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Deutschlands älteste Meeresschildkröte wird 50

Stralsund Deutschlands älteste Meeresschildkröte wird 50

Vor drei Jahrzehnten zog die „Unechte Karette“ von Leipzig nach Stralsund um und lebt seitdem munter in der Aquarienwelt des historischen Katharinenklosters.

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Zootierpflegerin Sigrid Wewezer (53) betreut im Deutschen Meeresmuseum seit 28 Jahren die Aquarien. Mitbewohner der fünf Schildkröten sind unter anderem Riffhaie, Doktor- oder Wimpelfische.

Quelle: Marlies Walther

Stralsund. Da ist wohl ein fetter Extra-Happen Kalmar fällig: Heute, auf den Tag genau vor 30 Jahren, zog die „Die Alte“, wie sie liebevoll genannt wird, ins Deutsche Meeresmuseum ein. Und dann feiert die Meeresschildkröte auch noch ihren 50. Geburtstag — womit sie quasi im besten Alter ist. Denn immerhin bis zu 100 Lebensjahre können die Reptilien schon mal auf dem Buckel — äh... Panzer — haben.

„Wann der Geburtstag genau ist, wissen wir nicht. Aber dass er auf dieses Jahr fällt, steht fest“, sagt Tierpflegerin Sigrid Wewezer und blickt zurück: Am 15. Januar 1985 wurde die Unechte Karettschildkröte von Leipzig nach Stralsund umgesiedelt. Zunächst als Leihgabe, weil das Leipziger Aquarium umgebaut wurde. Die Leipziger hatten die Schildkröte 1966 vom Tierpark Berlin übernommen, wohin das in freier Natur geschlüpfte Jungtier im Jahr zuvor gelangt war.

Inzwischen hält die Dame, die später Museumseigentum wurde, den Altersrekord in Deutschland. „Alle anderen Schildkröten, die in Sea-Life-Centern gezeigten werden, sind jünger“, meint Sigrid Wewezer.

Auch in der Vielfalt macht das Stralsunder Meeresmuseum das Rennen: „Es gibt noch sieben lebende Arten, die alle vom Aussterben bedroht sind. Davon präsentieren wir drei“, sagt die 53-Jährige.

In dem 350000-Liter-Becken im Katharinenkloster tummeln sich außerdem noch zwei Suppenschildkröten, eine Echte Karettschildkröte und eine weitere Unechte Karette — Morla, der männliche Vertreter im Quintett, der noch dazu als einziger einen Namen trägt.

Und alle haben ihre Eigenarten. Die Alterspräsidentin, die rund 100 Kilo auf die Waage bringt und einen 83 Zentimeter langen Rückenpanzer hat, mag es zum Beispiel nicht, wenn man ihr auf die Pelle rückt. Gemächlich taucht sie immer mal wieder auf, um Luft zu schnappen. Dann legt sie sich wieder auf den Beckengrund und lässt sich durch nichts stören.

Anfangs kam es vor, dass sie unleidlich wurde, wenn die Museums-Taucher ins Becken stiegen und hat sogar nach ihnen geschnappt. Das kann schmerzhaft sein und ist nicht ganz ungefährlich. Inzwischen aber mag sie es sehr, wenn sie gekrault wird, sich den Panzer schuppern kann oder die Tiertrainer ihr im Spiel eine gelbe Kugel vor die Nase halten.

„In den letzten drei Jahrzehnten war die Schildkröte nicht einmal ernsthaft krank. Es gibt aber immer wieder Zeiten, in denen sie schlecht frisst. Da haben wir uns früher schon Sorgen gemacht“, erzählt Sigrid Wewezer. Längst wurde dafür eine plausible Erklärung gefunden: Es handelt sich um einfaches Fortpflanzungsverhalten — immer zwischen Dezember und Februar. Da ist der Appetit nicht ganz so groß.

Dass die Schildkröte Eier bildet, wie regelmäßige Ultraschalluntersuchungen belegen, werten die Forscher als Zeichen dafür, dass es dem Tier gut geht, auch wenn es noch nicht zu einer Befruchtung gekommen ist.

„Männchen Morla ist zu klein. Es funktioniert nicht so richtig“, sagt Sigrid Wewezer. Sollte es aber doch einmal klappen, könnten die Eier, die möglicherweise an dem kleinen Sandstrand des Schildkrötenbeckens abgelegt werden, in einen Brutkasten kommen. „Wir sind vorbereitet, aber wir forcieren es nicht“, so Sigrid Wewezer. „Natürlich hat man inzwischen ein sehr persönliches Verhältnis zu den Schildkröten aufgebaut“, gibt die Tierpflegern zu, die seit 28 Jahren im Meeresmuseum arbeitet. „Wichtig ist, dass sie sich in unserem Aquarium wohlfühlen. Und wenn sie sich so verhalten, wie draußen im Meer, ist das für uns ein Erfolg.“

Schaufütterung
Bei der Echten und Unechten Karettschildkröte handelt es sich um zwei unterschiedliche Arten. Die Echte hat einen gezackten Panzerrand, einen schmalen Kopf und eine schöne Panzerzeichnung, während die Unechte mit einem größeren Kopf und einem eher einfarbigen, dunkelbraunen Panzer mit glattem Rand daher kommt.
1,5 Kilo frisst die Meeresschildkröte pro Fütterung, die dreimal in der Woche stattfindet. Auf dem Speiseplan stehen Filets vom Seelachs und -hecht, Kalmar, Plötz oder Barsch.
Mittwochs und freitags, 13.15 Uhr, finden Schaufütterungen statt.

 



Marlies Walther

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Die Unechte Karettschildkröte im Deutschen Meeresmuseum feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag.

Vor drei Jahrzehnten zog das Reptil von Leipzig nach Stralsund und lebt seitdem munter in der Aquarienwelt des Deutschen Meeresmuseums.

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