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„Der Doktor hat meine Schmerzen weggedrückt“

Stralsund „Der Doktor hat meine Schmerzen weggedrückt“

Ramona S. wurde in der Tagesklinik Schmerz des Helios Hanseklinikums mit ganzheitlicher Therapie geholfen

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Dr. Martin Reinhold drückt nach der Akupressurmethode bestimmte Stellen auf dem rechten Fuß von Ramona S. Die Patientin unterstützt die Schmerzbehandlung mit einer erlernten Atemtechnik. Die Frührentnerin ist heute weitgehend schmerzfrei zu Fuß unterwegs.

Quelle: Foto: Jörg Mattern

Stralsund. Als sie kaum noch gehen konnte, entschied sich Ramona S. vor fünf Jahren zu einer Bypass-Operation. Diese sollte helfen, die Durchblutungsstörungen in ihren Beinen zu beheben. „Ich war damals nicht mehr in der Lage, 100 Meter am Stück zu Fuß zurückzulegen. Musste immerzu Pausen machen“, erzählt die Stralsunderin. Doch nach der Operation plagten sie heftige Schmerzen.

Das war nicht nur eine Folge der OP. Heftige Kopfschmerzen, die nicht nachlassen wollten, gesellten sich dazu und Stiche wie von glühenden Nadeln am ganzen Körper. Letztere ließen sich auf einen Diabetes zurückführen, der Nerven und Nieren angegriffen hatte. Viele Besuche bei verschiedenen Fachärzten wurden nötig. „Doch die Schmerzen ließen sich oft nur mit einer täglichen Handvoll Tabletten in Schach halten“, erinnert sich die einstige Verkäuferin. An Arbeit war nicht mehr zu denken. Krankheit und Schmerz führten in die frühe Rente.

Heute geht es ihr viel besser. Vor einem Jahr fand Ramona S. den Weg in die Tagesklinik Schmerz des Helios Hanseklinikums zu Dr. Martin Reinhold, Anästhesist und Schmerztherapeut. „Wir sind gewissermaßen ganz neu hier, seit Januar 2016“, sagt der Oberarzt und Leiter der Einrichtung. Neu ist nicht nur das aufwändig sanierte Haus 20 im Klinikum West, sondern die Art der Schmerzbehandlung, die Patienten hier erfahren.

„Wir gehen bei der Therapie von einem ganzheitlichen Ansatz aus“, erläutert der Mediziner. Neben der klassischen Schmerzbehandlung mit Medikamenten wird in der Tagesklink u. a. auch auf Physio-, Ergo- und Aromatherapie gesetzt. Das siebenköpfige Team ist entsprechend zusammengestellt. Eine Spezialistin für psychologische Psychotherapie kümmert sich um seelisch bedingte Schmerzindikationen.

Es gibt eine spezielle Schmerz-Schwester und eine Schwester, die Akupunkturnadeln setzt. Der Chef selbst setzt zur Behandlung Akupressur ein – heilt gewissermaßen mit der Kraft des Daumens durch Druck auf Punkte an Meridianen entlang des Körpers.

Das hat Ramona S. anfangs irritiert. „Ich hatte verschiedenste Behandlungen gegen den Schmerz erfahren – und der sollte nun weggehen, wenn der Doktor irgendwo draufdrückt?“ Große Skepsis vor der ersten Behandlung. „Zwar tat der Druck weh. Doch schon nach einer Anwendung merkte ich, dass es half.“ Dazu gesellte sich ein ganzes Maßnahmepaket – von spezieller Atemtechnik über Entspannungsübungen bis hin zur Unterstützung durch Medikamente.

„Konnte ich früher kaum einen Meter aus dem Haus gehen, wurden die Spaziergänge im Park mit der Schwester immer länger“, erzählt heute eine begeisterte Ramona S. „Sogar die schlimmen Kopfschmerzen hat der Doktor weggedrückt.“ Dazu kommt: „Die Handvoll Tabletten hat sich deutlich reduziert.“ Und zum Beweis des Behandlungserfolgs läuft sie den Klinikflur sicher auf und ab.

Aus Sicht von Martin Reinhold ein Erfolg des ganzheitlichen Therapieansatzes. „Bevor wir einen Patienten behandeln, muss er uns eine umfangreichen Fragenkatalog beantworten. Danach wird entschieden, wie wir vorgehen“, sagt der Doktor. Dazu kommt das Konzept der Tagesklinik mit ihren acht Plätzen. Die Patienten bekommen zwischen 7.30 und 16 Uhr ihre Behandlungen und fahren dann nach Hause.

Hier sind sie nicht nur in ihrem vertrauten Umfeld aufgehoben, sondern auch anderen Belastungen ausgesetzt als bei einer stationären Behandlung. „Wir bekommen dadurch Rückmeldungen, wie unsere Therapie anschlägt und ob wir nachjustieren müssen“, erläutert der Schmerztherapeut. Für ihn ist zudem der Standort der Tagesklinik von Bedeutung. „Wir nutzen innerhalb des Klinikums die Möglichkeit, mit Fachärzten verschiedenster Disziplinen – von Psychiatrie bis Onkologie – zu interagieren.“ Dazu kommt für ihn eine gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Schmerztherapeuten aus der Hansestadt, deren Umland und von der Insel Rügen.

Ramona S. sagt heute: „Ich bin wieder glücklich, mein Mann freut sich mit mir. Und das Schönste ist: Ich kann meine Kinder und Enkel wieder selbstständig besuchen.“

Umfassende Hilfe

Der Schmerz wird von der Weltschmerzorganisation International Association for the Study of Pain (IASP) definiert als ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit einer aktuellen oder potenziellen Gewebeschädigung verknüpft ist.

Der ganzheitliche Ansatz bei der Therapie des Schmerzes umfasst Konzepte und Methoden im Bereich der Medizin, die die Natur und den kranken Menschen in einem umfassenden Zusammenhang betrachten und behandeln.

Das Hanseklinikum in Stralsund hat für die Schmerzbehandlung insgesamt acht Plätze in der Tagesklinik im Krankenhaus West sowie sechs für die stationäre Aufnahme im Krankenhaus am Sund. Patienten kommen aus einem Einzugsgebiet von etwa 30 Kilometern um die Hansestadt sowie von Rügen.

Behandelt werden Rücken- und Gelenkschmerzen, Migräne-, Kopf- und Gesichtsschmerzen, Fibromyalgie sowie Tumorschmerzen nach Einweisung durch den behandelnden Arzt.

Bei einem Aktionstag gegen den Schmerz am 6. Juni 2017 können sich Betroffene am Telefon gezielt über Behandlungsmöglichkeiten informieren und beraten lassen. Dr. Martin Reinhold ist dann zwischen 9 und 15 Uhr unter der kostenfreien Telefonnummer 0800/18 18 120 zu erreichen.

Mehr zum Thema lässt sich im Sachbuch „Schmerz und Ethik“ von Roland Wörz nachlesen.

ISBN 978-396103-029-3.

Jörg Mattern

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