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Stralsund Der Stoff, aus dem die Segel sind
Vorpommern Stralsund Der Stoff, aus dem die Segel sind
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00:00 04.01.2018

Eine riesige Fensterfront lässt viel Licht in den Raum. Noch sind die deckenhohen Regale leer, doch schon bald werden sich dort unzählige Flaschen und Gläser drängen, während die Gäste an einer Bar sitzen. Im Nebenraum werden dann Nähmaschinen zu hören sein, an denen Arne Möhring Segel nähen wird.

Der 24-jährige Stralsunder wird Ende Januar gemeinsam mit Philipp Kleemann in der Badenstraße 24/25 den Laden „Wasserstoff“ eröffnen. Dabei ist der Name Programm. Zum einen wird der gelernte Segelmacher Arne Möhring sein Handwerk verrichten, zum anderen bietet Philipp Kleemann sowohl Kunden der Segelmacherei als auch Gästen an der Bar einen Treffpunkt zum Verweilen und Genießen an.

Die beiden Hansestädter freuen sich darauf, in ihrer Heimatstadt etwas Neues zu schaffen. „Wir wollen die Stadt bereichern und etwas frischen Wind reinbringen“, erklärt Arne Möhring. Philipp Kleemann ergänzt: „Und wir möchten anderen jungen Leuten zeigen, dass man in dieser Stadt bleiben und etwas reißen kann. Man muss nicht woanders hingehen“, ist der Student der Hochschule Stralsund überzeugt.

Aber warum diese Kombination aus Bar und Handwerk? „Wir wollten etwas Neues, das trotzdem maritim ist“, sagt Philipp Kleemann. Sich als Segelmacher selbstständig zu machen, ist für Arne Möhring ein lang gehegter Traum, den er nun realisiert. Seine Ausbildung hatte er zunächst in Greifswald begonnen und dann in Heiligenhafen beendet. Den Schritt in die Selbstständigkeit wagt er, weil er sich selbst verwirklichen will. „Da ich selbst seit 15 Jahren Segler bin, weiß ich, worauf es ankommt.“ Die Form müsse perfekt sein und das Segel dürfe auf keinen Fall Falten haben. „Ansonsten wird das Potenzial des Segels nicht ausgenutzt.“

Die Liste, warum der Beruf für ihn etwas Besonderes ist, ist lang: „Die permanente Nähe zum Wasser ist mir wichtig. Außerdem ist jedes Projekt, jede Reparatur anders. Und nicht zuletzt mag ich die technischen Herausforderungen, die dahinter stecken. Es ist nicht damit getan, zwei Sachen aneinander zu nähen oder zu kleben.“

Apropos kleben. Mit dem traditionellen Handwerk hat eine heutige Segelmacherei nicht mehr viel zu tun. „Wie bei vielen anderen Sachen ist auch im Segelsport viel Bewegung. Immer mehr Leute kaufen sich Foliensegel, bei denen die Fasern aus Carbon oder Kevlar bestehen. Diese Bahnen werden dann nicht zusammengenäht, sondern geklebt.“ Die Segler würden sich dafür entscheiden, weil das Material stabiler ist.

Seinen Kunden bietet Arne Möhring sowohl Neuanfertigungen als auch Reparaturen an. Auf Wunsch werden auch Sonnensegel und Persenning gefertigt. Und er hebt hervor: „Ich repariere auch Wind-, Surf- und Kitesegel.“ Zudem können ihm die Kunden über die Schulter schauen. „Dadurch, dass alles offen ist und wir im vorderen Bereich die Bar haben, ist das wie eine Schaumanufaktur“, sagt Philipp Kleemann.

Die beiden sind gespannt auf ihren Neustart. Philipp, der sein Abitur am Goethe-Gymnasium ablegte, studiert derzeit noch an der Hochschule Stralsund Produktionsmanagement. „Ich habe während des Studiums im Bereich der Gastronomie gearbeitet und festgestellt, dass das genau mein Ding ist“, sagt er mit einem Lachen. „Wir wollen unseren Gästen hochwertige Produkte aus der Region anbieten.

Sowohl die Segler als auch alle anderen Besucher werden sich bei uns heimisch fühlen.“

Miriam Weber

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