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Die Volkswerft verliert ihren Namen

Stralsund Die Volkswerft verliert ihren Namen

Nach der Übernahme soll nun der alte Schriftzug an der Fassade der Stralsunder Schiffbauhalle ersetzt werden.

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Auf diesem Foto hat die Werft bereits vorempfunden, wie die Schiffbauhalle demnächst aussehen soll.

Stralsund. Ende einer namhaften Ära in Stralsund: Demnächst soll die Volkswerft ihren traditionellen Namen abgeben. An der weithin sichtbaren Schiffbauhalle werde in voraussichtlich zwei bis drei Wochen der Schriftzug „MV Werften Stralsund“ angebracht, sagte der Sprecher der MV-Werften, Stefan Sprunk. Damit verliert die 1948 gegründete Volkswerft nach 68

OZ-Bild

Nach der Übernahme soll nun der alte Schriftzug an der Fassade der Stralsunder Schiffbauhalle ersetzt werden.

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Jahren ihren Markennamen, der seitdem vielen Schiffen in die Bauplakette gestanzt worden ist.

Ursprünglich hätte der neue Name bereits bis gestern auf der Halle zu sehen sein sollen. Die Arbeiten seien aber aufwändiger als gedacht, sagte Sprunk. Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU): „Natürlich hat der Name Tradition in Stralsund. Wichtiger ist aber, dass in der Stadt wieder Schiffe gebaut werden. Darauf müssen wir unseren Fokus legen.“ Bei Lichte betrachtet, hat die Stralsunder Volkswerft ihren Namen bis zur nun beabsichtigten Änderung der meterhohen Inschrift an den Wänden der Schiffbauhalle bereits in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt verloren.

Schon als die Werft im Juni 2014 von dem Russen Witalij Jussufow übernommen worden war, trug sie ab 2015 offiziell den Namen: „Nordic Yards Stralsund“. Der Volkswerft-Schriftzug an der großen Schiffbauhalle blieb den Stralsundern aber erhalten.

Der Schriftzug wurde so, wie er heute zu sehen ist, im September 2007 angebracht, nachdem die Hegemann-Gruppe Eigentümer des Betriebes geworden war (2007 bis 2010). Werfteigner Detlef Hegemann hatte damals zunächst geplant, den Schiffbaubetrieb in „Hanse-Werft“ umzubenennen, das Vorhaben aber nach Protesten der Belegschaft wieder gestoppt. Ein gewisses Maß an Selbstdarstellung konnte sich Hegemann anschließend nicht verkneifen, indem er die Inschrift „Volkswerft Stralsund“ an der Halle erneuerte und um seine Initialen „dh“ ergänzte. Auf der Werft wurde das aus den Initialen geschnitzte Logo in fett gesetzten Kleinbuchstaben wegen seiner Ähnlichkeit fortan als Elefant bezeichnet.

Nordic-Chef Jussufow ließ das Emblem nie entfernen. Seit diesem Frühjahr gehört die Werft zusammen mit den Standorten Rostock und Wismar der malaysischen Genting-Gruppe.

Gestern haben mehrere Genting-Manager das Schiffbauprogramm der Stralsunder Werft für die nächsten Jahre vorgestellt. Demnach soll am Sund ab Mitte 2017 zunächst mit der Produktion des ersten Luxus-Kreuzfahrtschiffes der „Endeavour“-Klasse für Reisen in die Polarmeere begonnen werden. Parallel dazu werden Rumpfsegmente für ein Kreuzfahrtschiff der weltweit größten Global-Klasse gefertigt und anschließend nach Wismar geschleppt, wo die Produktion der großen Kreuzliner angesiedelt ist.

Ein Jahr später soll mit dem Bau einer zweiten Luxus-Yacht der „Endeavour“-Klasse begonnen werden. 2019 steht wieder ein Rumpfsegment für ein kleineres Kreuzfahrtschiff auf dem Programm. Insgesamt sollen in Stralsund sieben „Endeavour“-Yachten vom Stapel laufen, kündigte Genting-Vorstand Colin Au an.

Genting will vor dem Start der Produktion 13 Millionen Euro in den Standort investieren. Mit dem Geld sollen der Schiffslift repariert und die Paneellinie modernisiert werden.

Wechselhafte Werftgeschichte

1948 ist die Volkswerft Stralsund gegründet worden. Sie entstand auf dem Gelände der vormaligen Kröger-Werft.

Schon ein Jahr später wird der erste von 594 Loggern übergeben. 1955 hat die Volkswerft im Westen ihren ersten Auftritt: Ein Logger wird auf der Fischereimesse in Kopenhagen präsentiert.

Nach dem Abschluss eines Schiffbauabkommens zwischen der DDR und der UdSSR wird die Werft zwischen 1970 und 1973 erweitert. Ab dann können 120 Meter lange Schiffe witterungsunabhängig in einer Halle gebaut werden. 1990 wandelt die Treuhand die Volkswerft in eine Kapitalgesellschaft um. Im Februar 1993 folgt die erste Privatisierung, Hauptgesellschafter ist der Bremer Vulkan, der drei Jahre später pleitegeht. Nach einer Übergangszeit ist der dänische Konzern A.P. Moller neun Jahre lang Besitzer der Volkswerft. 2007 übernimmt Peene-Werft-Eigentümer Detlef Hegemann die Werft, zieht sich aber 2010 zurück. Die Peenewerft Wolgast und die Volkswerft Stralsund verschmelzen zu den P+S Werften. 2014 übernimmt die Nordic Yards-Gruppe den Standort Stralsund. Zwei Jahre später kauft die Genting- Gruppe die Volkswerft im Paket mit den Werften in Rostock und Wismar.

Benjamin Fischer

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