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Den Wolken ein Stück näher

Stralsund Den Wolken ein Stück näher

Um dem Alltag für kurze Zeit zu entfliehen, entschloss sich Yusuf Rieger zu einer Wanderung. Sein Ziel: Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze.

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Yusuf Rieger (21) ist nach zwei Tagen Wanderung am Ziel – die Zugspitze.

Quelle: privat

Stralsund. Von wegen Semesterferien! Zwei Hausarbeiten standen auf dem Plan. Goethe und Hölderlin hieß es, statt Nord- oder Ostsee. Und der Stoff hatte es in sich. Einen ganzen Monat hatte ich bereits den Sommer über in der Bibliothek gesessen und es war immer noch kein Ende in Sicht. Ich resignierte.

Die Gedanken hingen zunächst noch in den Alltagswolken.“Yusuf Rieger (21), bestieg in den Semesterferien die Zugspitze

Plötzlich hatte mich das Fernweh wieder gepackt, Berlin war mir zu bunt und laut geworden. Ein Plan musste her. Einen richtigen Berg wollte ich dieses Mal besteigen. Die frische Luft und die weite Aussicht genießen. Oben auf einer einsamen Hütte zu schlafen, ins Tal zu blicken und den ganzen Tag ohne eine Hausarbeit im Hinterkopf zu marschieren, das klang nach der gesuchten Abwechslung.

Die Zugspitze, mit 2962 Metern Deutschlands höchster Berg, war das Ziel. 24 Stunden später und ich stieg aus dem Nachtbus. Nach zehn Stunden Fahrt hieß die Endstation Garmisch-Partenkirchen. Von hier aus gab es laut Beschreibung einen Weg direkt zum Gipfel. Geplant waren zwei Tage und eine Hüttenübernachtung.

Gespannt stieg ich aus dem Bus, Nebel und Wolken verdeckten die klare Sicht. Nach kurzer Zeit stand ich bereits am Fuß des 2962 Meter hohen Berges. Und wie erwartet, war ich dort nicht der Einzige, doch die meisten wollten nicht wandern, sondern gemütlich mit der Seilbahn nach oben fahren. Die letzten Wochen in der Bibliothek waren gemütlich genug, dachte ich mir und lief los, ohne mir über das Wetter Gedanken zu machen. Ich erinnerte mich nur kurz an die Worte meiner wandererprobten Großeltern: „Das Wetter und eine durchdachte Planung sind die wichtigsten Punkte bei einer Bergwanderung.“

Nach einigen Stunden war ich allein. Ich stand inmitten zweier großer Felsen, neben mir lief ein kleiner Bergbach entlang, alles wirkte noch ein wenig unwirklich. Vor wenigen Stunden stand ich noch am Busbahnhof in Berlin und nun irgendwo zwischen zwei riesigen Felsen, einsam in den Bergen. „Verrückte Zeiten“, dachte ich mir und lief begeistert weiter. Die Felsen wurden nun größer, der Weg anspruchsvoller, die Luft besser, doch abschalten konnte ich noch nicht. Gedanken über Hölderlin und Goethe beschäftigten meinen Geist. Er schien im Gegensatz zu meinem Körper noch nicht hier oben angekommen zu sein. Die Gedanken hingen noch irgendwo in den Alltagswolken. Doch Schritt für Schritt entfernte ich mich von ihnen, denn der Weg wurde zunehmend anstrengender. Nach sechs Stunden kam ich erschöpft an meinem Zwischenziel an. Eine einsame Berghütte. Genauso hatte ich mir das vorgestellt.

Auf der Hütte gab es einen gemütlichen Schlafplatz auf einer Isomatte, neben zwölf anderen Wanderern. 12 ungeduschten Wanderern. Eine warme Kartoffelsuppe und ein paar nette Gespräche mit Gleichgesinnten waren Belohnung genug für einen anstrengenden Tag. Um 20 Uhr legte ich mich schlafen. Eine ungewohnte Zeit für einen Berliner schlafen zu gehen, doch 5 Uhr früh am nächsten Morgen klingelte mein Wecker. Ich wollte den Gipfel unbedingt erreichen, bevor die erste Seilbahn ihren Betrieb aufnahm. Meine Laune war bestens, denn das Ziel vor den Augen spornte mich an. Es mussten keine Bücher gelesen werden und niemand wollte richtig zitiert werden. Es ging nur darum, die eigenen Kräfte richtig einzuteilen.

Fünf Stunden bis zum Gipfel. Die letzten zwei Stunden ging es steil bergauf. Drahtseil ist dort oben ausgelegt, an dem man sich festhalten muss, um nicht abzustürzen. Am Wegrand stehen einige Gedenktafeln, von verunglückten Bergsteigern. Etwas ungläubig betrachtete ich den Weg. Ob der wirklich zum Wandern ist? Doch umzukehren, war keine Option mehr.

Die Sonne ging auf und um 10 Uhr war es geschafft. Nach einem anstrengenden Anstieg, elf Stunden Wanderzeit und 21 Kilometern Fußweg hatte ich die Zugspitze erreicht. Ich genoss die traumhafte Aussicht, war erschöpft, aber überglücklich.

Eine Stunde konnte ich den Moment genießen, dann erreichte die erste Seilbahn die Zugspitze. Hunderte neugierige „Gipfelstürmer“ stiegen aus und fingen an, in alle Himmelsrichtungen zu fotografieren.

Für den Weg ins Tal entscheide ich mich für die Seilbahn. 28,90 Euro, so teuer war in etwa auch mein Bus von Berlin nach Garmisch, stellte ich verwundert fest. Doch auf einen Abstieg habe ich keine Lust. Zwei wunderschöne Tage gingen zu Ende. Den Rest der Woche lief ich gemütlich bei meinen Großeltern im Schwarzwald weiter. Dort gab es zwar keine großen Berge, aber dafür gutes Essen und ein warmes Bett. Genauso hatte ich mir meinen Urlaub vorgestellt.Yusuf Rieger (21) ist Stralsunder, und studiert jetzt in Berlin.

Die Zugspitze

2962 Meter misst der höchste Berg Deutschlands in den Ostalpen.

Der Vermessungsingenieur und damalige Leutnant des bayerischen Heeres Josef Naus, sein Messgehilfe Maier und der Bergführer Johann Georg Tauschl bestiegen den Berg nachweislich erstmals am 27. August 1820.

1926 wurde die erste Seilbahn zur Zugspitze gebaut, die knapp unter dem Gipfel endete.

500000 Menschen gelangen jährlich durchschnittlich als Wanderer oder mit der Bahn auf die Bergspitze.

1590 wurde die Zugspitze erstmals namentlich erwähnt.

Yusuf Rieger

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