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Stralsund Die Trebel braucht dringend Hilfe
Vorpommern Stralsund Die Trebel braucht dringend Hilfe
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00:06 15.05.2018
Margit Schneider hatte sich zur Einweihung des Trebelpfades die Mühe gemacht und eine Ausstellung zur Arbeit des Naturschutzbundes und der Naturschutz-Jugend in Tribsees zusammengetragen. Quelle: Fotos: Ines Sommer

Tribsees. „Denk ich an die Trebel in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“, diese abgewandelten Worte aus Heines „Deutschland, ein Wintermärchen“ fühlt sie jeden Tag – die Tribseeserin Margit Schneider. „Ich bin im Sudetenland am Wasser aufgewachsen, und als ich schließlich als junge Frau nach Tribsees kam, war die Trebel mein Ein und Alles. Doch als wir in den Achtzigern merkten, dass dieser Fluss stirbt, habe ich begonnen, mich für den Naturschutz zu engagieren, das war noch bei der 1971 gegründeten Gruppe beim Kulturbund der DDR.“

Naturschützerin Margit Schneider aus Tribsees sagt im OZ-Gespräch, warum gehandelt werden muss

1988 trat die heute 74-Jährige dieser Gruppe bei, die sie ab 1992 auch leitete. 1994 war dann die Geburtsstunde des Naturschutzbundes. Die Ehrenamtlichen kümmern sich seitdem um Fledermaus-Quartiere, beringen Vögel, kämpfen für eine saubere Trebel, beobachten die Tier- und Pflanzenwelt an der Trebel, schützen Falken und Dohlen, aber auch die Vegetation des Grenztalmoores, kümmern sich aber auch ganz aktiv um den Nachwuchs.

Kein Wunder, dass 1995 sogar eine Naturschutz-Jugendgruppe auf die Beine gestellt wurde. Bis 2016 hat Margit Schneider beides geleitet. Dann wurde Birgit Possehl Vorsitzende der Najus. „Und auch beim Nabu werde ich kürzer treten. Zur Wahl am 6. Januar 2019 trete ich nicht mehr an. Ich werde 75, ich muss mal kürzer treten.“ Und das klingt, als müsste sie sich selbst Mut machen für diesen Schritt, der ihr ganz sicher schwer fallen wird. „Ich bin ja immer da, kümmere mich um alles, mache die Buchhaltung, selbst das Putzen übernehme ich. 1100 Stunden sind da zusammengekommen. Ja, ich weiß, ich konnte nie gut delegieren. Aber das muss jetzt anders werden...“

Margit Schneider blickt auf ein turbulentes Leben. Nach einer schönen Kindheit in der Gemeinde Groß Mohrdorf (ab der 5. Klasse hatte sie sogar im Hohendorfer Schloss Unterricht, ging später in Velgast zur Schule), stand schnell fest: Das junge Mädchen wollte Bibliothekarin werden. „Ich hatte schon meine Stelle in der Goethe-Buchhandlung in Stralsund, doch man wollte mich zwingen, in die SED zu gehen. Da habe ich abgelehnt.“ Stattdessen ging es ans Institut für Lehrerbildung nach Franzburg. „So kam ich als junge Unterstufenlehrerin schließlich nach Tribsees, unterrichtete alle Fächer, auch Schulgarten und Musik. Ich habe mit sehr vielen Kindern Kulturprogramme einstudiert“, lacht die Frau, die gerne Lehrerin war.

Ob ein unerwünschter Unterrichtsgang ihrer Schüler in die Thomaskirche oder ihr offener Wunsch nach einer anderen Umweltpolitik – Margit Schneider eckte immer wieder an. Das kostete sie letztendlich den Lehrer-Job. „Tribsees war eben eine Hochburg des Sozialismus, da kam man auch Anfang der 90er noch nicht gegen an. Aber ich hatte immer einen Schutzengel...“

Und der ist ihrer Meinung nach auch dafür verantwortlich, dass sie 1993 einen Herzinfarkt überlebte, an dessen Folgen die sonst so taffe Frau bis 1995 zu knabbern hatte, so manche Krise in ihrer 55-jährigen Ehe meisterte, den Tod der Tochter und dann noch den Tod des Mannes verkraftete. „Ja, mit der Aufregung der Wende kam das alles hoch. Trotzdem habe ich mich im Demokratischen Aufbruch engagiert, und ich schöpfte endlich wieder Mut für die Trebel“, sagt Margit Schneider und zeigt uns dicke Hefter. „Ich habe Helmut Kohl angeschrieben und die Adenauer-Stiftung um Hilfe gebeten. Aus dem dreckigen Kanal, in dem es keine Badeanstalt mehr gab, weil das Wasser zu keimig war, sollte wieder ein Fluss werden. Mit Fluss-Auen, so dass sich Biber, Graureiher und Fischadler wieder wohl fühlen können. Ich wollte die Trebel sauber machen. Das war mein Ziel.“

Während die Kämpferin durch den Herzinfarkt lange aus der Bahn geworfen wurde, landeten die beantragten Gelder schließlich beim Staatlichen Amt für Umwelt und Natur in Stralsund. „Und die hatten bis 1996 nichts Besseres zu tun, als die Trebel in ihr altes Flussbett zu verlegen. Der Fluss hatte zwischen Tribsees und Bassendorf nur Schleifen, es gab gar keine Fließgeschwindigkeit mehr, keinen Sauerstoff. Von der Fluss-Renaturierung hatte ich mir was anderes erhofft. Da blutet mit heute das Herz. Damals habe ich weder Schmerz noch Freude gefühlt, so tief war ich gefallen.“

Längst ist Margit Schneider, von Beruf mittlerweile auch Umweltschutz-Assistentin, wieder an vorderster Front dabei. „Wenn ich gesund bleibe, kämpfe ich weiter für die Trebel. Zurzeit sind Fluss und Kanal getrennt, so dass kein Austausch stattfinden kann, deshalb das Fischesterben. Wir brauchen an der Stelle des Übergangs unbedingt ein Wehr, denn das ist beweglich, kann bei Bedarf aufgezogen werden“, steht ihre Marschroute fest.

Ines Sommer

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