“ Einer der Inhaber einer gesperrten Fläche in Westmecklenburg hatte angegeben, dass Tiere durch die Aufnahme von Jakobs-Kreuzkraut verendet sind. Tierärztlich bestätigt ist dies aber nicht.

Gefahr für Menschen?

Doch nicht nur für Tiere sind die Stoffe, die durch Aufnahme des Krautes entstehen, gefährlich, sondern auch für Menschen. So kann Honig die Stoffe enthalten, wenn die Bienen Pollen des Krautes transportieren. Auch in Tee wurden die Giftstoffe bereits nachgewiesen. Experten rechnen zudem damit, dass die Alkaloide unter anderem über die Kuhmilch in die Nahrungskette gelangen können. Auch Getreide könnte durch die Pollen kontaminiert werden. Allerdings werden laut Ute Schmidt die gefährlichen Mengen in der Regel nicht erreicht. „Man müsste kiloweise Jakobs-Kreuzkraut essen, bis es gefährlich wird.“

Schmidt warnt deshalb auch vor Panikmache. Ob eine Bekämpfung des Krautes auf einer Fläche notwendig ist, entscheide der Eigentümer. „Dies wird nur dann der Fall sein, wenn die Wiese zur Gewinnung von Futterheu dient oder wenn von der betroffenen Fläche eine Gefahr für benachbartes Wirtschaftsgrünland ausgeht.“ Eine Bekämpfung mit chemischen Mitteln sollte nur ausnahmsweise erfolgen und ist vorab beim LALLF zu beantragen. In der Regel werden die Pflanzen ausgestochen, offene Bodenstellen dann nachgesät.

Das Jakobs-Kreuzkraut ist eine heimische Pflanze, die sich in den vergangenen Jahren enorm ausgebreitet hat. Neben den Gefahren bietet sie allerdings auch Lebensraum und Nahrung für viele Insekten.

Das Jakobs-Kreuzkraut blüht im zweiten Jahr seines Lebenszyklus von Ende Juni bis in den späten Oktober hinein. Danach entwickelt sich eine kleine Pusteblume. So verteilen sich die Samen. Dass sich das Kraut allerdings so erfolgreich ausbreiten kann, liege vor allem am Menschen, so Ute Schmidt. Lücken in der Pflanzendecke würden eine Keimung der Samen fördern, wie etwa spät gemähte Wiesen mit lückenhafter Grasnarbe, von Bodenerosion betroffene Böschungen, Aufforstungen, schüttere Brachen, Bauerwartungsland oder übernutzte Weiden.

Keine Grenzwerte im Lebensmittelbereich

In Deutschland liegen für den Lebensmittelbereich derzeit keine gesetzlichen Regelungen für den Umgang mit Pflanzen vor, die Pyrrolizidin-Alkaloid- Gehalte aufweisen. Allerdings gibt es Medikamente, die diese Stoffe enthalten. Vorgeschrieben ist, dass die Behandlung mit einem Präparat, das diese Stoffe enthält, innerhalb einer sechswöchigen Anwendung 1 Mikrogramm pro Tag nicht überschreiten darf. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, eine Tagesdosis von 0,007 Mikrogramm ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide je Kilogramm Körpergewicht nicht zu überschreiten.

In Großbritannien , wo das Jakobs-Kreuzkraut als gefährliche Pflanze meldepflichtig ist, wurden in den 1990er Jahren verschiedene Studien zur Humangefährdung durch das Jakobs-Kreuzkraut durchgeführt. Auf der Basis der Untersuchungsergebnisse wurde geschlussfolgert, dass das Risiko durch belastete Grundnahrungsmittel für die menschliche Gesundheit wahrscheinlich unbedeutend ist.

Robert Niemeyer

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