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Stralsund Den Lohn gespart
Vorpommern Stralsund Den Lohn gespart
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00:00 11.08.2018
Handballer Markus Dau – hier noch selbst am Ball – ist inzwischen nicht mehr Spielertrainer, sondern Manager des SHV. Quelle: Foto: Timo Ewert
Stralsund

Sich etwas zum Taschengeld dazu verdienen war für Heiko Lutzke in der Kindheit normal „Ich bin in Sanitz aufgewachsen, und dort sind wir Kinder immer zur Genossenschaft Äpfel pflücken gegangen. Für den vollen Plasteeimer gab’s 30 Pfennig“, erinnert sich der heutige Kriminalhauptmeister im KK Stralsund. Den ersten richtigen Ferienjob gab’s dann 1984 mit 14 Jahren. In den Sommerferien wurde drei Wochen in einem Lager für Waren des täglichen Bedarfs in Rostock gearbeitet. „Ich habe nach Listen die Paletten für den Lkw-Transport zu den Kaufhallen bestückt – mit allem, was da so gebraucht wurde, Zucker, Mehl, Waschpulver...“

Kriminalist stapelte Lebensmittel auf Paletten

Den Job hatte er sich nicht selbst ausgesucht. Heiko Lutzke war einfach mit einem Freund mitgegangen und hatte sich beworben. „Meinen Eltern war es wichtig, dass ich etwas tat, was aufs Leben vorbereitet und zu Selbstständigkeit erzieht.“ Und im Rückblick ist der Kriminalist sich sicher, dass das funktioniert hat.

„Ich war in ein Kollektiv eingebunden, wie das damals hieß. Selbst als 14-Jähriger war ich schnell in die Brigade integriert. Da wurde ordentlich mit angepackt, und in den Pausen bekam ich mit, was für Probleme die Erwachsenen so bewegten.“ Vor allem aber musste schnell Verantwortung übernommen werden. Die Lieferlisten galt es nicht nur richtig zu verstehen. Sie mussten auch genau abgearbeitet werden, damit am Bestimmungsort auch das ankam, was geordert worden war – wenn es denn vorhanden war.

Wie viel er damals als ersten Lohn bekommen hat, weiß Heiko Lutzke heute nicht mehr. Nur eins ist sicher: „Das Geld wurde nicht gleich ausgegeben, sondern gespart.“

jm

Ordnung und Struktur gelernt

Die Arbeit mit Menschen, Struktur und Ordnung, das sind Werte, die Prof. Petra Maier einfallen, wenn sie an ihren ersten Ferienjob zurückdenkt. Das war im Sommer 1988 gewesen. Die heutige amtierende Rektorin der Hochschule Stralsund arbeitete mit 16 Jahren als Helferin in einer Physiotherapie im Norden Berlins.

„Dieser Ferienjob hat mir viel Spaß gemacht. Es ging darum, Arbeit selbst zu sehen und Unterstützung zu geben, wo sie nötig war“, sagt Petra Maier. Seither arbeitet sie mit einer To-Do-Liste, die ihr dabei hilft, sich zu motivieren und auch, gelassen zu bleiben, wenn es mal stressig wird.

Eigenschaften, die ihr auf dem weiteren Weg ins Leben geholfen haben. Dieser führte über einen Ferienjob in einem Konstruktionsbüro in die technische Richtung. Petra Maier hat Maschinenbauerin mit Abitur gelernt und an der neugegründeten Hochschule Wildau später Physikalische Technik studiert.

Auch während des Studiums hatte sie stets einen Job nebenbei – besserte ihren Etat mit Geldverdienen in einem großen schwedischen Möbelhaus auf. Hier jedoch nicht in der Möbelabteilung, sondern in der Gastronomie. Auch das blieb nicht ohne Folgen. „Diese Arbeit führte dazu, dass ich noch heute nach einem Ikea-Tag das Möbelhaus nicht verlasse, ohne einen dieser bekannten Hot-Dogs zu essen.“

Petra Maier lehrt heute an der Hochschule Stralsund Werkstofftechnik. Die Professorin wurde am 12. Juni zur Rektorin der Hochschule gewählt.

Handballer schleppte Steine fürs Gewichtheber-Zentrum

„Oh, das ist lange her“, sagt Markus Dau und lacht. „Ich habe früher oft Zeitungen ausgetragen. Aber meinen ersten Ferienjob habe ich über den Vater eines Mannschaftskameraden bekommen. Damals haben wir B-Jugend gespielt, und ich wollte unbedingt ein bisschen Geld verdienen“, sagt der Mann, den man trotz seiner erst 36 Jahre ruhig schon mal als Handball-Urgestein bezeichnen darf.

„Ich war 14 oder 15, da habe ich bei der Firma Hoppenrath auf der Baustelle angeheuert. Was ich damals an D-Mark verdient habe, weiß ich jetzt nicht mehr. Aber ich erinnere mich, dass wir Handlangerarbeiten am Jahni gemacht haben“, sagt der Stralsunder und schiebt hinterher: Stimmt – ja, wir haben am Gewichtheber-Zentrum mitgebaut...“ Das Gebäude steht natürlich noch, auch wenn sich Stralsund vom Leistungssport Gewichtheben inzwischen verabschiedet hat.

Markus Dau hat es nicht auf den Bau gezogen. Er wurde Immobilienkaufmann. Und heute sitzt er als Manager der SHV Marketing GmbH doch auch eher, als dass er Steine schleppt. „Das Organisiseren gefällt mir. Wir stecken ja in der Saisonvorbereitung, und da hat am 16. Juli mit Steffen Fischer ja auch ein neuer Trainer bei uns angefangen.“ iso

Bundestagsabgeordnete war mit 14 Jahren in der Textilfabrik

Sonja Steffen ist heute eine Anwältin, die es als Politikerin für die SPD bis in den Bundestag geschafft hat. Doch ihr allererstes Geld verdiente die heute 54-jährige Stralsunderin mit einem komplett anderen Job: Sie arbeitete mit 14 in einer Textilfabrik für zwei D-Mark die Stunde. Der Betrieb stand in ihrem Heimatort Dreiborn in Nordrhein-Westfalen. Das war noch zu einer Zeit, als Kleidung nicht in Asien, sondern auch in Deutschland hergestellt wurde. Mittlerweile gibt es die Fabrik in Dreiborn nicht mehr. Auch die Rollenverteilung von damals hat sich vielerorts erledigt: Frauen am Fließband, Männer in den Vorarbeiterjobs.

Sonja Steffen hatte hauptsächlich zwei Aufgaben. Zum einen musste sie Gürtel in Röcke einfädeln. Zum anderen war es ihre Aufgabe, an einer Art Heißdampfofen Falten in Stoff zu pressen. Nicht einfach, denn der war so heiß, dass sie dabei dicke Handschuhe tragen musste. „Wenn ich daran zurückdenke, kommt mir wieder der Geruch aus der Fabrik in die Nase“, sagt Sonja Steffen heute.

Obwohl die Arbeit ziemlich hart und anstrengend gewesen sei, habe sie ihr großen Spaß gemacht. „Es gab ein großes Gemeinschaftsgefühl. Wir haben da richtig malocht. Gleichzeitig habe ich gelernt: Von nix kommt nix“, sagt sie. Letztendlich hat Sonja Steffen nicht nur in den Ferien Gürtel an Röcken befestigt, sondern auch nach der Schule – immer, wenn Zeit dafür war. Bis zum Abitur ist sie in der Textilfabrik geblieben. amü

jm

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