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Stralsund Gemeinsam gegen Vorurteile
Vorpommern Stralsund Gemeinsam gegen Vorurteile
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08:00 05.12.2018
Amri Habimana vom Theater Pro Vie war zu Gast für ein Projekt an der Pflugradt-Schule in Niepars. Quelle: Miriam Weber
Niepars

Riesengroß werden die Augen der Sechstklässler, als Amri Habimana sie begrüßt. Kein Wort verstehen sie, als der Mann aus Ruanda loslegt. Dabei versucht er es gleich in mehreren Sprachen: Suaheli, Lingali, Kiniaruanda, Französisch und – Englisch. Da atmen die Mädchen und Jungen der Prof.-Gustav-Pflugradt-Schule ein bisschen auf. Richtig entspannt werden sie, als Amri Habimana schließlich Deutsch mit ihnen spricht.

Der Schwarzafrikaner ist eine imposante Erscheinung im vorpommerschen Grau mit seinen bunten Klamotten. Vor 25 Jahren floh er aus Ruanda, hat mittlerweile in Vorpommern eine zweite Heimat gefunden. Gemeinsam mit Leo Kraus vom Pro Vie-Theater hat er zwei Tage einen Workshop gegeben unter dem Motto „Toleranz statt Ressentiments. Freiwillig und im Flieger sind wir nicht gekommen.“ Dieses Zwei-Tage-Programm gehört zum dreijährigen Projekt „WarmUp!“ von der Mecklenburger Anstiftung, das bereits seit einem Jahr an der Nieparser Schule läuft und mit verschiedenen Veranstaltungen verbunden ist. Ziel: „Demokratiekultur in ihrer ganzen Bandbreite“, erklärt Projektmanager Mattes Heyde. Die Schulen können in diesem Zeitraum Veranstaltungen von „WarmUp!“ in Anspruch nehmen und zwar aus ganz unterschiedlichen Bereichen.

Theater für Toleranz

Die Lehrer der sechsten Klasse hatten sich nun für dieses interaktive Angebot mit dem Pro Vie-Theater entschieden, das durch Musik, Theater, Film, Diskussionen und gemeinsames Backen für fremde Traditionen, Kulturen und Sprachen sensibilisieren soll. „Wir sind nicht naiv“, sagt Theaterpädagoge Leo Kraus. „Wir wissen, dass wir bei den Kindern nur Anstöße geben können.“ Aber durch die Begegnung mit Amri Habimana könne man bei den Kindern mehr Verständnis und Toleranz gegenüber Menschen fremder Kulturen fördern und vor allem zum Austausch anregen.

Das klappte bei den Nieparser Schülern ohne eine große Aufwärmphase. Nachdem sich alle gemeinsam ein Theaterstück, eine Tierfabel, angeschaut hatten, ging es mit Amri Habimana direkt auf Tuchfühlung beim gemeinsamen Trommeln. „Man lernt richtig tolle Musik aus anderen Ländern kennen und das Theaterstück ist gut zu verstehen und damit auch das Thema Flucht“, sagt die elfjährige Fiorina Stahl. Mit Musik kann man ohnehin Grenzen überwinden, das merken auch Amri Habimana und Leo Kraus jedes Mal aufs Neue. „Beim Trommeln sind fast immer alle schnell begeistert“, sagt Leo Kraus.

Die Flucht greifbar machen

Doch damit war es nicht genug, denn das Wichtigste an diesen Projekttagen sind die Gespräche mit Amri Habimana. „Das ist die entscheidende Begegnung“, sagt Leo Kraus. „Kinder haben eigentlich zum Glück wenig Berührungsängste und dafür umso mehr Fragen, wenn Amri von seinem Leben in Ruanda, seiner Flucht und dem Ankommen und Leben hier in Deutschland erzählt.“ Eva Reichenbach stellte am Ende jedenfalls fest: „Das war ein sehr aufregender Projekttag. Sonst höre ich vom Thema Flucht nur aus den Nachrichten. Jetzt, als wir mit Amri aus Ruanda gesprochen haben, kann ich mich da einfühlen. Das war sehr bewegend, was er uns erzählte“, sagt die Zwölfjährige.

Wenn Schulsozialarbeiterin Claudia Anders auf das vergangene Jahr zurückblickt, stellt sie fest, dass „wir im Bereich Toleranz auf einem guten Weg sind.“ Die vielen kleinen Projekte würden dazu beitragen, dass die Schüler ihre Umwelt überlegter betrachten. „Der Großteil unserer Schüler hat eine solide demokratische Grundausrichtung. Mit dem Projekt ,WarmUp!’ sensibilisieren wir sie weiter.“

Auch für die kommenden Monate sind weitere Aktionen geplant, etwa ein Projekt gegen Cybermobbing. „Und im Sommer starten wir ein Filmprojekt, bei dem Diskriminierung im Mittelpunkt“, schaut Claudia Anders voraus.

Demokratie auf ganzer Linie

„WarmUp!“ ist ein Projekt der Mecklenburger Anstiftung, bei dem es „um Demokratiekultur in ihrer ganzen Bandbreite geht“, wie Projektmanager Mattes Heyde erklärt.

An der Regionalen Schule „Prof. Gustav Pflugradt“ in Niepars ist das dreijährige Projekt im September 2017 gestartet.

Schulen können in diesem Zeitraum aus einem vielfältigen Pool von Veranstaltungen wählen, die „WarmUp!“ anbietet. Musik-Workshops, Medienscout-Ausbildung, Anti-Mobbing-Webinare oder Aussteiger-Seminare sind nur ein Bruchteil der Bandbreite. Der gemeinsame Nenner bei allen Angeboten ist: Bildung und Demokratieverständnis.

Das Projekt richtet sich vor allem an Regional- und Gesamtschulen in ländlichen Gegenden, weil diese Schulen bei angebotenen Projekten im Vergleich zu Städten oft hinten wegfallen.

In den vergangenen Monaten haben die Nieparser Schüler unter anderem an einem Grundlagenworkshop und haben die Möglichkeit erhalten, nach einem Vortrag ihre Fragen an Felix Benneckenstein zu richten, einem bekannten Aussteiger aus der Neo-Nazi-Szene, der an der Schule zu Gast war und den Mädchen und Jungen aus seinem bewegenden Leben erzählte.

Miriam Weber

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