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Stralsund Der Rumpelkönig tritt ab
Vorpommern Stralsund Der Rumpelkönig tritt ab
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00:00 06.07.2018
Stralsund

Für den Rumpelkönig sind Steine nicht einfach nur Steine. Er sieht in ihnen die Beschaffenheit der Welt und allen Lebens. „Wenn ich in über 200 Millionen Jahre alten, kristallisierten Granit blicke, dann kann ich die Erdgeschichte spüren“, sagt er. Klingt ein bisschen kauzig? Das würde Edwin Rumpel wohl selbst sofort unterschreiben. Er selbst bezeichnet sich als Stralsunds verrücktesten Steinmetz mit einem „philosophischen Verhältnis zu Steinen“. Wenn er mit Fäustel und Eisen einen Quader bearbeitet, dann gelangt er manchmal wie in einen Rausch. „Meine Arbeit ist wie Tanzen. Man darf nicht darüber nachdenken, es muss einfach passieren.“

Der Steinmetz-König und sein Thronfolger: Edwin Rumpel (66) mit Sohn Benjamin (42) im Geschäft an der Prohner Straße in Stralsund. Quelle: Foto: Alexander Müller

66 Jahre ist Edwin Rumpel alt, die Hälfte dieser Zeit hat er sein Geschäft, den „Rumpelkönig“ in der Prohner Straße, aufgebaut. Jetzt hat er sein Lebenswerk an seinen 42-jährigen Sohn Benjamin abgegeben. „Es fällt mir total schwer loszulassen. Andererseits ist es ein schönes Gefühl, etwas geschaffen zu haben und nun weitergeben zu können“, sagt er.

Edwin Rumpel ist ein Mann mit wilden Locken, der oft in sich hinein lächelt, während er spricht, so als heckte er gerade etwas aus. Den Namen Rumpelkönig habe er sich gemeinsam mit seiner Frau ausgedacht, die vor der Hochzeit Frau König hieß. Der Steinmetz befindet sich direkt gegenüber vom Friedhof. Nach der Wiedervereinigung kam das Ehepaar auf die Idee, das Geschäft um Blumenladen und Café zu erweitern. „Wer auf eine Beerdigung geht, der will doch vorher einen Kaffee oder einen Schnaps trinken, um runterzukommen“, sagt Rumpel. In dem Lokal besteht nahezu das ganze Interieur aus besonderen Steinen. Die Tischplatten sind mit Marmor aus Valencia gemacht, der Tresen wurde mit Steinen aus Verona gefertigt. Sogar die Lampen bestehen aus Onyx aus Afghanistan. Wer den Innenhof in Richtung Werkstatt durchschreitet, wähnt sich durch dan mediterrane Flair in einem Dorf am Mittelmeer.

Dabei war es eher der Zufall, der Edwin Rumpel zum Steinmetz gemacht hat. Er selbst würde es wahrscheinlich Schicksal nennen. In seiner Jugend in der DDR sei er ein wilder Ost-68er mit langen Haaren und weiten Jeans gewesen, erzählt er. Rumpel tanzte auf verbotenen Konzerten, die Lehrer warnten die Mitschüler, sich nicht mit ihm abzugeben. 13 Jahre seines Lebens hat er damals in Jena verbracht, der „Hauptstadt des Widerstands“, wie er sagt. Rumpel hat Mathematik studiert und in einer Fensterputz-Brigade geschuftet. Dort kam er mit vielen Intellektuellen zusammen, Musikern, Schriftstellern, Künstlern, die aus dem System ausgeschert waren. „Die haben sich dann irgendwann einen neuen Beruf gesucht. Ich bin eben Steinmetz geworden“, erinnert sich Edwin Rumpel. Das Studium brach er ab. Als sich die Chance bot, in Stralsund ein Geschäft zu übernehmen, griff er zu.

Im Laufe der Jahrzehnte hat der Rumpelkönig ein kleines Stück des heutigen Stralsunder Stadtbildes mit aufgebaut. Der Fußboden in der Jakobikirche ist von ihm, 1200 Quadratmeter Ölandstein aus Schweden. Im Meeresmuseum haben er und sein Team ein künstliches Riff mit Travertin-Gestein aus Thüringen geschaffen. Den Fußboden im Ratssaal des Rathauses haben sie aus Gotlandstein gemacht, ebenfalls aus Schweden. Aber auch in etlichen Häusern ganz normaler Leute stehen Treppen, Kamine und Bäder vom Rumpelkönig. Natürlich fertigt er auch Grabsteine an. Das macht aber nur noch etwa fünf bis zehn Prozent des Geschäfts aus. „Früher war der Friedhof ein sozialer Ort der Begegnung. Heute werden Grabsteine immer weniger nachgefragt“, sagt er.

Solche Entwicklungen sind der Grund dafür, warum sich Edwin Rumpel immer neu erfinden musste. Viele wichtige Einnahmequellen wurden von Baumärkten übernommen oder von der Industrie. „Die Branche befindet sich in einem Umbruch“, sagt er. Doch zum Glück verfügt Sohn und Thronfolger Benjamin über „goldene Hände“, wie der Vater und Meister sagt. Der Rumpelkönig tritt ab, es lebe der Rumpelkönig!

Alexander Müller

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