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Der Klo-König von Stralsund

Stralsund Der Klo-König von Stralsund

Gundhard Schulz regiert über ein großes Toiletten-Reich / Dort kämpft er für Sauberkeit und gegen Schiefpinkler

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Gundhard Schulz im Toilettenhaus am Neuen Markt. Er putzt mit Mitteln, die nicht nur überdecken, sondern „vernichten“.

Quelle: Fotos: Alexander Müller

Stralsund. Beim Kampf um Sauberkeit und Ordnung schreckt Stralsunds Klo-König vor nichts zurück — nicht einmal vor einem US-Präsidenten. An einen der größten Triumphe erinnert sich Gundhard Schulz, als wäre es gestern gewesen. Beim Bush-Besuch 2006 hatten die Sicherheitsleute des damals mächtigsten Mannes der Welt ihm ein Toilettenhäuschen völlig verdreckt hinterlassen. Für die anschließende Schrubberei schickte der heute 67-Jährige eine Rechnung direkt ans Kanzleramt. Das ließ sich nicht lumpen und zahlte. Den Ausdruck der Überweisung hegt und pflegt Gundhard Schulz wie eine kostbare Trophäe. Darauf steht: „Reinigung Bush-Besuch, 55 Euro.“ Ein kleiner Sieg in einem langen Kampf, den Gundhard Schulz seit 20 Jahren führt.

OZ-Bild

Gundhard Schulz regiert über ein großes Toiletten-Reich / Dort kämpft er für Sauberkeit und gegen Schiefpinkler

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Alles fing 1996 mit einem Brief an den damaligen OB Harald Lastovka an, in dem Schulz den Zustand der Toiletten in Stralsund beklagte. „Ost-Qualität zu West-Preisen“ schrieb er. Das Stadtoberhaupt lud ihn ins Rathaus ein. Heute besteht das Reich des Stralsunder Klo-Königs aus fünf öffentlichen Toiletten, die er von der Stadtverwaltung gepachtet hat. In der Külpstraße, an der Stadtmauer, am Busbahnhof, am Trelleborger Platz und das berühmte Häuschen auf dem Neuen Markt. Es gibt Tage, da machen er und seine Mitarbeiter morgens ein Klo sauber, nur um es mittags wieder verwüstet vorzufinden. In seiner Waffenkammer hat Schulz ein Reinigungsspray, das „nicht überdeckt, sondern vernichtet.“ Doch manchmal helfe selbst das nicht mehr. „Manche Leute haben aber auch ne Marke“, sagt Schulz. Warum tut er sich das an?

Stralsunds oberster WC-Spezialist ist ein Mann, der nach Herrenparfüm riecht und auch beim Kloschrubben Hemd trägt. Eine öffentliche Toilette, sagt Schulz, ist so etwas wie eine Visitenkarte für die ganze Hansestadt — und der fühle er sich verbunden und verpflichtet. „Ich hatte mal eine Kneipe. Da haben sich die Gäste erst das Bad angeschaut und dann ihre Leute nachgeholt und ihnen gesagt: Hier können wir essen.“ Wenn Schulz also mal wieder den Boden wischt, weil ein Besucher nicht richtig zielen konnte, poliert er wortwörtlich das Image der Hansestadt auf.

Doch einige Gäste machen ihm seine Arbeit schwer. 35 000 Menschen pro Jahr verrichten an einem der fünf WC-Standorte ihr Geschäft. Schulz schätzt die wahre Anzahl jedoch doppelt so hoch, da sich viele Gäste ohne zu bezahlen durchschummeln. „Millionär wird man damit nicht, auch wenn das viele glauben.“ Dazu der Vandalismus: Graffiti, abgetretene Becken, Diebstahl. Gundhard Schulz hat im Eingangsbereich des Häuschens am Neuen Markt eine Liste mit Dingen aufgehängt, die in den vergangenen Jahren gestohlen wurden. Darunter auch benutzte Klobürsten mit Topf. „Wer nimmt sich so etwas mit nach Hause?“Der Klo-König wünscht sich, dass sich manche ein Beispiel an den Japanern nehmen, die im Bad besonders reinlich seien.

Überhaupt konnte Schulz bei seiner Arbeit den Wahrheitsgehalt vieler Toiletten-Klischees überprüfen. Vorurteil Nummer 1: Frauen gehen stets zu zweit aufs Örtchen. Stimmt, sagt Schulz. Hersteller hätten darauf bereits reagiert und Zweier-Toiletten ins Angebot aufgenommen. Vorurteil Nummer 2: Männer waschen sich seltener die Hände als Frauen. Schulz sagt: Stimmt nicht. Beide Geschlechter würden sich in dem Bereich nichts nehmen. „Ich sag dann immer: Händewaschen ist im Preis mit drin.“

Geschichte einer Toilette

1955 wurde das Toiletten-Haus auf dem Neuen Markt in Stralsund im Frühjahr eröffnet. Das Gebäude verfügte damals über eine üppige Ausstattung:

einen Zeitungskiosk, eine Telefonzelle und einen Unterstand für Leute, die auf die Straßenbahn warteten. Bis heute hat sich das Interieur allerdings stark verändert. Wo früher die Leute telefonierten, befindet sich jetzt die Toilette für Rollstuhlfahrer. Im früheren Kiosk wickeln heute Mütter ihre Babys. In all den Jahrzehnten war das Haus aber durchgängig eine öffentliche Toilette.

Nur 1987 stand es für ein Jahr leer.

Von Alexander Müller

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