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Stralsund „Der Sport hier steht und fällt mit einzelnen Personen“
Vorpommern Stralsund „Der Sport hier steht und fällt mit einzelnen Personen“
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00:00 11.09.2018
Steffen Bartsch-Brüdgam auf dem Sportplatz des Tribseeser SV. Das Stadion wurde 2009 ein Eigenregie komplett saniert. Quelle: Horst Schreiber
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Tribsees

Harry Karg betritt den kleinen Vereinsraum am Waakstermoorweg in Tribsees. Um den großen Tisch in der Mitte stehen drei mobile Pinnwände, die vollgepackt sind mit Erinnerungen aus vergangenen Zeiten. In den Ecken des Raumes: Trophäen auf Beistelltischen oder Wandregalen. Von der Decke hängen vier Trikots, die heutzutage in Retro- oder Second- Hand-Shops zu hohen Sammlerpreisen über den Ladentisch gehen könnten. Daneben baumelt eine ausgeblichene hellblaue Trainingsjacke mit Brandlöchern im rechten Ärmel. Den Rücken ziert der Schriftzug BSG Traktor Tribsees. „Die habe ich zur 700-Jahr-Feier der Stadt getragen“, erinnert sich Karg und schmunzelt – das war 1985.

Heute, 33 Jahre später, zeugen nicht nur die schwere Baumwolljacke und die Pinnwände voller Fotos und Urkunden von der Geschichte des Tribseeser SV, der einen Weltkrieg und den Mauerfall miterlebt hat. Zum 90-jährigen Vereinsgeburtstag wurde am Wochenende gefeiert, zurückgedacht und natürlich auch Sport getrieben.

Keine Pokalkrönung zum Jubiläum

Eigentlich hatte sich Karsten Topka, Trainer der Fußball-Männer, einen großen Gegner für die zweite Runde des Landespokals gewünscht. Damit das Jubiläum zum Zuschauermagneten wird. Zugelost wurde dem TSV schließlich der SV Traktor Pentz – Landesklasse statt 3. oder 5. Liga. Das eröffnete den Tribseesern allerdings die Möglichkeit, dem Vereinsfest am Samstagabend mit einem Sieg einen weiteren Grund zum Anstoßen zu bescheren, denn der Gegner war schlagbar. Nicht aber an diesem Tag. Die Hausherren scheiterten am Sonnabend an der eigenen Chancenverwertung. Tribsees verlor mit 1:2. Angestoßen wurde trotzdem. Zunächst mit 30 Minuten Verzögerung auf dem Rasen am Waakstermoorweg. Linienrichterin Diana Räder-Krause blieb auf dem Weg mit dem Auto liegen und Hauptschiedsrichter Jörg Dräger steckte im Stau am A-20-Loch. Das Duell zwischen dem Gastgeber, der mit sieben Ü-30-Akteuren auflief, und den mit elf Mann angereisten Gästen war in der ersten Halbzeit ausgeglichen. Pentz beschränkte sich auf die nötigsten Lauf- und Passwege und tauchte zweimal vor dem TSV-Tor auf. In der 20. Minute umkurvte Innenverteidiger Felix Plamann die Tribseeser Hintermannschaft im Strafraum wie Fahnenstangen und schob zur Führung ein. Drei Minuten vor der Pause reichte ein Ball in die Tiefe über rechts, der im Strafraum quergelegt und von Felix Nüssemeyer zum 2:0 eingeschoben wurde. Schon vor dem zweiten Treffer hatte sich die Topka-Elf in Person von Markus Wollenburg und Sebastian Karg dem Gäste-Gehäuse angenähert. Doch entweder fehlte es an Präzision im Abschluss oder ein Pentzer warf sich noch in den Schuss. Kurz vor dem Halbzeitpfiff wurde Wollenburg im Strafraum umgecheckt. Den fälligen Elfmeter verwandelte Kapitän Sebastian Karg, Erbe der ausgeblichenen Trainingsjacke von 1985, zum 1:2-Anschlusstreffer (45.). In der zweiten Halbzeit spielte nur noch Tribsees gefährlich nach vorn, doch Wollenburg, Karg, Youngster Marvin Starke und Frank Meyer vergaben frei vor Schlussmann René Zander. „Wenn wir konzentrierter spielen, gewinnen wir das Ding mit zwei, drei Toren Vorsprung“, haderte Topka. „Aufgrund der zweiten Halbzeit war der Sieg nicht verdient. Eine Runde weiter wäre schön, aber die Pleite trübt die Stimmung nicht“, versichert Wollenburg.

Familiengenerationen prägen das Vereinsbild

Am Abend wurde dann trotz Pokalniederlage im Festzelt auf dem Klubgelände mit Sekt und Bier angestoßen. Siegfried Grotlüschen nahm die goldene Ehrennadel des Landesfußballverbandes entgegen. Der langjährige Fußballer und Schiedsrichter kam 1971 zum TSV. Für Karsten Topka gab es die Auszeichnung in Silber. Zudem ehrte Präsident Steffen Bartsch-Brüdgam Harry Karg, Bernd Kaczmarek und Frank Günther für besondere Verdienste um den Verein. Viele TSV-Urgesteine sind seit Generationen mit dem Klub verbunden. Harry Kargs Vater Willi war einer der Ersten beim Sportverein. Willis Enkel Sebastian und Philip Karg standen am Sonnabend in der Startelf gegen Pentz. Der jüngste Fußballer des Karg-Klans, Enrico, spielt mittlerweile in Güstrow. Auch der Torjäger und Kapitän des Grimmener SV, Stephan Rambow, machte seine ersten Fußballschritte in Tribsees. Cousin Dennis ist nach Jahren in der Jugend des FC Hansa wieder zurückgekehrt. Markus Wollenburgs Bruder Martin ist ebenfalls in Grimmen aktiv.

Am Anfang war Fußball Nebensache

Doch der Tribseeser SV ist weit mehr als nur Fußball. 1928 schlossen sich Turner, Radfahrer, Schwimmer, Kegler, Reiter und Sportschützen zusammen. Fußball spielte bei der Gründung noch keine Rolle. Nach dem Zweiten Weltkrieg hauchten Turner, Fußballer, Handballer und Tischtennisspieler dem brachliegenden Sport in der Trebelstadt neues Leben ein, gründeten 1951 Aufbau Tribsees.

Sieben Jahre später fusionierte der Verein aus dem heutigen Ortsteil Stremlow mit Aufbau zur BSG Traktor Tribsees. Zwischenzeitlich gesellten sich die Abteilungen Schach, Boxen, Tennis und Volleyball zum Verein. 1990 gewannen die Volleys den DDR-Landsportpokal. Mit dabei war auch Präsident Steffen Bartsch-Brüdgam. Die Trophäe steht nun im Vereinsheim – gegenüber der Karg’schen Trainingsjacke.

Zeitweise war Tribsees sogar Leistungszentrum im Ringen, schickte regelmäßig Sportler zum DDR-Zentrum nach Frankfurt/Oder. „Das brachte uns diverse Medaillen. Offiziell starteten die Ringer für ASK Vorwärts, doch sie kamen ja aus Tribsees“, weiß Vereinsboss Bartsch-Brüdgam. Doch mit dem Mauerfall litt der Sport an der Trebel. „Nach der Wende ist natürlich einiges zerbrochen“, meint Bartsch-Brüdgam. Der Verein kämpft mit dem demografischen Wandel und somit auch gegen sinkenden Mitgliederzahlen. Momentan hat der TSV knapp 220. „Der Sport hier steht und fällt mit einzelnen Personen, die ehrenamtlich ihre Zeit opfern. Das kann man nicht hoch genug anrechnen“, findet der 50-Jährige, der seit 30 Jahren Vorsitzender des Vereins ist. Der demografische Wandel nagt besonders an den Volleyballern. Bartsch- Brüdgam ist einer der Jüngsten im Team. Das Ende der Sparte ist abzusehen.

Aufwind erhalten beim TSV dagegen das Tischtennis und die Leichtathletik. Jürgen Spaller hat 2010 als knapp 70-Jähriger den Tischtennis wiederbelebt. Mittlerweile sind die Tribseeser mit vier Mannschaften im Spielbetrieb. Leichtathletik wird seit knapp einem Jahr wieder auf dem 2009 in Eigenregie sanierten Sportgelände betrieben. „Wir sind froh, wenn wir als größter Verein der Stadt das Vereinsleben noch lange aufrechterhalten können. Das ist wichtig für die Jugend und das Miteinander hier“, beschreibt Bartsch-Brüdgam die größte Herausforderung für die Zukunft des Vereins.

Horst Schreiber

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