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Den schönsten Ausblick boten die Dächer am Weidendamm

Stralsund Den schönsten Ausblick boten die Dächer am Weidendamm

Stadtteilkoordination bereitet neue Broschüre zur Chronik Frankenvorstadt vor, auch mit Erinnerungen von Ludger Bolwin.

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Straßenszene vor etwa 80 Jahren in der Frankenvorstadt.

Quelle: privat

Stralsund. Unter dem Titel „Erinnerungen — Geschichten aus Franken“ erarbeitet die Stadtteilkoordination Frankenvorstadt eine Chronik für diesen Stralsunder Stadtteil. Alle zwei Monate trafen sich dazu Anwohner aus dem Stadtteil, ehemalige Bewohner und Interessenten, die mit eigenen Beiträgen aus ihren Erinnerungen berichteten.

Nachdem die erste und zweite Auflage dieser mehrteiligen Reihe auf eine große Resonanz stießen, gab es bei allen Beteiligten den Wunsch, Erinnerungen an die Tage vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg aus Sicht betroffener Anwohner zu Papier zu bringen. Diese dritte Broschüre soll im September erscheinen. Die OZ veröffentlicht vorab einen Auszug aus den Erinnerungen des ehemaligen Stralsunders Ludger Bolwin:

Meine Eltern zogen 1936 von Frankenkronwerk 3 zum Weidendamm 29 in eines der gerade fertig gestellten Reihenhäuser mit jeweils vier Mietwohnungen, die für Finanz- und Zollbeamte vorgesehen waren. Wir wohnten im Parterre. Die Wohnungen waren zwar klein, aber für uns fünf Geschwister ausreichend, wenngleich wir drei Jüngsten, meine Schwester (Jahrgang 27), mein Bruder (Jg. 32) und ich (Jg. 34) uns ein Kinderzimmer teilen mussten, während die zwei Ältesten (Jg. 24 und 25) eine Mansardenstube im Dachgeschoss bewohnten.

Die Fenster zum Hof und zur Straße lagen tief, so dass mein Bruder und ich schon recht früh lieber durchs Fenster kletterten, wenn uns der Weg nach draußen zum Spielen über den Hausflur zu weit war.

Auch die Dachluken, gedacht für den Schornsteinfeger oder Dachdecker, nutzten wir zu abenteuerlichen Ausflügen aufs Dach, um den herrlichen Weitblick über die Frankenvorstadt bis zur Stadt zu genießen.

Hatten wir genug gesehen und machte im Sommer das Wetter mit, legten wir uns auch auf die Laufbretter, sonnten uns und träumten unsere Kinderträume.

Was wir aber sahen, war beeindruckend: Im Südwesten rauchten die riesigen Schlote der Zuckerfabrik, quietschten und rumpelten die Loren mit Zuckerrüben über die lange Seilbahn vom heutigen Werftgelände über die Greifswalder Chaussee bis zur Fabrik. Im Winter kündigten die süßlichen Qualmwolken von Südwesten zu uns herüber Wetterwechsel an.

Nach Norden konnten wir über den Zentralpark, den Jahnplatz und die Teiche hinweg das majestätische Bauwerk der Marienkirche und dahinter St. Nikolai und St. Jakobi bewundern, deren Wetterhähne Wind und Wetter trotzten. Im Osten grüßten die damalige Mittelschule und im Hintergrund die Hafenspeicher herüber. Ein wahrhaft umfassender Weitblick!“

Durch die nahe gelegenen Geschäfte konnten wir uns mit allem versorgen. Statt Aldi oder Lidl erreichten wir bequem zu Fuß an der Ecke Gentzkowstraße Bäcker Wilken mit seinen Salzsemmeln und Schrippen sowie Frau Liebenow, in deren Laden es immer so schön nach Salzgurken, Salzhering, aber auch nach Lakritze duftete. An der Ecke zum Zentralpark mit seinen alten wundervollen Kastanienbäumen hatte Herr Hobe seinen bescheidenen Gemüseladen.

Der gerade fertig gestellte, moderne Turnhallentrakt des Jahnplatzes hatte einen Ausschank für gesellige Veranstaltungen, und wenn sich bei uns Besuch eingefunden hatte, wurden wir Kinder mit Zwei-Liter-Flaschen mit großem Schnappverschluss geschickt, um Fliegerbier zu holen.

Hinein in die Fährhofstraße mit dem Briefkasten an der Ecke, an dem wir uns so oft den Kopf stießen, holten wir unseren Sonntagsbraten bei Schlachter Drews. Dahinter der Weg führte zur Gärtnerei Koltonowski.

Für uns Kinder interessant war das Anwesen Räbiger. Es roch nach Landwirtschaft. Hinterm Bretterzaun muhten Kühe, quiekten und grunzten Schweine, gackerten die Hühner. Zur Straße hin lagen Räbigers kleine Molkerei und sein Krämerladen. Die Milch ließen wir in unsere Milchkannen füllen.

 

OZ

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