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Stralsund Den „Rundblick“ gibt’s jetzt zweisprachig
Vorpommern Stralsund Den „Rundblick“ gibt’s jetzt zweisprachig
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00:05 19.10.2017
Joanna Dreiey, Conny Gürgen, Jorinde Gustavs und Amal Alahmad (v. l.) bei der Bildauswahl für den „Grünhufer Rundblick“. Quelle: Foto: Thomas Nitz

Die jüngste Ausgabe des „Grünhufer Rundblicks“, die in 2500 Exemplaren im Stadtteil verteilt worden ist, hat sicher für Verblüffung gesorgt. Sie erschien erstmals zweisprachig – auf Deutsch mit arabischer Übersetzung.

In der Zeitung für für Grünhufe sind die Artikel erstmals auch auf Arabisch erschienen.

Das Blatt entsteht im Nachbarschaftszentrum (NBZ) Grünhufe. Hier gibt es das Projekt „Gemeinsame Heimat Stralsund“, das Begegnungsmöglichkeiten schaffen will, zwischen Einheimischen und Zugereisten aus Syrien etwa. Bei einem dieser Treffen kam die Anregung dazu, sich über den Rundblick den Lesern als neue Mitbürger vorzustellen. Die Idee kam von Joanna Dreiey, einer Kurdin mit schriftstellerischen Ambitionen. Sie war mit ihrer Familie aus Syrien vor dem Krieg geflüchtet.

„Wir hatten so viele Fragen zum Leben in Deutschland“, sagt die 24-Jährige. Warum nicht diese Fragen über die Zeitung stellen und mit den Antworten vielleicht beim Leser Aha-Effekte auslösen? Eine Idee, die Thomas Nitz als verantwortlicher Redakteur des „Grünhufer Rundblicks“ gerne aufgriff. „Noch dazu, wo sich schnell Mitstreiter fanden, die das Vorhaben unterstützten“, sagt er.

Amal Alahmad zum Beispiel, die ebenfalls Kurdin ist und aus Syrien floh. Gemeinsam mit Joanna Dreiey befragte sie Polizeiobermeisterin Andrea Hinkelmann zur Arbeit der Polizei in Stralsund.

Überschrift: „Keine Angst vor Uniformen!“ Joanna Dreiey hat das Interview auf arabisch aufgeschrieben, Amal Alahmad hat es übersetzt. Auch wenn es sich streckenweise wie aus einem Handbuch zur politischen Bildung liest, das Thema muss den Frauen auf der Seele gelegen haben: „Mit der Polizei in Syrien hat man besser wenig zu tun“, sagt Amal Alahmad. Seit sie Andrea Hinkelmann kennengelernt hat, weiß sie, dass die Polizeiarbeit hier von einem ganz anderen Verständnis ausgeht als in ihrer Heimat. „Andrea ist mir durch unsere Arbeit an diesem Projekt zu einer Freundin geworden“, sagt die Kurdin.

Die Präventionsberaterin der Polizeiinspektion bestätigt das gerne. „Wir besuchen uns gegenseitig, haben schon zusammen gekocht“, berichtet die Polizistin, die auch ohne Interview-Termin als Gesprächspartnerin häufig im Nachbarschaftszentrum vorbeischaut.

Für Conny Gürgen, Projektleiterin von „Gemeinsame Heimat Stralsund“, sorgt Andrea Hinkelmann gerade in den Deutsch-Trainings- Treffs immer wieder für doppelte Aufmerksamkeit bei den Zugewanderten:

als Frau und Polizistin. Auch Thomas Nitz sagt: „Wir haben bei der Arbeit an diesem zweisprachigen Rundblick viel übereinander gelernt. Dass so etwas möglich ist, hat für viel Aufmerksamkeit in der arabischen Gemeinde in Stralsund gesorgt.“

Und die deutschen Leser? Kirsten und Tochter Susanne besuchen gerade den Aufwärtstreff des NBZ. „Ich habe mir diese Ausgabe aufgehoben, weil sie zeigt, was im Wohngebiet passiert und wie vielfältig das inzwischen ist“, sagt die 58-Jährige. Auch ihre 38-jährige Tochter hat zu der jüngsten Rundblick-Ausgabe keine negativen Rückmeldungen bekommen.

Für Joanna Dreiey, Amal Alahmad, Conny Gürgen und Thomas Nitz steht fest: Es wird eine nächste gemeinsame Ausgabe geben.

Jörg Mattern

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