Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Der kleine Unterschied in den Köpfen

Stralsund Der kleine Unterschied in den Köpfen

Noch immer gibt es das Bild vom typischen Frauen- oder Männerberuf. Doch zeitgemäß ist das schon lange nicht mehr.

Voriger Artikel
Ein Ort kämpft für seinen Bahnanschluss
Nächster Artikel
Kinder betrinken sich auf Schulhof

Kim Künzel (18) ist begeistert von Kfz-Mechatronik.

Quelle: Foto: Vincent Huysmann

Stralsund. Frauen frisieren, schminken und erziehen, Männer schrauben, hämmern und bohren. Willkommen im Reich der Rollenklischees. Doch was sich nach Vorgestern anhört, ist im Jahr 2017 noch präsent. Am morgigen Girls Day steht erneut im Fokus, Mädchen einen Einblick in vermeintliche Männerberufe zu ermöglichen. Aber wie zeitgemäß ist das eigentlich? Typische Männer- und Frauenberufe gibt es nach wie vor, und auch die damit verbundenen Vorurteile. Doch wo steht eigentlich geschrieben, dass Frauen die besseren Erzieher sind oder Männer die besseren Mechatroniker? Diese Beispiele beweisen das Gegenteil:

 

OZ-Bild

Es ist wunderbar, die Erfolge der Kinder zu beobachten.Felix Parnow (23), Erzieher in einem Kindergarten

Quelle:

Felix Parnow arbeitet seit drei Jahren als Erzieher, also in einem typisch weiblichen Beruf. Mit Vorurteilen hat er wenig zu kämpfen, obwohl es in seinem Arbeitsumfeld wenig männliche Kollegen gibt.

„Gerade von den Eltern bekomme ich Zuspruch, Unterstützung und Vertrauen. Ich habe noch nie einen schlechten Kommentar über meine Berufswahl gehört, da auch mein Freundeskreis im sozialen Bereich tätig ist“, sagt der 23-Jährige. Dabei stellen Männer weniger als 20 Prozent des Personals in dieser Berufsgruppe.

Nach seinem Schulabschluss hat Felix eine zweijährige Ausbildung zum Sozialassistenten und im Anschluss zum Heilerziehungspfleger gemacht, weil er in seiner Freizeit bereits mit Kindern und Jugendlichen ehrenamtlich gearbeitet hat. „Warum nicht aus dem Hobby den Beruf machen“, hat sich der Stralsunder damals gedacht. Als Heilerziehungspfleger hat er die Aufgabe, Menschen mit Behinderung pflegerischen und pädagogischen Beistand zu leisten, mit der Absicht deren Leistungsfähigkeit und Eigenständigkeit im Alltag zu fördern.

Jahrelang galt die Arbeit mit Kindern als Frauenarbeit, doch Felix ist sich sicher: „Auch Männer können im Umgang mit Kinder eine Bereicherung sein, da sie andere Rollenmodelle vorleben.“ Seit einem halben Jahr arbeitet er in einer Kita in Rostock und ihm gefällt die Arbeit sehr. „Es ist wunderbar, die Lernerfolge und Entwicklungen der Kinder zu beobachten. Sie kommen gerne auf mich zu und dabei ist es ihnen völlig egal, ob ich eine Frau oder ein Mann bin“, stellt der ausgebildete Heilerziehungspfleger fest. Aber es gibt auch Schattenseiten an seinem Beruf, denn die finanzielle Lage ist kritisch. „Als Alleinlebender kommt man mit dem Geld gut zurecht, doch eine Familie kann ich damit schwer ernähren. Wahrscheinlich sind deshalb viele Männer von dem Beruf abgeschreckt und weil es geringe Aufstiegschancen gibt“, kritisiert der 23-Jährige.

Im Hinblick auf die Entwicklung von Rollenverteilungen plädiert Felix Parnow für mehr Offenheit und Aufgeschlossenheit: „Ich wünsche mir eine offene Gesellschaft, die sich von den alten Rollenklischees löst und offen für Neues ist. Jeder sollte seinen Interessen nachgehen können und sich in seinem Job wohlfühlen.“

Während der Männeranteil in der Berufsgruppe der Erzieher nur 20 Prozent beträgt, so gibt es in anderen Bereichen noch viel deutlichere Zahlen: Etwa im Maurerberuf. Nur jede 500. Stelle wird dort von einer Frau besetzt. Das heißt, dass der Frauenanteil 0,2 Prozent beträgt. Christin Petersen setzt sich dem entgegen. Zwar nicht als Maurerin, aber die 17-Jährige möchte gern Kfz-Mechatronikerin werden. Derzeit lernt sie an der Hermann-Burmeister-Schule und absolviert gerade ein Praktikum bei TLS (Tuning Lifestyle GbR).

Bereits mit acht Jahren begann sie sich für Autos zu interessieren. Bei Praktika sammelte sie Erfahrungen, die sie in ihrem Wunsch, Kfz-Mechatronikerin zu werden, bestätigten. „Alleine, dass man täglich neue Sachen dazulernen und regelmäßig vor unterschiedlichen Aufgaben und Herausforderungen steht und diese meistern muss, weckt meine Begeisterung.“ Christin sagt, dass dieser Beruf in den Köpfen der meisten Menschen vor allem mit Männern in Verbindung gebracht wird. „Aber es gibt schon einige Frauen in dem Job und ich würde gern dazugehören.“ Deshalb ist sie nun auf der Suche nach einem Ausbildungsbetrieb.Sabrina Scholz (18) lernt am Hansa-Gymnasium, Vincent Huysmann (17) an der IGS Grünthal. Beide gehen in die 12. Klasse.

Vielfältiges Angebot

Am Girls day, dem Mädchen-Zukunftstag, der einmal im Jahr stattfindet, geht es darum, Mädchen Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu ermöglichen. In den Fokus rücken dabei der technische und der naturwissenschaftliche Bereich.

Verschiedene Unternehmen , Institutionen und Einrichtungen sind aufgerufen, Mädchen an diesem Tag Technik, Naturwissenschaften, Handwerk und Informationstechnik näher zu bringen.

Und das nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis.

Auch im Landkreis Vorpommern-Rügen sind am 27. April wieder viele Unternehmen mit am Start und öffnen ihre Türen für die Mädchen. So gibt es die Möglichkeit, für einen Tag eine Busfahrerin zu sein oder als Kfz-Mechatronikerin auch mal den Schraubendreher zu bewegen, auf dem Schiff unterwegs zu sein oder zu schauen, was man aus Holz fertigen kann oder einmal zu schauen, was das Handwerk des Orthopädieschuhmachers beinhaltet bis hin zu einem Tag in der Werkstatt, im Hansedom oder in der Brauerei. Außerdem können an der Hochschule Stralsund verschiedene Dinge ausprobiert werden.

Sabrina Scholz und Vincent Huysmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Stralsund
Max Schmidt, Fabian Müggenborg, Willi Trost, Schulbegleiter Dirk Brandt und Maximilian Geßmann (v. l.) im Unterricht am Fachgymnasium.

Willi Trost (19) ist nahezu bewegungsunfähig / Am Fachgymnasium möchte er sein Abitur ablegen / Schulbegleiter Dirk Brandt unterstützt den 19-Jährigen

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Stralsund
Benjamin Barz ? Ostsee-Zeitung Hilfe Aktion Wohltaetigkeit Teaser der den User auf die Seite "Helfen bringt Freude" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Helfen bringt Freude“ 2015-11-30 de Aktion Helfen bringt Freude Seit 27 Jahren engagieren sich unsere Leser zusammen mit der OZ für sozial schwache Familien, Kinder sowie gemeinnützige Projekte in Mecklenburg-Vorpommern. Wie Sie in diesem Jahr helfen können, erfahren Sie hier.
Verlagshaus Stralsund

Apollonienmarkt 16
18439 Stralsund

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Benjamin Fischer
Telefon: 0 38 31 / 20 67 40
E-Mail:  stralsund@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.