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Stralsund Die Gorch Fock ist ein Marketingfaktor
Vorpommern Stralsund Die Gorch Fock ist ein Marketingfaktor
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00:00 10.10.2018

Ist die Idee, im Quartier 65 auf der Hafeninsel ein Schwimmbad zu bauen, wirklich der Weisheit letzter Schluss?

Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) ist am nächsten Sonnabend exakt seit zehn Jahren im Amt. Anlass für ein längeres Gespräch, das wir in zwei Teilen veröffentlichen. Das ganze Interview lesen Sie unter: www.ostsee-zeitung.de Quelle: Foto: Stefan Sauer

Alexander Badrow: Uns fehlt bisher in der gesamten Hotellandschaft der Stadt ein Haus, das einen größeren Wellnessbereich mit Schwimmbad hat, der zudem noch von den Stralsundern selbst genutzt werden kann. Deshalb halte ich die Idee für gut und richtig. Zumal diese Investition angesichts der Tatsache, dass wir in Zukunft mehr Einwohner haben wollen, eine weitere Verbesserung der Lebensqualität darstellen würde, insbesondere im Winter. Ob ein Konzept, in dem allein ein Schwimmbad mit Wellnessbereich vorgesehen ist, an diesem Standort ausreicht, müssen wir prüfen. Die Entscheidung, so ein Projekt als Stadt selbst umzusetzen, ist mutig. Aber wir haben alles vor Ort: gute Planer und finanzkräftige Banken. Und es ist aus meiner Sicht die Aufgabe der Stadtverwaltung, eigene Grundstücke so einzusetzen, dass wir Geld daraus ziehen, das wir im Anschluss wieder für die Modernisierung von Schulen und Kitas einsetzen können.

Aber wie soll das praktisch laufen?

Wir brauchen eine städtische Gesellschaft, die das gesamte Projekt trägt. Beispielsweise die Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft. Dann müsste es einen Architektenwettbewerb geben, nach dem wir uns sicher sind: Das ist genau der Entwurf, der dorthin passt. Zudem gibt es keine Verpflichtung, das gesamte Projekt auf einen Schlag zu entwickeln, sondern dies nach und nach zu tun. Wenn wir dort sofort mit einer finanziellen Größenordnung von zum Beispiel 30 Millionen Euro operieren müssten, wäre mir das Risiko auch zu groß. Ich bin aber überzeugt, dass wir das am Ende hinbekommen.

Wo sollen die Menschen parken, die das Schwimmbad und den Wellnessbereich dann dort nutzen wollen?

Dazu gibt es erste Überlegungen. Was ich mir nicht vorstellen kann, ist, dort eine Tiefgarage zu bauen. Einerseits wegen des Verkehrs, den man damit zusätzlich auf die Hafeninsel lenken würde und andererseits wäre der Bau einer Tiefgarage so nah am Wasser extrem teuer. Man muss auch berücksichtigen, dass sich die Situation mit dem ruhenden Verkehr in Innenstädten auf Grund sich verändernder Mobilitätsgewohnheiten der Menschen in den nächsten Jahren ohnehin drastisch ändern wird.

Müsste genau deshalb nicht die Stellplatzsatzung für die Altstadt geändert werden, um die Schaffung von neuem Wohnraum nicht von Parkplätzen abhängig zu machen, die in einigen Jahren wahrscheinlich weniger gebraucht werden als heute?

Ja, der jetzige Zustand ist heute schon schwer erklärbar, wenn man jemandem, der in der Altstadt ein Haus sanieren und Wohnungen schaffen will, sagen muss: Sie können hier zwar aus Gründen der Gestaltung und des Denkmalschutzes keine Stellplätze anlegen, aber wenn Sie keine Stellplätze schaffen, sind Ablösegebühren fällig. Das ist ein Widerspruch in sich. Ich verstehe zugleich auch, dass viele Menschen, insbesondere mit Kindern, ihr Auto nach Möglichkeit immer in der Nähe haben wollen, aber in der Altstadt wird das auf Dauer nicht möglich sein. Alle Stellplätze im öffentlichen Raum sind derzeit allein durch Anwohner mindestens doppelt belegt. Aber ich denke, wie schon betont, dass die deutschen Innenstädte in den nächsten zehn Jahren auf Grund sich ändernder Lebensbedingungen ohnehin insgesamt stärker vom Verkehr entlastet werden.

Aber bei der Umsetzung dieses Gedankens spielt Ihre CDU-Fraktion in der Bürgerschaft selbst bei einem kleineren Projekt wie der autofreien Wohnbebauung des Quartiers 33 an der Jakobikirche nicht mit.

Dort sollen geplante grüne Innenhöfe geopfert werden, um am Ende ganze elf Parkplätze hinter den neuen Häusern schaffen zu können.

Nun, jetzt sieht die Welt eben noch anders aus. Man muss akzeptieren, dass es Menschen gibt, die auch ein generelles Modell „Autofreie Altstadt“ bisher ablehnen. Manche meinen, sie brauchen täglich ein Auto. Was mit mir aber nicht zu machen ist, sind Pläne, ins Erdgeschoss neuer Häuser in der Altstadt Garagen einzubauen. Das wäre zudem gestalterisch schwierig. Insofern ist die Lösung mit einer Stichstraße durch das Quartier 33, an der dann geparkt werden kann, eine Kompromissvariante. Ich selbst hätte mich für grüne Gärten entschieden, aber kann andere Meinungen dazu sehr wohl akzeptieren.

Das heißt, Sie sind Ihrer Partei nicht böse, dass sie sich für eine autofreundlichere Variante einsetzt?

Ich denke nicht, dass die elf Parkplätze, die es im Quartier 33 geben könnte, für die Stadt das alles entscheidende Thema sind. Zudem wird dort eine Lösung gefunden werden, die es ermöglicht, diese Stichstraße vielleicht eines Tages wieder zurückbauen zu können. Es wird dort auf keinen Fall Asphalt geben.

Ein Bestandteil, der zur Musealisierung der Altstadt beiträgt, ist die Gorch Fock. Halten Sie es für sinnvoll, das Schiff für acht Millionen Euro zu sanieren?

Ja! Ich habe auch noch keine Stralsunder getroffen, die mir gesagt haben: Hau' das Ding doch lieber weg. Die Aufgabenstellung war von vornherein schwierig. Erstens sollen der Stadtverwaltung keine Kosten entstehen, aber zugleich sollen wir das Schiff im Hafen halten und zwar in einem Zustand, dass es auch in 20 Jahren hier noch liegt. Das klingt ein bisschen wie die Quadratur des Kreises. In der Variante, die wir jetzt anstreben, würden wir das aber schaffen. Der Löwenanteil wird von der Landesregierung bezahlt, den Eigenanteil übernimmt der Betreiberverein selbst, der die Gorch Fock nach der Sanierung auch weiter als Event- und Museumsschiff betreiben soll. Ob das am Ende alles hundertprozentig so funktioniert, werden wir sehen, aber diesen Weg verfolgen wir. Aus städtischen Geldern wäre so ein Projekt in dieser Größenordnung nämlich gleich gar nicht finanzierbar. Wir kämpfen dafür, dass an dieser Stelle im Stadthafen ein touristischer Anziehungspunkt erhalten bleibt.

Ich bin dem Verein Tall Ship Friends nach wie vor dankbar, dass er das Schiff hergeholt hat. Allein die Zahl an Fernsehsendungen, die dort aufgezeichnet worden sind, wie zuletzt der ZDF-Fernsehgarten, sind von unschätzbarem Wert für die gute Außenwirkung, die die Gorch Fock für Stralsund erzeugt. Mir fällt kaum ein TV-Beitrag über Stralsund ein, in dem das Schiff nicht vorkommt.

Das ist insbesondere im Tourismusbereich ein echter Marketingfaktor.

Steht das, was in Stralsund für die Touristen getan wird, im Gleichklang mit dem, was für die Stralsunder selbst gemacht wird? Die Kritik, dass dies nicht so sei, kommt hin und wieder mal hoch.

Ich habe das früher hin und wieder mal gehört, aber in den vergangenen Jahren hat das nach meinem Empfinden stark abgenommen. Und man muss doch ehrlicherweise auch anerkennen, dass Dinge, die vielleicht zunächst unter der Überschrift „Für den Tourismus“ geschaffen worden sind, auch die Lebensqualität der Stralsunder erhöhen, wie zum Beispiel unser Strand.

Sind Sie zufrieden mit den vergangenen zehn Jahren Ihrer Amtszeit?

Ich freue mich vor allem, dass ich in der Verwaltung so eine gute Mannschaft habe, die hin und wieder manchmal auch darunter leidet, dass ich wirklich nicht zufrieden bin, wenn nach einem Prozess nicht das Optimum herauskommt. Aber wenn man sich die Rahmenbedingungen ansieht, unter denen wir zurechtkommen mussten, ist die Bilanz sehr gut vertretbar. Denken Sie an die Werftkrise zurück. Mir war zeitweise nicht klar, wie es danach weitergehen könnte. Das Meiste haben aber die Stralsunder selbst vorangebracht. Das macht nicht der OB allein, aber es ist wichtig, dass man den hat.

10 Jahre Badrow

2007 erst ist Alexander Badrow in die CDU eingetreten. Bereits im Jahr darauf ging er als Kandidat der Union zur Wahl des Stralsunder Oberbürgermeisters an den Start. Badrow hatte damals fünf Mitbewerber. Im ersten Wahlgang stimmten 43,6 Prozent der Wahlberechtigten für ihn. In der folgenden Stichwahl votierten schließlich 58,1 Prozent für den gebürtigen Sachsen. Bei seiner Wiederwahl im Jahr 2015 gelingt ihm mit 65,1 Prozent im ersten Wahlgang der Durchmarsch. Die nächsten Wahlen zum Oberbürgermeister stehen in Stralsund 2022 an.

Alexander Badrow ist promovierter Bauingenieur mit dem Schwerpunkt Verkehrs- und Infrastrukturplanung. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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