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Stralsund Ehefrau getötet: Staatsanwalt fordert 12 Jahre
Vorpommern Stralsund Ehefrau getötet: Staatsanwalt fordert 12 Jahre
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21:30 19.06.2017
Der Angeklagte (2.v.l.) wird in den Gerichtssaal geführt. Quelle: Uwe Driest
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Stralsund/Bergen

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer 41-jährigen Syrerin hat die Staatsanwaltschaft eine Haft von zwölf Jahren und sechs Monaten für den Ehemann gefordert. Der 54 Jahre alte Mann habe sich des Totschlags schuldig gemacht, sagte Staatsanwalt Dietmar Scholz am Montag vor dem Stralsunder Landgericht. Der Syrer hatte im November in Bergen auf der Insel Rügen nach einem Streit mehr als 20 Mal auf seine Frau eingestochen. Die Frau war blutend auf die Straße geflüchtet und starb später im Krankenhaus.

Der Angeklagte habe eine patriarchalisch geprägte Ehe geführt, in dem er sich grundsätzlich das Recht herausnahm über seine Familie und seine Frau zu bestimmen, sagte der Staatsanwalt. Zunehmend habe er seine Rolle als Familienoberhaupt in Frage gestellt gesehen.

Verteidigung für milde Strafe

Die Verteidigung sprach sich für eine milde Strafe aus, ohne den Totschlag grundsätzlich in Frage zu stellen. Sein Mandant habe die Tat gestanden, sagte der Verteidiger. Die neue Sprache, die andersartige Kultur und das Leben in Deutschland hätten ihn aus der Bahn geworfen. Sein Mandant sei ein gebrochener Mann. Das Urteil soll am Freitag (23.6.) verkündet werden.

Familie kam 2014 nach Deutschland

Das Paar war im August 2014 mit seinen Kindern nach Deutschland geflüchtet und bekam wegen des Krieges in seiner syrischen Heimat in Deutschland subsidiären Schutz. Wegen der zunehmenden Spannungen in der Familie lebte das Paar zwischenzeitlich getrennt. Seine Frau habe ein selbstbewussteres Leben geführt, seine Kinder akzeptierten die autoritäre Rolle des Vaters nicht mehr unwidersprochen. Ein Sohn berichtete im Prozess von Bedrohungen durch den Vater. Auch soll er - wie aus einer Whatsapp-Nachricht hervorgeht - seine Frau gewürgt haben.

Aus Wut mit Küchenmesser auf Frau eingestochen

Als diese ihm angekündigt habe, mit den Kindern nach Berlin ziehen zu wollen und er nur mitkommen dürfe, wenn er das selbstständigere Leben der Familie akzeptiere, sei es zu der Auseinandersetzung gekommen, schilderte der Staatsanwalt den Tathergang. Der Angeklagte habe ein Küchenmesser geholt und angedroht sich zu töten. Als seine Frau nicht mit dem erwarteten Mitleid reagiert habe, habe er aus Wut auf sie eingestochen.   

In seinen letzten Worten sagte der Angeklagte unter Tränen. „Ich habe keine Kraft mehr. Ich habe alles verloren, meine Familie, meine Frau.“ Zu Prozessbeginn hatte der Mann im Falle einer Verurteilung ein „gutes Urteil“ - die Todesstrafe - vom Gericht verlangt.

Martina Rathke

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