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Diese junge Frau spielt Stralsunds erste Geige

Stralsund Diese junge Frau spielt Stralsunds erste Geige

Dorothea Dobke hat hart für ihren Traum vom Geigenbau gekämpft / Inzwischen führt die 27-Jährige ihre eigene Werkstatt in der Altstadt

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Dorothea Dobke stimmt eine Geige. „Sie darf nicht eingeklemmt, sondern muss frei klingen“, weiß die Stralsunderin.

Quelle: Foto: Alexander Müller

Stralsund. In ihrer kleinen Werkstatt riecht es nach Holz. Es ist warm. Überall sieht man Geigen. Auf dem Boden warten Holzstämme auf ihre Verarbeitung. Seit sie drei Jahre alt ist, spielt Dorothea Dobke Geige. Eine gute Voraussetzung für ihren Beruf, denn Dobke repariert und restauriert im Kundenauftrag Geigen und ist die einzige Geigenbauerin Stralsunds. „Ich kann mich gar nicht an die Zeit erinnern, als ich mit dem Spielen anfing“, sagt die 27-Jährige. „In meiner Kindheit war ich von April bis Oktober Dauercamper auf Rügen. Mit meinen drei Geschwistern hab’ ich dann immer den Wald unsicher gemacht“. So entwickelte sich ihre Leidenschaft für den Werkstoff Holz bereits sehr früh.

Inzwischen sind viele Jahre vergangen und Dorothea Dobke hat sich selbstständig gemacht. In ihrer schwarzen Cordhose sitzt die junge Frau auf einem Hocker, über dem ein Schafsfell liegt. Sie erneuert gerade einen Steg. Der muss dem Korpus genau angepasst werden, denn er leitet die Energie der Saiten an den Klangkörper weiter. Manche Geigen, die sie bearbeitet, kosten nur 50 Euro. Es landen aber auch echte Schätze auf der Lederunterlage ihrer Werkbank, die bis zu 10000 Euro wert sind.

Zurzeit repariert und restauriert sie die eleganten Streichinstrumente lediglich. Vom Neubau kann sie sich noch nicht über Wasser halten, denn der ist zu zeitintensiv. Ihre eigene Werkstatt führt sie erst seit 2014. Um sich die doppelte Miete leisten zu können, restauriert sie nebenbei auch Möbel und schnitzt mit Kindern Holzspielzeuge im Freilichtmuseum Klockenhagen. Ihre Leidenschaft aber bleibt der Geigenbau. Aktuell hat sie bereits um die 25 Stammkunden. Bis hierhin war es aber ein harter Weg.

Als Dorothea Dobke zehn Jahre alt war, zog sie nach München. „Es war ein Schock für mich. Aber meine Mutter hatte da einen neuen Job gefunden“, erinnert sie sich. Mit etwa zwölf Jahren war sie sich dann sicher, dass sie Geigenbauerin werden möchte. Insofern war der Umzug nach Bayern ein glücklicher Zufall. Denn im kleinen bayerischen Ort Mittenwald befindet sich die Staatliche Musikinstrumentenbauschule. Mit 16 Jahren bewarb Dorothea Dobke sich um die Aufnahme. Sie hatte 120 Konkurrenten, von denen nur zwölf aufgenommen werden. Damals scheiterte sie knapp. „Mein Ehrgeiz war geweckt, ich wollte es unbedingt. Also sammelte ich noch ein paar Jahre Erfahrung“. Beim zweiten Bewerbungsversuch drei Jahre später hat sie es dann geschafft. In den folgenden dreieinhalb Jahren schulischer Ausbildung erlernte die junge Frau dann den Neubau, das Lackieren und die Reparatur des Instruments. In den letzten beiden Semestern wurde das Gesellenstück geplant und schließlich gebaut. Darauf spielt sie noch heute.

Ihr Lieblingsgeigenbauer ist aber Giuseppe Guarneri. Der Italiener werkelte im 18. Jahrhundert und baute Geigen, die sich durch eine sehr spezielle Schnecke, das ist die obere Spitze der Geige, auszeichnen. „Seine Schnecken sind nicht so perfekt wie die von Stradivari. Sie sehen eher aus wie Fratzen. Das mag ich“, sagt Dorothea Dobke. Für eine Guarneri kann man schonmal Millionenbeträge loswerden. Die Stralsunderin verkauft eine selbstgebaute Geige je nach Aufwand für etwa 9000 Euro. Aber wer weiß, vielleicht zahlt man in einigen Jahrzehnten ja auch Millionen für eine echte Dobke.

Dana Frohbös

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