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Stralsund „Das ist mein Haus, und ich muss mich kümmern“
Vorpommern Stralsund „Das ist mein Haus, und ich muss mich kümmern“
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00:01 30.04.2016
Dirk Peters trat am 1. Mai vor 25 Jahren seinen Job als Küster der Marienkirche an und ist seitdem mit dem Herzen dabei. Quelle: Marlies Walther
Stralsund

Das Schloss knarzt. Dirk Peters muss keine Sekunde überlegen, welcher Schlüssel passt. Das war vor 25 Jahren anders. „Da stand ich vor einer Kiste mit lauter Schlüsseln und musste erst mal die ganze Kirche durchstöbern“, erzählt der Küster von St. Marien über seinen ersten Tag in dem Job, den er am 1. Mai 1991 antrat.

Gewölbeführungen

Zweimal in der Woche lädt Küster Dirk Peters zu Gewölbeführungen in St. Marien ein.

Mehr über die Kirchengeschichte kann man bei den einstündigen Rundgängen, die eine Turmbesteigung einschließen, dienstags um 15 Uhr und donnerstags um 15.30 Uhr erfahren.

Die alte Tür zum Turmaufgang, der einst extra für den Uhrmacher gebaut wurde, springt auf. Ausgetretene schmale Stufen liegen vor uns. Immer wieder muss ich nach dem Halteseil greifen und komme ins Hecheln. Von fehlender Puste ist bei Dirk Peters, der Dreher gelernt hat und vor der Wende bei der Firma Robotron die letzten Computer-Stecker herstellte, keine Spur.

Der Mann steht im Training. Kraxelt er doch mehrmals in der Woche diese Treppe hinauf bis unters Dachgebälk, wo er seine Gewölbeführungen startet oder schaut, ob noch alles im Lot ist. „Schon wieder eine Lampe kaputt“, stellt er fest. Vorbei geht es an einer Aufzugswinde und einem Tretrad von 1648 mit einem Durchmesser von fast acht Metern zum Bewegen von schweren Lasten.

Noch höher führen die insgesamt 366 Treppenstufen auf den Kirchturm „mit dem schönsten Ausblick Deutschlands“, wie Dirk Peters seinen Besuchern versichert. Er ist mit dem Herzen dabei. „Sonst funktioniert das nicht“, sagt der Hansestädter, ganz nach dem Motto: „Das ist mein Haus, und ich muss mich kümmern“. Dass er dies mit Leidenschaft tut, bescheinigt ihm auch der Pastor von St. Marien.

Christoph Lehnert hebt den „sorgsamen Umgang mit den ihm anvertrauten Talenten“ hervor. Schließlich verwalte der Küster nicht eine Stehbierhalle, sondern eine der schönsten und größten Backsteinkirchen überhaupt.

Lehnert schlägt den Bogen vom Kassenwesen über die Pflege der Kirche bis zur Vorbereitung des Gottesdienstes. Alles tue Dirk Peters weit über die normale Arbeitszeit hinaus und mit einem ganz geringen Krankenstand. Das liege wohl nicht nur daran, dass seine Frau in einer Apotheke arbeitet. Peters, der oft im Kleingarten umherpusselt, gern kocht und viel Fahrrad fährt, achte eben auch auf seine Gesundheit.

Der Pastor schätzt an seinem Mitarbeiter besonders die „absolute Zuverlässigkeit, seine freundliche, fröhliche und offene Art im Umgang mit den Besuchern“. Kleine Kostprobe gefällig? Als am Mittwoch bei Schietwetter ein Mann mit seinem Hund Zuflucht in dem Gotteshaus suchte, fragte der Gast mit Blick auf seinen Vierbeiner: „Darf der hier rein?“ Peters scherzte schlagfertig: „Wenn er das Vaterunser aufsagen kann...“

In einem Vierteljahrhundert sammelte der Kirchenmann Geschichten, die ein Buch füllen können. Dramatische waren dabei. Wie der furchtbare Brand 2005, den die alte Bankheizung ausgelöst hatte. Der Schaden ging in die Millionen, auch wenn die Kirche haarscharf an der ganz großen Katastrophe vorbeigeschrammt war. Den Rauch hatte Peters schon von seiner Wohnung in der Altstadt aus gesehen. Das treibt ihm immer noch einen Schauer über den Rücken. Viel lieber denkt er da an andere bewegende Momente: Wunderbare Hochzeiten. Die Restaurierung der Stellwagen-Orgel. Die Verleihung des Welterbetitels an die Hansestadt. Und viele schöne Augenblicke sollen folgen. Denn ans Aufhören denkt der 53-Jährige noch lange nicht.

Von Marlies Walther

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