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Stralsund „Die Familie ist enger zusammengerückt“
Vorpommern Stralsund „Die Familie ist enger zusammengerückt“
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00:05 24.09.2016
Der Stralsunder Ingo Küster schrieb das Leben seiner Patentante Gisela Hawkey auf. Das Buch erschien im Druck- und Verlagshaus Kruse.
Stralsund

Es ist der Stoff, aus dem Filme gemacht sind. Es ist Drama, es ist Liebe, es ist berührend – es ist das bewegte Leben von Gisela Hawkey.

Gisela Hawkey (92) erzählt in ihrem Buch „Im Zweifel fürs Leben“ von bewegenden Ereignissen und der Liebe zu Stralsund.

Am 20. Oktober stellt Ingo Küster das Buch „Im Zweifel für’s Leben“ um 18.30 Uhr in der Stadtbibliothek, Badenstraße 13, vor.

Es sind fantastische Brücken entstanden.“Ingo Küster, Autor

Im Stralsunder Druck- und Verlagshaus Kruse ist Anfang September das Buch „Im Zweifel fürs Leben“ erschienen. Darin wird das Leben der gebürtigen Stralsunderin Gisela Schönow erzählt, die es schließlich 1951 nach Wadebridge in England verschlug. Dort lebt die jetzt 92-Jährige noch heute. Und dort erzählte sie ihrem Patensohn Ingo Küster auch ihre Geschichte, der sie für sie aufschrieb.

1924 in Stralsund geboren, wuchs Gisela Schönow gemeinsam mit ihren Eltern und den Geschwistern zunächst glücklich in Niepars und dann in Stralsund auf. Nach der Schule begann sie eine Ausbildung in der damaligen Simson-Apotheke in Stralsund. Ein entscheidender Punkt für ihren weiteren Lebensweg, wie sich herausstellen sollte. Denn nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beschaffte Gisela Schönow Zyankali für die ganze Familie, um möglichen Vergewaltigungen und Repressalien der nahenden Siegermächte durch den Freitod zu entgehen. Die ganze Familie nahm das Gift zu sich und starb – nur für Gisela Schönow selbst reichte es nicht mehr. Die junge Frau versuchte, sich das Leben mit Tabletten zu nehmen und wurde ausgerechnet von einem russischen Offizier gerettet...

„In der Familie hatten wir schon länger zu Gisela gesagt, dass sie ihre Geschichte für die Öffentlichkeit erzählen muss, und nun ist es so weit“, sagt Ingo Küster, der ebenfalls in Stralsund geboren wurde, über 20 Jahre in Hamburg lebte und seit 2012 wieder am Sund zu Hause ist. „Anfang 2015 habe ich mich mit Gisela dann wirklich zwei Wochen hingesetzt, und sie hat mir alles erzählt.“ Denn auch der weitere Lebensweg von Gisela Hawkey, wie sie seit ihrer Hochzeit mit dem englischen Hamilton Hawkey heißt, ist mit seinen Höhen und Tiefen spannend und in jeder Hinsicht erzählenswert.

„Für sie war das Reden wichtig, um ihre Seele zu befreien“, sagt Ingo Küster. Denn den Tod ihrer Familie und später den ihres Mannes zu verwinden, ist für Gisela Hawkey zu einer Lebensaufgabe geworden. Unterstützung bei dem Buch-Projekt erhielt und erhält Ingo Küster vor allem auch von den Söhnen Gisela Hawkeys, Peter und Bruce. „Man könnte fast sagen, dass es auch ein psychosoziales Projekt war, denn letztlich haben auch die Söhne die Geschichte der Mutter in der Gänze erst mit diesem Buch erfahren.“ Zeitgleich erscheint die Geschichte übrigens in englischer Sprache unter dem Titel „A fight for life“ in England.

Auch bei Ingo Küster hat die Arbeit an dem Buch Spuren hinterlassen. „Die Familie ist dadurch noch enger zusammengerückt. Es sind fantastische Brücken entstanden, und darüber bin ich glücklich.“

Darüber hinaus habe er gelernt, dass es wichtig sei, die Augen für die Zeit zu öffnen, die vor uns war.

Miriam Weber

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