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Stralsund Der Maler der Schafherden
Vorpommern Stralsund Der Maler der Schafherden
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00:05 05.02.2018
Antiker Hirt in der Ebene des Olympos, undatiert. Dieses Motiv hat Adolf Gustav Döring mehrfach dargestellt.
Barth

Das Vineta-Museum in Barth zeigt die erste Werkausstellung von Adolf Gustav Döring (1864 bis 1938). Eine Chance, ihn aus „zwei wirkmächtigen Schatten“

„Schäfer auf dem Heimweg“, nicht datiert, Dauerleihgabe an das Vinetamuseum. FOTOS (2): VINETA–MUSEUM

heraustreten zu lassen und ihn „in einem eigenen Licht darzustellen“, so der Leiter des Vineta-Museums, Gerd Albrecht. Einer der beiden Schatten ist sein Schwiegervater, der „Mondscheinmaler“ Louis Douzette (1834 bis 1924), Ehrenbürger von Barth und Straßennamenpate in Barth und seiner Geburtsstadt Tribsees. Der zweite Schatten ist die Künstlerkolonie Ahrenshoop, 1892 gilt als deren Geburtsjahr.

„Während Douzette und die Malerkolonisten auf Stimmungen und Lichteffekte setzen, überzeugt Döring mit technischer Brillanz“, schätzt Albrecht ein. Diese Brillanz hat er bei seiner klassischen Ausbildung an der Berliner Akademie erworben. Dort studierte der gebürtige Berliner ab 1882. Bei Paul Friedrich Meyerheim war Döring in der Tiermalklasse. „Am beliebtesten von Dörings Bildthemen waren wohl die Schafherden, die immer wieder, zunächst auch gemeinsam mit Louis Douzette, neu gestaltet wurden“, schreiben Gottfried Böhme und Michael Lissok in dem Buch „Ein Maler aus der Ostseestadt Barth. Adolf Gustav Döring“.

Die Inspiration für die Schafe bekam er in Amerika. Döring hat 1892/93 in den USA gearbeitet. Dort lernte er in New York die Bilder des Holländers Anton Mauve (1838 bis 1888) kennen, der häufig Schafherden malte. Neben der Darstellung von Tieren habe Döring früh seine Fähigkeiten als Portraitmaler weiterentwickelt, so Böhme und Lissok. Die Küstenlandschaft des Darß und des Zingst inspirierte ihn. „Douzette und Döring sind die Entdecker der Darßlandschaft noch vor der Ahrenshooper Künsterkolonie“, betont Albrecht.

Seine Verbindung zu Louis Douzette begann früh. Döring setzte Douzettes Gemälde „Buchwald bei Prerow“1890 in eine Radierung um, die dieses Bild weithin bekannt machte. Ein Jahr später erhielt er eine „Ehrenvolle Anerkennung“ auf einer internationalen Ausstellung in Berlin für eine Radierung mit der Wiedergabe von Douzettes „Mondnacht bei Prerow“. Douzette und Döring arbeiteten zeitweilig in einer Ateliergemeinschaft.

1896 heiratete er Dorothea Douzette und zog nach Barth. Die Ehe blieb kinderlos. Douzette und sein Schwiegersohn gründeten 1897 in der Douzettenschen Villa in der Barther Chausseestraße eine Mal- und Zeichenschule. „Obwohl er zeitweilig auch Prerow als Wohnort angibt, sind direkte Beziehungen zur benachbarten Künstlerkolonie Ahrenshoop nicht nachgewiesen“, so Gerd Albrecht.

Döring reist noch mehrfach in die USA, ist dort als Portraitist erfolgreich. Er besucht Ägypten, Ceylon (seit 1972 Sri Lanka) Schweden, Norwegen, die Niederlande und Belgien. 1924 starb Louis Douzette. Fünf Jahre später arbeitete Döring das letzte Mal längere Zeit in Berlin und blieb dann bis zu seinem Tod in „ärmlichen Verhältnissen“ in Barth. Er wurde neben seiner Frau auf der Ehrengrabstelle Douzettes beigesetzt.

„In seinen Tierstudien, seinen graphischen und zeichnerischen Werken bewegt er sich am weitesten aus dem Schatten der traditionellen Landschaftsmaler Douzette und der Ahrenshooper Gruppe heraus“, sagt Albrecht. „ Sie alle gemeinsam vertreten den eher konservativen Flügel der Kunstströmungen ihrer Zeit.“ Das sei eine Ursache dafür, dass ihre Arbeiten heute von vielen geschätzt werden. Solche traditionellen Kunstwerke wirkten in bewegten Zeiten – so formuliert es der Museumsleiter – wie „Anker in stürmischer See“.

Info: Die Ausstellung „Gustav Adolf Döring – voll Schaf“ im Barther Vinetamuseum läuft bis zum Sommer. Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11 bis 17 Uhr

Lebensdaten

Adolf Gustav Döring wurde am 6. Februar 1864 in Berlin geboren.

Ab 1882 hat er an der Königlichen Kunstakademie in Berlin studiert.

1889 wird er Mitglied des Vereins Berliner Künstler.

1896 heiratet er Dorothea Douzette und lebt nun in Berlin. Er begründet am 1897 eine Mal- und Zeichenschule mit seinem Schwiegervater.

Im Ersten Weltkrieg ist er 1915 bis 1917 Pressezeichner der Leipziger

„Illustrierten Zeitung“.

1920 bis 1924 arbeitet er bis zum Tod mit Douzette zusammen in

der Villa des Schwiegervaters.

Seine Frau stirbt 1937, Döring ein Jahr später.

Eckhard Oberdörfer

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