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Stralsund „Der gute Tod“: Tabuthema auf der Bühne
Vorpommern Stralsund „Der gute Tod“: Tabuthema auf der Bühne
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00:00 17.04.2013
Bizarre Szene: Bernhard Keller (gespielt von Marco Bahr, 2.v. l.) stößt mit Verwandten und Bekannten auf seinen Tod an. Quelle: Nicole Müller
Stralsund

Fallpauschalen und Rabattverträge bei der Patiententherapie, die terminierte Geburt und schließlich Sterben um neun. In der medizinischen Versorgung ersetzt immer mehr Planbarkeit die natürlichen Abläufe.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Wunsch des kranken Journalisten Bernhard Keller nach einem Todestermin etwas weniger bizarr.

Doch bereits die öffentliche Probe von Wannie de Wijns „Der gute Tod“ zeigte, mit der Inszenierung packt das Theater Vorpommern ein heißes Eisen an. Ein brennendes gesellschaftliches Thema — über weite Strecken auf leichte Art.

Rauchend schiebt Bernhard Keller im dritten Akt des Stückes seinen Schmerztropf über die Bühne. Aussichtslos an Lungenkrebs erkrankt, will der Journalist am nächsten Tag um 9 Uhr sterben. Die am Vorabend informierte Verwandtschaft taucht auf und sorgt für eine makabre Totenfeier. „Es geht uns nicht um eine pädagogische Darstellung, sondern wir wollen Realität zeigen“, sagt der Regisseur des Stückes Hannes Hametner.

Die 2008 mit dem Toneel Publikumspreis prämierte Tragikomödie spielt daher in de Wijns Heimatland Holland, wo seit 2001 die Sterbehilfe erlaubt ist. Belgien, Luxemburg und Liechtenstein zogen mit einer Gesetzesänderung nach. In Deutschland wird die Legalisierung unter bestimmten Umständen ebenfalls diskutiert. Die Inszenierung will zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema beitragen. „In einer alternden Gesellschaft muss man sich fragen: Darf man Todgeweihten unnötiges Leiden zumuten?“, gibt Hametner zu bedenken.

Der Regisseur hat sich mit der freien Theatergruppe „Global Hereos“ bereits mit brisanten Themen, wie dem 11. September auseinandergesetzt. Am Theater Vorpommern inszeniert er mit dem Dramaturgen Franz Burkhard und dem Bühnenbildner Giovanni de Paulis. „Das Stück wird bisher erst an fünf deutschen Theatern gespielt“, berichtet Burkhard. In Stralsund und Greifswald stehen Susanne Kreckel, Katja Steuer, Marco Bahr, Lutz Jesse, Markus Voigt und Alexander Frank Zieglarski auf der Bühne.

Das Provozierende für Gesine Borchert (42) aus Sellin ist: „Dem geht es doch noch erstaunlich gut.“ Bernhard Keller macht es sich vermeintlich leicht: „Der Tod ist eure Sache, meine ist das Sterben.“

Seine Angehörigen sind mit der Konzentration auf den letzten Tag überfordert. „Einzig mit der Musik gelingt es ansatzweise ehrliche Gefühle zu transportieren“, beschreibt Hannes Hametner. „Wir hinterfragen die möglichen Grenzen für Sterbehilfe und zeigen eine Familiengeschichte mit ihren Konflikten, die jedem bekannt vorkommen“, ergänzt er. Zur Aufbereitung des Themas hat sich das Inszenierungsteam mit Medizinern, Theologen und Hospizmitarbeitern beraten.

Um dem Publikum eine Vertiefung des Gesehenen zu ermöglichen, ist am 11. Mai im Theater eine Diskussion mit dem Greifswalder Pfarrer Philip Stoepker und den Palliativmedizinern Dr. Anne-Friederike Klenner und Dr. Matthias Henneske unter dem Motto „Senf dazu geben“ geplant.

Es geht uns nicht um eine pädagogische Darstellung, sondern wir wollen Realität zeigen.“ Hannes Hametner, Regisseur
Premiere: 20. April, 19.30 Uhr, Großes Haus, nächste Vorstellungen: 27. April, 4. Mai. 11. Mai und 8. Juni — „Senf dazu geben“ — mit Diskussion zum Thema Sterbehilfe, Hospiz und Palliativmedizin.

Nicole Müller

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