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Stralsund Mann verbrennt am Frankenteich
Vorpommern Stralsund Mann verbrennt am Frankenteich
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12:26 05.02.2018
Gegen 12 Uhr wurden die sterblichen Überreste des Mannes abtransportiert. Quelle: Stefan Tretropp
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Stralsund

Eine Nacht nach der Ausstrahlung des jüngsten Teils der Stralsund-Krimireihe im ZDF läuft die Polizei am Sonntag in der Hansestadt wieder zur Form auf: Diesmal nicht im Film, sondern in Wirklichkeit. Das hier ist keine Fiktion.

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Am Sonntagmorgen wird die Polizei an den Frankenwall in Stralsund gerufen. Der grausame Fund: eine verbrannte männliche Leiche in Schuhen und Socken. Der Mann könnte an seinem Feuer erfroren oder angezündet worden sein.

Es ist 8 Uhr morgens, als Streifenwagen an den Frankenwall gerufen werden, weil eine Frau zwischen der Gerhart-Hauptmann- Schule und einem Parkdeck einen bereits toten brennenden Menschen gefunden hat. Der Körper wird von der Feuerwehr gelöscht. Die Beamten sperren den Bereich weiträumig ab, kein Durchkommen mehr für Autos. Einige Menschen, die an diesem Sonntagmorgen auf dem Weg zum Bäcker oder joggen sind, fragen was hier los sei. Sie werden von den Polizisten freundlich, aber bestimmt weitergeschickt. Das Polizei-Flatterband raschelt im Wind, ansonsten ist es morgens anders als in einem Fernsehkrimi noch sehr still am Fundort, von dem noch nicht sicher ist, ob er auch ein Tatort ist. Die sich langsam aufbauende Kriminalszenerie macht aber den Eindruck, dass die große Hektik hier erst noch bevorsteht.

Als der Stralsunder Kriminaldauerdienst anrückt, gibt es erste karge Hinweise. Eine Zivilermittlerin mit grauer Wollmütze und blauen Gummihandschuhen stellt sich vor und sagt sogleich, dass sie eigentlich gar nichts sagen kann. Ja, es sei eine Leiche gefunden worden. Welches Geschlecht? „Männlich.“ Und ist sie bis zur Unkenntlichkeit verbrannt? Die Kriminalistin sagt nichts, aber auch nichts Gegenteiliges. „Wir ziehen jetzt erst einmal alle Kräfte hier zusammen, danach gibt es neue Informationen. Solange kann ich nichts weiter sagen.“ Sie macht kehrt, entfernt sich vom Flatterband in Richtung Fundort, starker Schneefall setzt ein. Es ist jetzt 10 Uhr. Ein anderer Zivilpolizist telefoniert auf der gegenüberliegenden Seite des Frankenwalls gut wahrnehmbar mit seinen Kollegen: „Der hatte noch Schuhe und Socken an.“ Ob der Tote ansonsten unbekleidet war, betont er aber nicht ausdrücklich.

Kurz darauf stehen die Polizisten im Kreis an einem blauen Bus, in dem Instrumente zur Spurensicherung verstaut sind. Warten auf Verstärkung. Wer der Tote ist, ob er einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel oder sich selbst angezündet hat, weiß die Polizei selbst noch nicht. Im Zentrum steht die Frage, ob der Mann sich selbst in Brand gesetzt oder von jemand anderem angezündet worden ist.

Bis 12 Uhr fahren weitere Einsatzfahrzeuge und schließlich der Leichenwagen vor. Mit einer hochgehaltenen Decke schützen Polizisten den Fundort vor neugierigen Blicken, als zwei kräftige Männer in weißen Einweg-Overalls die sterblichen Überreste in einen dunkelroten Leichensack stecken. Danach geht alles schnell. Dinge, die mit dem Mann und seinem Tod in Zusammenhang stehen könnten, sind in durchsichtigen Plastiktüten gelandet, die Flatterbänder werden entfernt, Leichenwagen und Polizei verschwinden.

In sozialen Internet-Netzwerken kochen zeitgleich Spekulationen hoch, dass es sich bei dem Toten um einen obdachlosen Straßenmusiker aus Osteuropa handeln könnte, der mit seiner Gitarre in der Fußgängerzone oft Hits von Abba nachgesungen hat. Unter dem Parkdeck hat er häufig übernachtet und sich im Winter in einem angrenzenden Gebüsch, in dem der Tote gefunden wurde, häufig ein kleines Feuer gemacht. Gestern war er nicht mehr dort. Sollte die Staatsanwaltschaft dies nach der angeordneten Obduktion bestätigen, wäre mit der sogenannten Kälteidiotie erklärbar, warum der Tote fast nackt gewesen sein soll. Erfrierende beginnen vor ihrem Tod, wenn die Körpertemperatur unter unter 32 Grad sinkt, stark zu schwitzen. Sie ziehen sich aus, können sich aber nicht mehr selbst helfen.

Benjamin Fischer

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