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Stralsund Dort wurde der Nieparser Tresor gefertigt
Vorpommern Stralsund Dort wurde der Nieparser Tresor gefertigt
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16:06 22.01.2019
Diesen Tresor hat Familie Pillukat aus Niepars im vergangenen Jahr geerbt. Auf der Innenseite der Tür ist ein Schild mit folgender Gravur angebracht: „A. Schütz Stralsund No 613“. Quelle: Pauline Rabe
Niepars/Stralsund

Die Herkunft des Tresors von Familie Pillukat ist offenbar geklärt: Das kleine Schild auf der Innenseite der Tür weist auf die Stralsunder Werkstatt eines August Schütz hin, die zum Ende des 19. Jahrhunderts in der Kleinschmiedstraße 10 ansässig war. Zahlreiche OZ-Leser hatten sich auf den Aufruf von Familie Pillukat gemeldet und verschiedenste Hinweise geliefert. Damit konnte die Produktionsstätte zwar herausgefunden werden – in welchem Besitz der Stahlschrank danach war und wofür er genau verwendet worden ist, wird aber wohl weiter ein Rätsel bleiben.

Finder Martin Pillukat freut sich dennoch über die gesammelten Informationen: „Danke an alle, die Hinweise gegeben haben“. Der entscheidende Tipp zur Aufdeckung des Rätsels kam als erstes von OZ-Leser Robby Sandmann: „In Stralsund gab es eine Werkstatt A. Schütz, die Tresore anfertigen ließ. Von dieser wird der Schrank sein“, vermutet er. Und tatsächlich: Andreas Neumerkel vom Stralsunder Stadtarchiv kann dies bestätigen. Der Geldschrank, so habe man Tresoren früher genannt, sei höchstwahrscheinlich vom Stralsunder Schlosser und Techniker August Schütz um 1900 hergestellt worden.

Schlosserdynastie Schütz

„Hundertprozentig kann ich das aber nicht sagen, denn er stammte aus einer Schlosserdynastie“, erklärt Neumerkel. Das bedeutet: August Schütz wurde am 11. August 1862 in Stralsund als Sohn eines Schlossermeisters geboren. Da sein Vater Andreas mit Vornamen hieß, könnte es ebenso gut sein, dass die Abkürzung „A. Schütz“ in Pillukats Tresor für ihn steht. „Ich tendiere aber zu August, da dieser sich auf den Bau von Geldschränken und Sicherheitsschlössern spezialisiert hat.“ Er hätte die Firma seines Vaters übernommen, als dieser 1895 starb. Das Haus, in dem sich die Werkstatt befand, sei am 20. Juni 1944 während des Zweiten Weltkrieges von einem Bomber zerstört worden.

Der ehemalige Antiquar Siegbert Bendt hat ebenfalls Nachforschungen zu Pillukats Tresor angestellt, nachdem er den Artikel in der Zeitung entdeckt hat. Was ihm direkt aufgefallen ist: „Den Nachnamen Schütz gab es entgegen der Annahme der Familie gar nicht so häufig in Stralsund.“ Nur einen Eintrag konnte er finden: Paul Schütz. Der habe aber aufgrund des falschen Vornamens wahrscheinlich nichts mit dem Tresor zu tun. Das Gespräch mit Andreas Neumerkel zeigt aber: August und Paul Schütz waren Brüder – und standen in starker Konkurrenz zueinander. Denn auch Paul stellte Panzerschränke her, jedoch in seiner eigenen Werkstatt in der Mönchstraße 20.

Weitere Tresore in Stralsund

Martin Pillukat jedenfalls ist nicht der einzige, der einen Tresor der Familie Schütz besitzt. Sogar Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow hat einen in seinem Amtszimmer stehen. „Bei diesem ist jedoch nicht klar, ob der von Andreas, August oder Paul gefertigt wurde“, sagt Neumerkel. Es gäbe im Gegensatz zum Nieparser Tresor keine Inschrift. Eine OZ-Leserin, die namentlich nicht genannt werden möchte, hat sogar so einen Geldschrank bei sich im Wohnzimmer stehen. Sie vermute, dass ihrer noch etwas älter als der von Pillukat ist. Aber auch bei ihr fehle das Schild an der Innenseite der Tür.

In einem Schritt ist sie den Pillukats aber voraus: „Ich weiß, wo mein Tresor stand und wofür er verwendet worden ist“, verrät die Leserin. Sie habe den Geldschrank von ihren Großeltern geerbt, denen eine Holzpantoffelfabrik in Stralsund gehört hat. Dort sei der Tresor zur Aufbewahrung wichtiger Akten genutzt worden. Und auch heute würde sie ihn noch für Unterlagen benutzen. „Herr Pillukat hat mit seiner Schätzung, dass der Tresor eine halbe Tonne wiegt, nicht unrecht.“ Sie habe den Schrank schon versetzen müssen und festgestellt, dass er etwa 450 Kilogramm auf die Waage bringt. Ein Restaurator habe ihr außerdem gesagt, dass diese Tresore damals noch eine Holzverkleidung oberhalb der Tür hatten.

Einen weiteren Fakt über die Geldschränke hat Andreas Neumerkel durch seine Recherche herausgefunden. In einem Artikel aus der Stralsundischen Zeitung vom 10. Februar 1886 steht: „Der Schlossermeister A. Schütz ließ um 10 Uhr Vormittags einen Haufen Holz von vier Raummetern, in dessen Mitte sich der Schrank befand, anzünden.“ Bei dessen Öffnung hätte sich gezeigt, dass sämtliche Geschäftsbücher, einzelne Papiere und auch Banknoten unversehrt waren, obwohl das Innere des Tresors deutliche Spuren der großen Hitze davon getragen hätte. Die Geldschränke der Familie Schütz seien also feuerfest.

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Pauline Rabe

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